Donnerstag, 23. Mai 2019

Sensibles Kraftwerk

Ausgabe 10/2012
Die Leber ist Kraftwerk und Kläranlage für den Körper. Doch unser Lebensstil fordert unsere Leber oft mehr, als sie verträgt. Wir zeigen, wie Sie Ihre „Kläranlage“ in Schuss halten. Plus: Alles über Hepatitis-Erkrankungen und deren Heilchancen.

Foto: Mustafa Arican - iStock
Ohne Speis, Trank und Schlaf musste Prometheus an den Felsen geschmiedet ausharren. Und jeden Tag kam der Adler Ethon und fraß von Prometheus´ Leber, die sich zu dessen Qual immer wieder erneuerte. – So die griechische Mythologie, in der mehr Wahrheit steckt, als man vermuten würde, denn tatsächlich ist die Leber ein Organ, das wieder nachwächst, wenn ein Teil entfernt wird.

Kraftwerk und Kläranlage. Die rosa-bräunliche Drüse ist eine Art Kraftwerk und Kläranlage für den Körper. Sie reguliert den Fett- und Zuckerstoffwechsel, lagert wichtige Nährstoffe ein und spielt neben den Nieren eine zentrale Rolle bei der Entgiftung des Körpers. Zu viele Gifte – dem Körper zugeführt – überlasten die Leber aber und können sie krank machen. Dazu gehören Alkohol, Zucker und Fette, aber auch Drogen. Oftmaliges Alarmsignal bei Lebererkrankungen ist die sprichwörtliche bleierne Müdigkeit, und fortgeschrittene Leberschädigungen sind mitunter auch äußerlich erkennbar: Die Haut wird dunkler und sie erfährt Gefäßzeichnungen, der Körpergeruch verändert sich durch einen steigenden Ammoniakspiegel im Blut. Doch für eine exakte Diagnose braucht es einen erfahrenen Experten, mehrere Blutparameter, bildgebende Verfahren und die Erfassung des klinischen Erscheinungsbilds. Das Tückische an einer Lebererkrankung ist freilich, dass die Symptome oft sehr diffus und für den Laien nicht erkennbar sind. Die schon erwähnte Schlappheit, veränderte Blutwerte oder auch Völlegefühl werden oft bagatellisiert oder ignoriert.

Weit verbreitet: Die „Wohlstandsleber“. Dabei leidet in unseren Breiten mittlerweile jeder Vierte an einer Fettleber – oft auch „Wohlstandsleber“ genannt. „Als Risikofaktoren gelten Fettleibigkeit, ein Diabetes mellitus, eine Erhöhung der Blutfettwerte, aber auch rascher Gewichtsverlust. Auch Medikamente können zur Entstehung dieser Krankheit beitragen“, erklärt OA Dr. Michael Strasser von der Universitätsklinik für Innere Medizin 1 der Salzburger Landeskliniken (SALK). „Das Spektrum der Erkrankung reicht von der ,blanden Fettleber‘, bei der zu 98 Prozent kein Fortschreiten der Erkrankung stattfindet, bis zur Ausbildung einer Entzündungsreaktion in der Leber mit dem Resultat einer Fettleberzirrhose.“ Eine gezielte medikamentöse Therapie gegen die Fettleber gibt es allerdings nicht. Strasser: „Empfohlen werden aber eine behutsame Gewichtsreduktion mit Kalorienrestriktion, Umstellung der Ernährung und körperlicher Aktivität sowie die Einstellung des Blutzuckers und die Senkung der Blutfettwerte.“

Tabu: alkoholische Lebererkrankung. Eine andere „giftbedingte“ Lebererkrankung, deren Ursache tabu ist und die daher häufig verschwiegen wird, ist die alkoholische Lebererkrankung. „Eine sorgfältige Anamnese ist hier wichtiger als jeder Labortest, denn keiner dieser Tests ist geeignet, einen Alkoholmissbrauch zu beweisen“, sagt Strasser. „Man muss auch bedenken, dass es keine verlässliche Grenze gibt, bis zu der Alkohol ohne Gesundheitsrisiko konsumiert werden kann. So können ,schwere Trinker‘ von der Entwicklung einer Leberzirrhose verschont bleiben, während bei anderen Menschen schon moderater Alkoholkonsum zu einer Leberzirrhose mit allen Komplikationen führen kann.“ Jene gefährliche Leberzirrhose definieren Experten als eine Zerstörung der Leberzellen und -gefäße, die zu einer Schrumpfung und Vernarbung des Organs führen. Die häufigste Ursache dafür ist neben dem Alkoholmissbrauch und der Fettlebererkrankung die chronische Virushepatitis C (und B). Und: Der Verlauf der Erkrankung kann dramatisch sein. Strasser: „In den Spätstadien finden sich Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum, die Muskulatur bildet sich aufgrund des Proteinmangels zurück. Eine gefährliche Komplikation stellt einerseits die Blutung aus Krampfadern der Speiseröhre, andererseits die Entwicklung eines Leberkrebses dar. Lebensrettend ist hier nur die Lebertransplantation.“

Neue Hoffnung bei Hepatitis C. Ebenfalls gefährlich können durch Hepatitis-Viren verursachte Leberentzündungen sein. Eine Virushepatitis kann zu einer schweren und unter Umständen lebensbedrohlichen akuten oder chronischen Erkrankung führen. Aber auch wenn sie gutartig verläuft, kann der Erreger sehr leicht und völlig unbemerkt auf andere Personen übertragen werden. Bisher sind zumindest sechs Hepatitisarten bekannt (Hepatitis A, B, C, D, E und G), die sich hinsichtlich des Übertragungsweges, der Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung und der Prognose zum Teil wesentlich unterscheiden. „Hepatitis C wird durch Blut und Blutprodukte, möglicherweise auch durch sexuellen Kontakt, Drogenmissbrauch und Tätowierungen übertragen. In Österreich sind ca. ein bis zwei Prozent der Bevölkerung infiziert. Bei einem Teil der Betroffenen schreitet die Entzündung der Leber unbehandelt über viele Jahre bis zur Leberzirrhose fort“, erklärt Strasser. Noch gibt es keine Impfung, wohl aber eine recht wirkungsvolle, wenn auch nebenwirkungsreiche Interferontherapie. An neuen, interferonfreien Behandlungsmöglichkeiten wird intensiv gearbeitet, entsprechende Studien werden gerade durchgeführt.

Hepatitis A – Gefahr auf Reisen. Hepatitis A ist weltweit verbreitet. Besonders häufig tritt sie in Afrika, Südosteuropa, Asien, Indien und weiten Teilen Mittel- und Südamerikas auf. Menschen aus Industrienationen erwerben das Virus meist auf Reisen in betroffene Gebiete. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser sowie unzureichende Hygiene. Strasser dazu: „Hier gibt es keine chronischen Verläufe, zudem ist eine wirkungsvolle Schutzimpfung erhältlich.“

Hepatitis B: Impfen schützt! Mit Hepatitis B sind weltweit 350 Millionen Menschen infiziert. Hier erfolgt die Übertragung über Blut und Blutprodukte, auch eine Transmission auf sexuellem Weg bzw. bei der Geburt ist möglich. „Erwachsene entwickeln nach einer akuten Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus in nur fünf bis zehn Prozent der Fälle eine chronische Hepatitis B. Eine Ausheilung durch Medikamente ist nicht möglich. Man kann aber die Zahl der Viren im Blut sehr stark senken und das Risiko für die Entstehung einer Leberzirrhose oder eines Leberkrebses deutlich vermindern“, sagt der Internist, und: „Eine wirkungsvolle Schutzimpfung ist verfügbar.“  

Sei gut zu deiner Leber! Achten Sie also auf Ihre Leber und nehmen Sie entsprechende Impfungen in Anspruch – zumindest wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören! Und: Tun Sie dem Kraftwerk und der Kläranlage Ihres Körpers Gutes, indem Sie sich richtig ernähren und Alkohol nur in Maßen genießen.

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