Montag, 26. Oktober 2020

Seelen therapie mit Blütenenergie - Experten Interview

Ausgabe 2019.04
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Das kritische Experten Interview

Univ.-Prof. Dr. Bernhard-Michael Mayer ist Leiter des Bereichs Pharmakologie & Toxikologie am Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Graz. Die Wirkungslosigkeit einer Bachblüten-therapie steht für ihn außer Frage.

Was ist Ihre Meinung zur Bachblütentherapie?
Bachblüten haben mit Medizin nichts zu tun. Es gibt keinerlei Hinweis auf ihre Wirkung. Positive Erfahrungsberichte beruhen auf Placebo-Effekten und Erwartungshaltung der „Patienten“. Dafür sind wir im Grunde alle anfällig. Jedem Menschen mit Hausverstand sollte klar sein, dass Bachblüten keine physische Wirkung auf den Körper haben können.

Nur, weil man diese nicht nachweisen kann?
Selbstverständlich sollte Wirkung nachweisbar sei! Woher sollte man sonst wissen, dass etwas „hilft“? Außerdem sollte jede Methode zumindest ein Minimum an Plausibilität aufweisen. Es gibt keine Studien zu Bachblüten, weil diese nichts außer Wasser und Alkohol enthalten. Solche Studien wären Ressourcenverschwendung, denn abgesehen von Placebo-Effekten, die bei psychischen Zuständen besonders ausgeprägt sind, können Wirkungen a priori ausgeschlossen werden.

Kann man pharmazeutischen Studien denn vertrauen?
Als Pharmakologe wird mir häufig unterstellt, von der Pharma-Lobby gekauft zu sein. Das ist selbstverständlich nicht der Fall! Sehr wohl werden aber alternativmedizinische Verfahren durch Lobbys propagiert, die versuchen, zwecks Sicherstellung des Umsatzes in gesundheitspolitische Entscheidungen einzugreifen. Auf angeblich nicht vertrauensvolle Studien wird immer dann verwiesen, wenn die sachlichen Argumente abhandengekommen sind.

Warum gibt es positive Erfahrungen mit Bachblüten?
Menschen haben ein selektives Gedächtnis für Treffer. Das heißt, wir behalten vor allem jene Situationen im Gedächtnis, in denen sich die Symptomatik nach Behandlung gebessert hat. Mit alternativmedizinischen Verfahren werden durchwegs unspezifische, zur Selbstheilung neigende Beschwerden behandelt. Zufällige Besserung interpretiert man als Effekt der Therapie, ausbleibende Wirkungen werden ausgeblendet.

Warum helfen Bachblüten bei Kindern und Tieren?
Wie bei vielen anderen unwirksamen Heilverfahren greift auch hier das „Placebo-by-Proxy“-Prinzip: Die Eltern bzw. Tierhalter vertrauen auf die Wirkung und übertragen ihre optimistische Erwartungshaltung nonverbal auf Kinder oder Tiere. Diese Placebowirkung durch Nahestehende ist durch Studien belegt.

Soll Bachblütentherapie abgeschafft werden?
Bachblüten schaden zwar nicht der Gesundheit, aber dem Geldbörserl. Man zieht Leuten das Geld aus der Tasche. Ich plädiere für eine objektive Aufklärung der Bevölkerung über das wissenschaftlich unhaltbare Konzept dieser Therapieform.

Übersicht zu diesem Artikel:
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