Donnerstag, 29. Oktober 2020

Seelenruhig durch den Winter - Multifaktorielle Behandlung

Ausgabe 2014.12/2015.01
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Multifaktorielle Behandlung. Stress entsteht immer im Auge des Betrachters. Ob man sich einer Situation gewachsen fühlt bzw. sie als neutral, angenehm, emotional kränkend oder bedrohlich einstuft, hängt in hohem Maß von der persönlichen Bewertung ab. Wir wissen: Was den einen auf die Palme bringt, lässt den anderen völlig kalt. „Die Beurteilung einer Situation hat biografische Ursachen und ist das Ergebnis von persönlichen Einstellungen und Erfahrungen. Folglich wird Stress ganz individuell bewertet und definiert und löst unterschiedliche Reaktionsmuster aus“, meint Tomaschek-Habrina. Die Burn-out-Diagnose gestaltet sich daher oft schwierig und ist nur interdisziplinär möglich. „Zudem müssen Betroffene erst ärztliche bzw. therapeutische Konsultation in Anspruch nehmen wollen“, so Doppler-Wagner. „In den seltensten Fällen ist es sinnvoll, wenn Angehörige ohne Einwilligung einen Beratungstermin vereinbaren.“ Oft ist es effektiver, wenn der Burn-out-Verdacht-schöpfende Partner vermehrt Ich-Botschaften aussendet – z. B. „Mir ist seit einiger Zeit aufgefallen, dass …“ oder „Ich habe den Eindruck, dass …“ –, um ein vertrauensvolles Gesprächsklima zu schaffen und nicht zusätzliche Schuldgefühle auszulösen. Wer den Weg in eine der zahlreichen Praxen gefunden hat, wird im Regelfall – nach medizinischem Ausschluss von körperlichen Ursachen wie z. B. Schilddrüsenunterfunktion – einer psychosozialen Anamnese in Form von standardisierten Tests und Gesprächen unterzogen. Zusätzlich geht es um die Abgrenzung von anderen Erkrankungen wie z. B. einer Depression. Handelt es sich um ein Burn-out, erstellt ein multidisziplinäres Team aus Medizinern, Psychotherapeuten und Entspannungstrainern einen maßgeschneiderten Behandlungsplan, der das Fundament zur Stressbewältigung wieder legen soll und eine Verhaltensänderung zum Ziel hat. „Daher sollte eine etwaig notwendige Medikation mit Psychopharmaka immer von einer Psychotherapie begleitet werden. Eine reine Medikation verändert nicht inadäquate Verhaltensweisen“, betont Tomaschek-Habrina.

Geben Sie sich Zeit! Burn-out ist trotz seiner fatalen Folgen kein Schicksal, denn: Es ist heilbar. Allzu eilig darf man es allerdings nicht haben. Der Weg aus der Burn-out-Falle kann bis zu einem Jahr dauern. Schließlich ist man auch nicht von heute auf morgen in sie hineingetappt. Vergleichbar mit dem Erlernen einer neuer Sprache oder dem Aufbau eines Muskels, müssen neue Verhaltensmuster trainiert und gefestigt werden. „Sattelfest“ und mit dem wiedergefundenen Gespür für das richtige Maß bestehen aber danach gute Chancen, potenzielle Stressverursacher rechtzeitig zu erkennen. Sie werden merken, dass Sie durch diese bewusst gesteuerten Ausweichmanöver einen kleinen persönlichen Triumph feiern können!

Kein Stress mit dem Stress!

Winterdepression und anhaltende Überbelastung müssen nicht sein. So schützen Sie sich!

Nutzen Sie Bewegungschancen. Vor allem Ausdauersportarten zählen zu den effizientesten Waffen im Kampf gegen Stress, weil sie die Hormonbildung stimulieren, den Geist beruhigen und für gute, ausgeglichene Laune sorgen.

Ernähren Sie sich bewusst. Setzen Sie auf eine ausgewogene und proteinreiche Kost. Vermeiden Sie nach Möglichkeit zuckerhaltige und koffeinreiche Nahrungsmittel und achten Sie im Winter darauf, Ihren Körper von innen – z. B. mit Suppen, Tees oder Gewürzen wie Ingwer und Zimt – zu wärmen.

Schlafen Sie genug. Während der düsteren Jahreszeit benötigen wir mehr Schlaf, um den gestörten Hormonhaushalt wieder ins Lot zu bringen. Ideal sind acht Stunden.

Pflegen Sie eine innere Achtsamkeit. Notieren Sie, wann, wo und warum Stressmomente auftreten und überlegen Sie, wie sich diese besser bewältigen lassen. Lernen Sie, zu delegieren, und betrauen Sie vertrauenswürdige Personen in Ihrem Arbeits- und Familienumfeld mit gezielten Aufgaben,

Setzen Sie Prioritäten. Erstellen Sie – gerade in den oft anstrengenden Wintermonaten – eine To-do-Liste und legen Sie Prioritäten fest. Lehnen Sie notfalls eine weitere Aufgabe ab und argumentieren Sie Ihr entschiedenes Nein.

Suchen Sie den Dialog. Zwischenmenschliche Probleme lassen sich am besten durch klärende Gespräche aus der Welt schaffen.

Pflegen Sie Ihr soziales Netz. Ein stabiler Freundeskreis kann maßgeblich dazu beitragen, dass Stresssituationen keine längerfristig negativen Folgen mit sich bringen. Treffen Sie sich daher regelmäßig mit aufmerksamen Menschen, um Spannungen abzubauen und Gedanken neu zu ordnen.

Entspannen Sie sich. Gönnen Sie sich immer wieder kleine, individuell gestaltbare Pausen und entspannen Sie sich zwischendurch mit gezielten Aktivitäten wie Atemmeditation, Massagen, Biofeedback, autogenem Training oder progressiver Muskelentspannung.

Weitere Tipps zur Burn-out-Prävention finden Sie unter www.burnout-vorsorgeaktiv.at

 

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Seelenruhig durch den Winter
Seite 2 Multifaktorielle Behandlung
Seite 3 Burn-out-Test

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