Schwimmen – Spaß ohne Reue!

Ausgabe 2017.07-08

Hautpilze, Ohrenentzündungen oder Pilzerkrankungen können den Badespaß im Sommer nachhaltig trüben und langwierige Behandlungen nach sich ziehen. GESÜNDER LEBEN verrät, wie man unangenehme Mitbringsel aus Schwimmbädern oder Seen vermeidet.


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Swimmingpools und Badeseen bringen nicht nur Abkühlung – sie sind manchmal auch ein Tummelbecken für Krankheitserreger. Insbesondere Ohren, Augen, Haut und Harnwege können beim sommerlichen Badevergnügen zum Angriffsziel für diverse Keime werden. Ganz auf den Badespaß verzichten muss man deshalb aber nicht, beruhigt die Expertin für Wasserhygiene, ao. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Regina Sommer von der MedUni Wien: „Das Baden selbst ist zumeist unbedenklich, weil Österreichs Gewässer und Schwimmbäder streng kontrolliert werden und die Wasserqualität ausgezeichnet ist. Wenn man einige Hygieneregeln beachtet, kann man sich sehr gut vor den meisten Infektionen schützen.“  Wie das genau geht, hat GESÜNDER LEBEN für Sie recherchiert.

Besonders lästig im Sommer

Blasenkatarrh und rote Augen

Blasenentzündungen und rote Augen sind im Sommer besonders häufig. GESÜNDER LEBEN zeigt, wie Sie diese „Mitbringsel“ am besten verhindern können.

Blasenentzündung
Die Blase ist im Sommer besonders anfällig für Irritationen durch nasse Badekleidung, Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen und Sitzen auf kühlen Steinen. „Auslöser sind zumeist E-coli-Bakterien aus dem Darm, die in die Harnröhre gelangen und dort eine Entzündung auslösen“, erklärt die Wiener Urologin Dr. Dara Lazar. „Wärmflasche, ein heißes Fußbad und danach warme Socken können den Infekt noch abfangen. Unterstützend wirken Tees mit Bärentraubenblättern, Goldrute und Birke.“ Ein weiteres Hausmittel zur ersten Hilfe: Purer Zitronensaft säuert den Harn an, was die Keime gar nicht mögen. Der Wirkstoff D-Mannose in Kapselform bindet die Bakterien im Urin und eignet sich daher gut als Prophylaxe und wirkt schnell im Akutfall. Weitere Vorbeugemaßnahmen: nasse Badesachen sofort wechseln und viel Flüssigkeit über den Tag verteilt trinken.

Rote Augen
Mit Keimen verunreinigte Schwimmbäder und dadurch „infizierte“ Gegenstände wie Kontaktlinsen und Handtücher können eine „Schwimmbadkonjunktivitis“ auslösen. Besonders gefährdet sind Kontaktlinsenträger, weil sich Bakterien zwischen Linse und Auge gut vermehren können. „Wer mit Kontaktlinsen unter Wasser schwimmt, riskiert nicht nur eine Infektion, sondern in der Folge schwere Augenschäden“, warnt Augenarzt Dr. Martin Freyberger. Viele Menschen reagieren auch durch Reizungen durch Chlor im Freibad, UV-Strahlung, Staub oder Zugluft mit einer Bindehautentzündung. Das Augengewebe wird angegriffen, die Augen sind gerötet und geschwollen. Betroffene spüren ein brennendes Fremdkörpergefühl und sind lichtscheu. Durch Reiben der Augen breitet sich eine infektiöse Bindehautentzündung oft von einem Auge auf das andere aus. Freyberger: „Wird auch noch eitriges Sekret abgesondert bzw. bessert sich die Entzündung nach 24 Stunden nicht, ist auf jeden Fall ärztliche Hilfe gefragt.“ Zur Vorbeugung sollte man beim Schwimmen eine Schwimmbrille tragen.


 

» Schwimmbad-Otitis «
Die gängigste Form der Außenohrentzündung, die Bade-Otitis oder Schwimmbad-Otitis, ist eine typische Sommererkrankung. Von der schmerzhaften Entzündung des äußeren Gehörganges sind besonders passionierte Wasserratten betroffen, wie Dr. Klemens Dejakum, HNO-Arzt am Bezirkskrankenhaus Kufstein, erklärt: „Durch den langen und häufigen Aufenthalt im Wasser weicht sich die Haut des Gehörganges auf, der natürliche Fettfilm löst sich im Chlorwasser. Keime können daher leichter in die Haut eindringen und verursachen dort eine lokale Entzündung.“ Die Anzeichen dafür treten meist einige Tage nach dem Badespaß auf: Die ersten Symptome sind starker Juckreiz und Schmerzen beim Ziehen an der Ohrmuschel. Auch das Hörvermögen kann vermindert sein. Bei einem Blick in das Ohr sieht man den geschwollenen und geröteten Gehörgang, der von einem trüben Sekret bedeckt ist.

So sieht die Behandlung aus:  Ab zum Arzt! Vor der eigentlichen Behandlung muss das Ohr gründlich, fachgerecht gereinigt werden. „Handelt es sich tatsächlich um eine Entzündung des äußeren Gehörganges und keine Mittelohrentzündung, legt der Arzt einen Antibiotika- und Kortison-hältigen Ohrstreifen ein. Bei geringer Schwellung reichen antibiotische Ohrentropfen aus“, erklärt der Facharzt. Zusätzlich kann ein schmerzlinderndes und gleichzeitig abschwellendes Medikament verschrieben werden: „Eine orale Therapie mit Antibiotika ist meist nicht notwendig oder sinnvoll.“ Die endgültige Abheilung erfolgt im Normalfall innerhalb einer Woche. Wichtig ist der Schutz vor Feuchtigkeit bis zum Abheilen der Erkrankung. Zudem sollte der Gehörgang nicht selbst gereinigt werden.

So beugt man am besten vor:  Die Ohren nach dem Schwimmen sorgfältig mit einem Handtuch trocknen und verschmutzte Gewässer meiden. Finger weg von Wattestäbchen! Die durch das Wasser aufgeweichte Haut kann leicht verletzt werden. Wattestäbchen drücken außerdem Bakterien und Ohrenschmalz noch tiefer ins Ohr, anstatt es zu säubern. Durch das Tragen einer Badehaube kann man die Ohren schützen. Auf Watte im Ohr oder Ohrstöpsel beim Schwimmen sollte man verzichten. Wer immer wieder Probleme mit Gehörgangsentzündungen hat, kann – falls aus ärztlicher Sicht nichts dagegen spricht – vorbeugend essigsaure Ohrentropfen aus der Apotheke anwenden. Sie senken den pH-Wert im Gehörgang ab, sollten aber maximal dreimal pro Woche verwendet werden. Dejakum: „Außerdem ist es bei gehäuften Gehörgangsentzündungen sinnvoll, die Gehörgänge nach dem Baden sanft zu föhnen. Dabei sollte mit der zweiten Hand die Ohrmuschel etwas nach oben gezogen werden, um den natürlichen Knick im Gehörgang auszugleichen.“


» Fußpilz «
In Nassräumen wie WC und Duschgelegenheiten und auch in Pfützen fühlen sich infektiöse Hautpilze besonders wohl. „Sie bevorzugen eine feuchte, warme und dunkle Umgebung und vermehren sich in abgestorbenem Gewebe wie der Hornschicht von Haut und Nägeln“, sagt Hautärztin Dr. Tamara Meissnitzer. Kleinere Verletzungen, Feuchtigkeit und Wärme schaffen besonders gute Voraussetzungen für die Schmarotzer, um sich zu vermehren und in die aufgeweichte Haut einzutreten. „Typisch für diese unästhetische, aber zumeist harmlose Erkrankung sind nässende, juckende Blasen und Hautabschuppungen in den Zehenzwischenräumen, die im weiteren Verlauf auch eine Infektion der Zehennägel bedingen.“ Begünstigende Faktoren sind laut Meissnitzer zudem Minderdurchblutung der Füße (v .a. bei älteren Menschen und Rauchern), Fußfehlstellungen, ständige Druckeinwirkung auf die Füße (z. B. durch enge Schuhe oder Leistungssport), Diabetes sowie eine gewisse erbliche Veranlagung für Fuß- oder Nagelpilz. Sowohl Fuß- als auch Nagelpilz werden trotz ihrer weiten Verbreitung oft unzureichend oder gar nicht behandelt. Dann kann die harmlose Pilzerkrankung im Bereich der Zehenzwischenräume zum Problem werden, da sie die ideale Eintrittspforte für Bakterien darstellt. Typischerweise entsteht so der Rotlauf, eine bakterielle Entzündung, die ohne antibiotische Therapie zu einer bedrohlichen Blutvergiftung führen kann.

So sieht die Behandlung aus:  Nach Diagnose durch den Hautarzt wird Fußpilz lokal mit pilzwirksamen Medikamenten (Antimykotika) in Form von Cremes behandelt. Wichtig: „Die Behandlung muss zwei bis drei Wochen nach Abklingen der Symptome weitergeführt werden, um Rückfälle und chronische Pilzerkrankungen zu vermeiden. Trotz Abklingen des Juckreizes können sich in den Zehenzwischenräumen noch Pilzsporen befinden, die durch die Wirkung des Medikamentes zwar nicht auskeimen, aber noch lebensfähig sind.“

So beugt man am besten vor:  Nach dem Duschen/Waschen bzw. Schwimmen sollten die Zehenzwischenräume abgetrocknet werden. In Schwimmbädern, Saunas und Fitnesscentern sollte man immer luftige Badeschuhe tragen – ebenso obligat sind Hausschuhe im Hotelzimmer. Fußspender mit Desinfektionsmitteln sollte man eher meiden. Die Chemikalien töten die widerstandsfähigen Pilzsporen bei einer kurzen Anwendungsdauer nämlich nicht ab. Zudem wird die infizierte Haut bei einem bereits betroffenen Fuß durch den Desinfektionsstrahl abgewaschen. Diese Pilzsporen warten dann auf den nächsten Badegast, der seine Füße eigentlich durch Desinfektion schützen möchte.



» Warzenviren «
Neben den Pilzen lieben auch die Warzenviren das warme und feuchte Klima und sind daher in öffentlichen Schwimmbädern weitverbreitet. Die sogenannten Dornwarzen treten häufig bei Kindern auf, sie sind stecknadelgroß und verschwinden meist von alleine.

So sieht die Behandlung aus:  In den meisten Warzenmitteln sind Säuren enthalten. Sie lockern die dicke Hornhaut und können daher Schicht für Schicht das Warzengewebe abtragen. Die Behandlung ist langwierig, wichtig ist, dass die umliegende gesunde Haut mit einer Fettschicht geschützt wird. Bei der Kälte- bzw. Kryotherapie mit flüssigem Stickstoff oder Kohlensäureschnee friert die Warze ein, sie fällt nach 10–14 Tagen von allein ab. Meist genügt eine einzige Anwendung. Hautärztin Dr. Meissnitzer: „Auch die Vereisung ist vorschriftsmäßig durchzuführen – sonst können tiefere Hautschichten geschädigt werden und Narben zurückbleiben. Warzen im Gesicht oder im Genitalbereich sind ein Fall für den Hautarzt.“

So beugt man am besten vor:  Für die Prophylaxe gilt laut der Expertin Ähnliches wie bei Fußpilz: „Badeschlapfen tragen und Füße mit einem sauberen Handtuch gut abtrocknen.“

» Scheideninfektionen «
Viele Frauen klagen, dass Scheideninfektionen insbesondere nach dem Besuch im Schwimmbad oder in der Therme akut werden. Ein Problem, mit dem Univ.-Prof. Dr. Armin Witt, Leiter des Instituts Gyninfekt, sehr häufig in seiner Ordination konfrontiert ist. „Ich halte die Wahrscheinlichkeit allerdings für sehr gering, dass man sich in Bädern anstecken kann. All diese Einrichtungen unterliegen normalerweise strengen Hygienekontrollen, Chlor und Schwefel wirken zudem ausreichend desinfizierend.“ Studienergebnisse aus Deutschland zeigen, dass das Wasser üblicherweise gar nicht in die Scheide gelangt. „Eine andere Studie hat aber nachgewiesen, dass bei der Verwendung von handelsüblichen Tampons sehr wohl Wasser eindringen kann. Die Wassermenge war abhängig von der Größe des Tampons und ob ein Rückholfaden vorhanden war.“ Der Rückholfaden hat eine Dochtwirkung: „Das gilt auch für speziell präparierte, angeblich wasserabweisende Tampons.“ Aus diesem Grund rät Witt vom Gebrauch dieser Schwimmbadtampons ab. Insbesondere jene Frauen, die bereits ein chronisches Pilzproblem haben, sollten vorsichtig sein: „Bei ihnen kann es durch das Chlor im Wasser zu neuerlichen Irritationen kommen.“ Besonders aggressiv ist frisch gechlortes Wasser: Wenn die Augen brennen, ist meist auch die Scheide in Gefahr.

So sieht die Behandlung aus:  Typische Zeichen einer Scheideninfektion sind Jucken, Brennen oder Schmerzen im Intimbereich. Witt: „Sollten sich Geruch, Farbe, Beschaffenheit des Intimsekrets ändern, sollte man keine eigenen Behandlungsversuche starten, sondern sich unbedingt an den Gynäkologen des Vertrauens zur weiteren Abklärung wenden. Bei jahrelang anhaltenden bzw. immer wiederkehrenden Vaginalinfekten sollte ein Spezialist konsultiert werden, um den Teufelskreis zu unterbrechen.“ Eine Therapie mit Antibiotika vernichtet nämlich nicht nur die „schlechten” Bakterien, sondern schädigt auch nützliche Bakterien wie z. B. Milchsäurebakterien, die in der Scheide eine Art Schutzbarriere aufbauen.

So beugt man am besten vor:  Den Badeanzug nach dem Schwimmen zu wechseln, ist in jedem Fall empfehlenswert. Wäscheschleudern, die zum Vortrocknen der Badebekleidung zur Verfügung stehen, sind ein wahres Eldorado für Keime und eine Infektionsquelle, die man auf alle Fälle meiden sollte. Wer zu Scheideninfektionen neigt, sollte in natürlichem Wasser baden. Die beste Alternative ist es daher, im Naturbadeteich oder im Meer zu schwimmen.

Eine Scheideninfektion wird u .a. auch durch andere Faktoren begünstigt: Etwa durch zu enge, luftundurchlässige Kleidung oder Slipeinlagen, Intimhygiene mit aggressiven Waschlotionen, Hormonschwankungen, Probleme im Beruf oder mit dem Partner. 

Vorsicht vor Wasservögeln!

In Badegewässern mit vielen Wasservögeln kann es bei hohen Temperaturen zu Fällen von Badedermatitis kommen: „Diese wird von einem Parasiten (Zerkarien) verursacht, ist für den Menschen zwar unangenehm, aber weitgehend ungefährlich“,  betont die Expertin für Wasserhygiene, Regina Sommer. „Gänse, Enten, Schwäne können diesen Parasiten in sich tragen und scheiden dann mit dem Kot Parasiteneier aus. Die sich aus den Eiern entwickelnden Larven befallen Wasserschnecken, welche bei Wassertemperaturen von über 25°C Zerkarien ausscheiden, die sich in die Haut der Badegäste bohren und Rötungen, Quaddeln sowie Juckreiz bzw. allergische Reaktionen verursachen.“ Auch ohne Therapie klingt die Badedermatitis nach einigen Tagen ohne Folgen von selbst wieder ab. Bestimmte Verhaltensweisen beim Baden im Freien können eine Zerkariendermatitis vorbeugen helfen. Angeraten wird das Abduschen nach dem Schwimmen sowie gutes Abtrocknen im Anschluss. Nasse Badekleidung sollte gewechselt und mit Leitungswasser gespült werden. Zudem sollte man sich nicht zu lange in seichtem Wasser aufhalten, sondern ins tiefe schwimmen.

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