Montag, 23. September 2019

Selbst entscheiden bis zuletzt

Ausgabe 05/2009
Entscheidungsfreiheit ist ein hohes Gut. Eine Patientenverfügung trägt dazu bei, dass die eigenen Vorstellungen auch in einer Situation berücksichtig werden, in der man seine Wünsche nicht mehr äußern kann.

Foto: Eray Haciosmanoglu - fotolia.com Das Leben kann sich in einem kurzen Augenblick völlig verändern“, weiß die Anästhesistin und Intensivmedizinerin Dr. Eva Schaden von ihrer Arbeit mit lebensgefährlich erkrankten Menschen an der Intensivstation am Wiener AKH. Ihre Patienten sind chronische Schwerkranke und auch Unfallopfer.

Von einem Moment auf den anderen sind diese Menschen nicht mehr in der Lage, für sich zu sprechen. So stehen Intensivmediziner immer wieder vor der Situation, schwerwiegende Entscheidungen für Menschen treffen zu müssen, die dies selbst nicht mehr tun können. Ärztin Schaden erklärt: „Unsere Aufgabe ist es, in einer aussichtslosen Lage abzuschätzen, was der Wunsch des Patienten wäre.“

Formulieren Sie Ihren Willen
Seit Inkrafttreten des Patientenverfügungsgesetzes im Juni 2006 kann für einen solchen Ernstfall mit einer Patientenverfügung vorgesorgt werden. Sie ist ein wertvolles Mittel, um das Leben bis zuletzt zu gestalten. Denn oft wissen nicht einmal die Angehörigen, wie sich ihr nächster Verwandter in so schwierigen Fragen wie Wiederbelebung oder lebensverlängernden Maßnahmen entschieden hätte. „Wir alle haben mit einer Patientenverfügung die Möglichkeit, unseren Willen kundzutun. Diese Gelegenheit sollten wir nutzen“, ist Intensivmedizinerin Schaden überzeugt und stimmt damit mit der Empfehlung des Patientenanwalts Dr. Gerald Bachinger völlig überein.

Zwei Formen der Verfügung
An eine „verbindliche“ Patientenverfügung, die nach ausführlicher Information durch einen Arzt aufgesetzt und von einem Anwalt, einem Notar oder einem rechtskundigen Mitarbeiter einer Patientenanwaltschaft beglaubigt wird, sind ÄrztInnen gebunden. Diese Art der Patientenverfügung muss alle fünf Jahre erneuert werden und kann bis zu 500 Euro kosten. Die Alternative dazu ist die „beachtliche“ Patientenverfügung, in der die Wünsche formlos schriftlich notiert werden. Um die Vorstellungen möglichst präzise zu formulieren, rät Patientenanwalt Bachinger dringend zu einer Beratung. Diese wird von den Patientenanwaltschaften in ganz Österreich kostenlos angeboten. „Nicht in jeder Lebenssituation ist die verbindliche Patientenverfügung die beste Lösung. Oft ist eine beachtliche Patientenverfügung vorzuziehen oder auch eine Vorsorgevollmacht, die Vertrauenspersonen in die Lage versetzt, Entscheidungen zu treffen“, erklärt Bachinger: „Entgegen landläufiger Meinung haben auch Angehörige – mit Ausnahme der Eltern minderjähriger Kinder – ohne diese Vollmacht keine Entscheidungsbefugnis.“

Besserer Informationsfluss
Wie Medizinerin Schaden aus einer von ihr initiierten und von der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) durchgeführten Umfrage weiß, handeln die betreuenden IntensivmedizinerInnen nach den schriftlichen Wünschen ihrer Patienten – sofern sie davon Kenntnis haben. Und hier liegt ein Problem. Denn derzeit kann es schwierig sein herauszufinden, ob eine Patientenverfügung besteht. Schaden: „Wir befragen natürlich die Verwandten und suchen auch nach einer Hinweiskarte. Aber ein unkomplizierter, geregelter Zugang zu dieser wichtigen Information wäre sehr zu begrüßen. Dafür plädiert auch Bachinger und stellt fest: „Derzeit gibt es zwei Register, die leider beide unvollständig sind. Wünschenswert wäre eine einfach Informationsquelle für Ärztinnen und Ärzte, in die sie verbindlich Einsicht nehmen.“ Diese Forderung ist auch ganz im Sinn von Intensivmedizinerin Schaden: „Alles, was dazu beiträgt herauszufinden, was der Wunsch unserer PatientInnen wäre, trägt dazu bei, in ihrem Sinne zu handeln. Nur darum geht es.“

Patientenverfügung – wie funktioniert’s?
Je klarer die Wünsche formuliert werden, desto leichter können sie im Ernstfall erfüllt werden. Eine Beratung wird daher unbedingt empfohlen. Prinzipiell werden zwei verschiedene Formen unterschieden:

  • Beachtliche Patientenverfügung: Formlose schriftliche Darlegung der Wünsche. Ärzte sind nicht streng daran gebunden, sondern haben einen gewissen Interpretationsspielraum. Ihre Wünsche werden aber in die ärztliche Entscheidung einbezogen.
  • Verbindliche Patientenverfügung: Wird nach ärztlicher Information erstellt und durch einen Anwalt oder Notar beglaubigt. Sie ist für Ärzte bindend, der Arzt hat keinen Interpretationsspielraum. Gültigkeit: 5 Jahre, danach Übergang in eine beachtliche Patientenverfügung.
Rat & Hilfe: Kostenlose Information und Hilfe bei der Erstellung bieten die Patientenanwaltschaften aller Bundesländer. Den Ratgeber und Arbeitsbehelf „Patientenverfügung“ finden Sie zum Download unter www.patientenanwalt.com (unter „Formulare“)

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