Mittwoch, 21. August 2019

Smartphones: Gefährlich für Kinderaugen

Ausgabe 2019.02

Experten warnen: Die übermäßige Nutzung von Smartphones fördert bei Kindern die Entwicklung von Kurzsichtigkeit. GESÜNDER LEBEN zeigt, was Eltern in Sachen Smartphones bei Kindern beachten sollten.


Foto: iStock-869002238_Kerkez

 

Expertin
Dr. Bettina Wabbels, 
Leiterin der Abteilung für Orthoptik, Neuro- und pädiatrische Opthalmologie an der Augenklinik Bonn (D)

Nichts scheint für die Kleinen interessanter zu sein, als das „Wischen“ am Handy, das Anschauen von Fotos oder Videos oder einfach nur auf irgendwelche Tasten zu drücken. Aber Vorsicht! Augenärzte warnen vor einem zu frühen Gebrauch von Smartphones und Co bei Kindern. Denn Studien belegen, dass die Anzahl kurzsichtiger Menschen in den vergangenen Jahren in den Industrieländern angestiegen ist, in Österreich sind bereits rund 50 Prozent aller jungen Erwachsenen von Myopie (Kurzsichtigkeit) betroffen. „Dies ist vor allem auf den frühen und sehr intensiven Gebrauch von elektronischen Medien bei gleichzeitig immer kürzeren Tagesaufenthalten im Freien zurückzuführen“, erklärt Dr. Bettina Wabbels von der Augenklinik Bonn (D). Fernsehen wird von Experten weniger problematisch gesehen, weil die Entfernung zum Bildschirm in der Regel größer ist als bei Smartphones oder Tablets. „Eine Myopie, die einmal vorhanden ist, bleibt dauerhaft bestehen“, betont die Expertin weiter. Myopie beginnt meist im Volksschulalter und nimmt bis zum frühen Erwachsenenalter zu. Dies ist auch der Grund, wieso Smartphones für Kinder schädlicher sind als für Erwachsene: „Das erwachsene Auge wächst nicht mehr. Und: Je früher die Myopie beginnt, desto stärker ist meist ihr Ausmaß, wenn sie zum Stillstand kommt.“ Kurzsichtigkeit sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen, weiß Wabbels, steigt damit doch das Risiko für Folgeerkrankungen: „Abgesehen von der Notwendigkeit einer Brille beziehungsweise von Kontaktlinsen besteht bei der Myopie ein größeres Risiko zum Beispiel für eine Netzhautablösung, eine Erkrankung der Makula oder auch für erhöhten Augeninnendruck, der zu grünem Star führen kann.“ Nicht überraschend also, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO die Zunahme der Myopie zu einem weltweiten Gesundheitsproblem erklärt hat. Zudem kann der ständige Blick auf den Bildschirm Augen reizen, ermüden und austrockenen, das räumliche Vorstellungsvermögen kann darunter leiden und „Probleme beim Wechsel zwischen Nah- und Fernsicht können entstehen, etwa in Form von verschwommenem Sehen oder Schielen.“ Auch steht die abendliche Verwendung von Smartphones oder Tablets im Verdacht, Schlafstörungen auszulösen. Wabbels: „Der Blaulichtanteil der Bildschirme hemmt die Ausschüttung des Hormons Melatonin, das schläfrig macht.“

So viel Smartphone darf sein
Auch bei der Verwendung von Smartphones kommt es auf das Maß und Ziel an. „Kinder bis zum Alter von drei Jahren sollten PC, Smartphones und Tablets gar nicht nutzen“, so Wabbels. „Im Alter von vier bis sechs Jahren wäre eine maximale tägliche Nutzungsdauer von bis zu 30 Minuten zu tolerieren.“ Kritischer Nachsatz: „Smartphones und Tablets sollen nicht als ‚Babysitter’ benutzt werden oder das gemeinsame Betrachten von Bilderbüchern ersetzen! Zudem sollten Kinder im Vorschulalter zunächst einmal die Gelegenheit haben, das echte Leben zu erkunden.“ Im Volksschulalter empfehlen Augenärzte eine „Handyzeit“ von maximal einer Stunde täglich, ab einem Alter von etwa zehn Jahren von bis zu zwei Stunden. Allgemein gilt: „Bis zu zwei Stunden vor dem Schlafengehen sollten elektronische Medien gar nicht genutzt werden!“, so Wabbels, die Eltern zu klaren Nutzungsregeln rät. Die Expertin abschließend: „Besonders wichtig ist, dass die Kinder mindestens zwei Stunden bei Tageslicht draußen sind, da dies sich wiederum günstig auf die Entwicklung von Myopie auswirken kann.“

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