Montag, 18. März 2019

Sei ehrlich zu deinem Arzt!

Ausgabe 2019.03

„Trinken Sie Alkohol? – Nur selten. Rauchen Sie? – Gelegentlich. Nehmen Sie Medikamente? – Nein, nie.“ Patienten, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, schaden zuweilen ihrer Gesundheit. – GESÜNDER LEBEN zeigt, warum sich Ehrlichkeit in der Ordination lohnt und wie Sie die Kommunikation mit Ihrem Arzt verbessern.


Foto: iStock-andrei_r

Hand aufs Herz: Sind Sie immer ehrlich zu Ihrem Arzt? Oder verschweigen bzw. bagatellisieren Sie mitunter Dinge, um vielleicht einen guten Eindruck in der Ordination zu hinterlassen oder nicht als „schwierig“ zu gelten? In zwei USA-weiten Online-Umfragen analysierten amerikanische Wissenschafter, wie viele der Befragten dem Arzt medizinisch Relevantes verheimlichten. Das Ergebnis: Rund 80 Prozent der älteren und etwa 60 Prozent der jüngeren Patienten gaben an, wenigstens einmal die eine oder andere Information unterschlagen zu haben. „In Österreich ist die Situation unwesentlich anders. Bis zu zwei Drittel aller Patienten sind gegenüber ihren Ärzten nicht immer ganz ehrlich“, weiß Univ.-Prof. Dr. Gerhard Schüßler, Vorstand der Universitätsklinik für Medizinische Psychologie in Innsbruck. Geschwindelt wird dabei gerne, wenn es um die Einnahme von Medikamenten, das Gewicht, die Ernährung, die sportliche Betätigung, die Zahnhygiene, den Alkoholkonsum oder das Rauchen geht. Darüber hinaus sind auch andere Süchte wie beispielsweise Drogenkonsum und Essstörungen, aber auch psychische Erkrankungen oder Gewalt in der Familie Tabuthemen. Auch unsere Leserinnen und Leser haben auf www.gesünderleben.at ähnlich geantwortet: Nur rund 20 Prozent geben an, immer und ausnahmslos ehrlich zu sein.

Bleiben Sie bei der Wahrheit!
„Meist geht es hier um Dinge bzw. Verhaltensweisen, die schuld- und schambehaftet sind. Man möchte keine Fehler zugeben und macht sich daher oftmals gesünder, als man eigentlich ist“, erläutert Mag. Dr. Eva Lehner-Baumgartner, Leiterin der Abteilung Klinische Psychologie am Wiener AKH. Schließlich möchte man nicht augenscheinlich für eine Erkrankung selbst verantwortlich sein, vor dem Arzt – oftmals dem (vermeintlichen) Inbegriff von Gesundheit – „gut dastehen“ und nicht unbedingt eines Besseren belehrt werden. Man weiß ja grundsätzlich sowieso, wie es „richtig“ laufen würde. So weit, so bekannt. Die kleinen Alltagslügen in den ärztlichen Praxen können aber unserer Gesundheit massiv schaden. „Vor allem dann, wenn wichtige medizinische bzw. medikamentöse Dinge nicht in die Arzt-Patienten-Kommunikation mit eingebracht werden“, erläutert Schüßler. „Ärzte müssen zum Beispiel wissen, welche Medikamente regelmäßig eingenommen werden, um Wechselwirkungen mit etwaig notwendig anderen Präparaten zu verhindern. Dazu gehört auch die Antibabypille.“ Angaben zum Ernährungsstil, Alkohol- und Tabakkonsum sollten ebenfalls wahrheitsgemäß erfolgen, um präzisere Diagnosen zu treffen und zielgerichtet zu therapieren.

Seien Sie sie selbst!
„Wichtig ist, dass man den Arzt nicht als ethische Instanz betrachtet, ihm auf Augenhöhe begegnen und Vertrauen generieren kann“, so Lehner-Baumgartner. Doch wie gelingt das am besten? Wie kann man den persönlichen Kontakt zum Arzt fördern? „Einerseits spielt natürlich Sympathie, andererseits aber auch die Art der Gesprächsführung eine große Rolle. Wenn ich meinem Arzt in die Augen schauen kann, mich nicht davor fürchte, Fragen zu stellen, und diese auch befriedigend beantwortet werden, sind wichtige Voraussetzungen für eine vertrauensvolle Beziehung bereits gegeben“, erklärt Lehner-Baumgartner. Die Hemmschwelle fällt und man gibt Dinge zu, die einen nicht unbedingt zum perfekten, dafür aber zum ehrlicheren Menschen machen. Merkt man, dass der Arzt dafür (manchmal sogar augenzwinkerndes) Verständnis zeigt, empathisch ist und nicht den moralischen Zeigefinger hebt, fühlt man sich gut aufgehoben und buhlt nicht mehr krampfhaft mit dem Auflisten von Idealverhalten um die Gunst des Arztes. „Vielmehr sollte Patienten klar sein, dass Sie mit Fehl- sowie Falschinformationen in erster Linie sich selbst schaden und Therapieerfolgen mitunter im Weg stehen“, meint Schüßler. „Es geht um das eigene Verantwortungsbewusstsein.“ Zudem – und das sollte man sich als Patient immer vor Augen halten – unterliegen Mediziner der ärztlichen Schweigepflicht. „Man muss sich also keine Sorgen machen, dass Familienmitglieder oder Freunde von Dingen erfahren, die man für sich behalten möchte. Zudem kann man als Patient auch dem Arzt mitteilen, dass bestimmte Informationen nicht schriftlich in der Krankenakte festgehalten werden sollen“, ergänzt Lehner-Baumgartner.

Fragen Sie nach!
Wenn Schuld und Scham keine Rolle mehr spielen, sitzt man dem Arzt entspannter gegenüber und kann sich dem Wesentlichen – nämlich seinen Beschwerden – widmen. Die Experten empfehlen dazu, sich bereits vor dem Arzttermin wichtige Fragen auf einen „Spickzettel“ zu schreiben, um vor Ort nichts zu vergessen. Denn: Nichts ist ärgerlicher, als die Ordination mit offenen Fragen zu verlassen. „Die gute Beziehung zwischen Arzt und Patient wird verbessert, wenn der Patient wichtige Informationen preisgibt und im Gegenzug auch Informationen einfordert, um den Arzt Stellung beziehen zu lassen“, sagt Schüßler. Fragen Sie also ruhig nach, wenn Sie Fachvokabular nicht verstanden haben oder den genannten Medikamenten aufgrund des Nebenwirkungsprofils skeptisch gegenüber sind. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt auch über Wissen, das Sie sich im Rahmen von Medienrecherchen angeeignet haben, tauschen Sie sich über die Seriosität dieser Quelle aus und gleichen Sie mit ihm ihre ganz individuelle Gesundheitssituation ab. „Von einer guten Kommunikation zwischen Arzt und Patient haben letztlich beide Seiten etwas“, fasst Schüßler zusammen. „Der Arzt fühlt sich in seiner Berufszufriedenheit deutlich gestärkt und der Patient profitiert von einer maßgeschneiderten Behandlung, die zum Therapieerfolg beiträgt.“

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