Montag, 20. Mai 2019

Sei gut zu deinem Darm!

Ausgabe 09/2012
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Rund die Hälfte der Österreicher leidet unter Beschwerden des Darms. Mit gesunder Ernährung lässt sich vieles wieder ins Lot bringen. Und: So wichtig ist die Vorsorgeuntersuchung!


Der Darm verdaut statistisch betrachtet im Laufe von 75 Lebensjahren unvorstellbare 30 Tonnen Lebensmittel und 50.000 Liter Flüssigkeit. Auch ist er mit bis zu acht Metern Länge und einer Fläche von über 300 m2 – berücksichtigt man die Mikrofalten, sind es gar 4500 m2, was etwa der Größe eines Fußballfeldes entspricht – das größte Organ. Vor allem aber befinden sich rund 70 Prozent unseres Immunsystems im Darm, was wiederum bedeutet, dass sich dort ganz wesentlich entscheidet, ob wir gesund sind und es auch bleiben – oder eben nicht. Dabei kommt der Darmflora die wichtige Aufgabe zu, aus der Nahrung Vitamine und Enzyme zu erzeugen und diese in der Folge an den Körper abzugeben. Die Darmflora besteht aus ungefähr 40.000 Bakterienarten, die die Darmschleimhaut besiedeln, in einem biologischen Gleichgewicht leben und durch ein ausgeklügeltes Zusammenspiel den Großteil aller Stoffwechselvorgänge im Körper steuern.

Stress macht dem Darm zu schaffen. Allein: Nicht alles, was durch den Darm geschleust wird, ist auch gut für uns, und so müssen schädliche Stoffe, die wir über die Nahrung zu uns nehmen, aber auch körpereigene Stoffe wie die Gallensäure, neutralisiert werden. Damit nicht genug, ist der Darm auch ein wichtiger Teil unseres Nervensystems, daher handelt es sich beim sogenannten Reizdarmsyndrom auch nicht um, wie lange angenommen, eine „eingebildete Krankheit“. Heute ist man zum Glück weiter, und so werden Menschen, bei denen Stress oder andere emotionale Belastungen zu plötzlichem Durchfall, zu Blähungen, Völlegefühl oder Magenschmerzen führen, ernst genommen.

Gesundheit geht durch den Darm. Schätzungen zufolge, leiden in den westlichen Ländern über 50 Prozent der Menschen an chronischen Darmerkrankungen. Genaue Zahlen sind freilich schwer zu finden, schließlich redet man nicht gerne darüber, wenn mit der eigenen Verdauung etwas nicht stimmt. Tatsache ist jedoch: Darmerkrankungen – darunter auch chronisch-entzündliche wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa – nehmen zu. Auch bei einer der häufigsten Krebsarten in den westlichen Industrieländern, dem Darmkrebs, zählen wir in Österreich pro Jahr rund 5000 Neuerkrankungen, das heißt, jeder 17. Österreicher erkrankt irgendwann daran. Und: 2500 sterben jährlich an Darmkrebs.

Was hält den Darm gesund? Umso wichtiger ist es also, dass dem Wunder Darm schon frühzeitig jene Beachtung beigemessen wird, die ihm gebührt. Was aber hält den Darm und damit auch uns Menschen gesund? Sport und ausreichend Bewegung, ein gesunder Lebensstil, kein Nikotin und geringer Alkoholkonsum stärken den Körper und das Darm-Wohlbefinden. Im Besonderen verlangt der Darm nach einer ausgewogenen und vitaminreichen Ernährung: Gemüse und Obst beinhalten wichtige sekundäre Pflanzenstoffe, die schützende Faktoren liefern, Entzündungen hemmen und die Zellteilung normalisieren. Getreide, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte verhelfen zu einem gesunden Bauchgefühl. Ferner spielen pflanzliche Lebensmittel, die den Darm mit Ballaststoffen versorgen, eine wichtige Rolle, erklärt Primar Dr. Franz Siebert, Leiter der Abteilung für Innere Medizin am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan: „Ballaststoffe binden krebserregende Stoffe im Stuhl, sodass sich Schadstoffe nur kurz im Darm aufhalten.“ Zudem gehört regelmäßig Fisch auf den Teller, und in geringeren Mengen sollten Nüsse, Soja, pflanzliche Öle sowie fettarmes Fleisch auf dem Speiseplan stehen. Und nicht zu vergessen Milchprodukte, diese liefern nämlich jene lebenswichtigen Mikroorganismen, die den Darm bei seinen zahlreichen Aufgaben unterstützen: Milchsäurebakterien bzw. Probiotika – übrigens vom griechischen „pro bios“ abgeleitet, was übersetzt „für das Leben“ heißt.

Frau-mit-Milch-gruizza-iStoFoto: gruizza - iStockphoto.comHilfe für den Darm. Ob wir über die Nahrung allein unseren Körper hinreichend mit Probiotika versorgen oder ob wir diese in Form von Nahrungsergänzungsmitteln einnehmen sollen, ist freilich eine Streitfrage. Während manche die Wirkung anzweifeln, ist Mag. Anita Frauwallner, Leiterin des Grazer Instituts Allergosan und Expertin für Darmgesundheit, die sich seit mittlerweile 20 Jahren mit der Thematik beschäftigt, davon überzeugt: „Nahrungsergänzungsmittel liefern medizinisch relevante Probiotika, das hat aber nichts mit Medikamenten zu tun. Vielmehr ist es so, dass probiotische Bakterien den Darm und seine positiven Reaktionen unterstützen. Das sind aktive kleine Helfer, Lebewesen, die für uns arbeiten wollen.“ Auch Primar Siebert zeigt sich Probiotika gegenüber aufgeschlossen, können sie doch etwa eine ins Ungleichgewicht geratene Darmflora wieder ins Gleichgewicht bringen: „Für einige Präparate ist dies zum Beispiel bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen mit entsprechender Krankheitsverbesserung bewiesen. Auch bei Durchfallerkrankungen, zum Beispiel hervorgerufen durch Antibiotikatherapien, konnten gute Erfolge erzielt werden. Allerdings sind durchaus nicht für alle am Markt befindlichen Probiotika entsprechende Wirkungen belegt.“ Ihr Arzt oder Apotheker kann hier sicherlich weiterhelfen.

Tierische Fette, Zucker und Alkohol machen dem Darm zu schaffen. Wie auch immer, Fakt ist: Kohlenhydrate, hochwertige Fette und Eiweiß nähren den Körper. Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe, Ballaststoffe und Probiotika stärken die Abwehrkräfte und helfen dem Darm dabei, die Nahrung entsprechend zu verwerten. Je besser also die Ernährung, desto gesünder der Darm. Leider gilt dies auch im Umkehrschluss, und so sind beispielsweise übermäßiger Zuckerkonsum, tierische Fette und Alkohol schlecht für den Darm. Mehr noch: Sie gelten als Hauptursache für die Zunahme von Darmkrebs.


Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Sei gut zu deinem Darm!
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