Dienstag, 21. Mai 2019

Schwere Tage vor den Tagen

Ausgabe 2013/04

Bis zu 50 Prozent aller Frauen leiden unter dem Prämenstruellen Syndrom, das ihnen die Tage vor den Tagen zur Belastung macht. In vielen Fällen kann frau selbst etwas dagegen tun. Und es gibt auch medikamentöse Hilfe.


Foto: Can Stock Photo Inc. - bds

Die Tage vor den Tagen erleben viele Frauen als belastend. Und für jene, die unter dem Prämenstruellen Syndrom (PMS) leiden, kann diese Zeit mitunter wirklich quälend werden. „Wir wissen heute, dass etwa 90 Prozent aller Frauen Veränderungen ihrer körperlichen und/oder psychischen Befindlichkeit in den Tagen vor der Menstruation wahrnehmen. Der Übergang von einer bloßen Befindlichkeitsveränderung zum PMS ist dabei fließend. Vom PMS betroffen sind immerhin 30 bis 50 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter, wobei die Häufigkeit und Intensität bei Frauen über 30 Jahren deutlich zunimmt“, erklärt die Frauenärztin und Psychotherapeutin Dr. Inge Frech.

Das Spiel der Hormone. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem so nüchtern klingenden Syndrom, dessen Symptomatik in der zweiten Zyklushälfte auftritt, mit Einsetzen der Blutung verschwindet und sich mit jedem Monatszyklus wiederholt? „Beim PMS handelt es sich um eine multifaktorielle Störung, deren Ursachen in der Psyche, im Nervensystem sowie in der hormonellen Steuerung liegen können“, weiß Dr. Frech. Die Gynäkologin präzisiert: „Offenbar steigt die Neigung zum PMS, wenn in der zweiten Zyklushälfte das Gelbkörperhormon (Gestagen) Progesteron produziert wird, während gleichzeitig die Östrogenausschüttung abfällt.“ Soweit also die medizinisch-naturwissenschaftliche Erklärung.

Psyche in Mitleidenschaft. Eine weitere wichtige Rolle spielt der Neurotransmitter Serotonin, der unter anderem den Gemütszustand des Menschen steuert und dessen Konzentration mit den hormonellen Veränderungen des Menstruationszyklus schwankt: Nach dem Eisprung sinkt der Spiegel ab und erreicht vor dem Menstruationsbeginn ein Minimum. So kann es zu typischen Symptomen wie Reizbarkeit und Anspannung, seelischer Überempfindlichkeit und depressiver Verstimmtheit kommen. Und viele betroffene Frauen leiden auch unter Ängstlichkeit, Stimmungsschwankungen, haben keine Energie, sind lustlos, ihre Schlafstruktur verändert sich, und ihr Selbstwertgefühl sinkt immer mehr gegen null. Doch es ist nicht nur die Psyche, die leidet, wenn man von PMS betroffen ist. Was die körperlichen Symptome betrifft, so handelt es sich dabei häufig um Brustspannen, allgemeine Verspanntheit, Kopf- und Rückenschmerzen, leichte Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Wassereinlagerungen (und damit verbunden oft auch Gewichtszunahme) sowie unschöne Veränderungen der Haut.

Ändern Sie Ihren Lebensstil! Worunter frau in den Tagen vor den Tagen dann wirklich leidet, ist individuell ganz unterschiedlich, doch jedenfalls für viele quälend und mitunter schwer zu ertragen, aber – und das ist die gute Botschaft – es lässt sich etwas dagegen tun, und das muss nicht immer gleich eine medikamentöse Intervention sein. „Oft sind Veränderungen des Lebens- und Ernährungsstils, Sport und Bewegung ausreichend“, sagt Expertin Frech. „Außerdem sollte zusätzlicher Stress in dieser Zeit nach Möglichkeit vermieden werden.“ Konkret heißt das, sich zum Beispiel eine Entspannungstechnik anzueignen, Stress zu reduzieren, Sport zu machen und auf eine ausgewogene Ernährung zu achten: Letztere sollte kohlenhydratreich sein. Wichtig und positiv auf den Körper wirken sich auch der Verzicht auf tierische Fette, Kaffee, Alkohol und Nikotin aus.

Auch Medikamente können helfen. Wenn das alles nicht hilft, gibt es noch weitere Möglichkeiten, die die Beschwerden eines PMS lindern können. Dazu zählen etwa Yoga, bestimmte pflanzliche Mittel, Akupunktur und Homöopathie. Ein anderer wichtiger therapeutischer Ansatz ist die Unterdrückung des Eisprungs. „Hormonelle Kontrazeption, die den Eisprung unterdrückt, bringt eine signifikante Verbesserung der körperlichen und psychischen Symptome“, so Dr. Frech, die noch einen weiteren Ansatz zur Besserung der PMS-Beschwerden kennt: „Wenn die psychische Symptomatik im Vordergrund steht, ist die zyklische Gabe eines  Antidepressivums, welches auf den Serotoninstoffwechsel einwirkt, eine weitere Möglichkeit.“ Eine solche Gabe ist natürlich mit einem Arzt gemeinsam zu entwickeln.

Reden Sie darüber! Schließlich und endlich kann auch Psychotherapie helfen, denn das dort mögliche Reflektieren der eigenen psychosozialen und der aktuellen persönlichen Situation kann ein wichtiger Schritt zur besseren Bewältigung des PMS und zum Erlernen eigener Copingstrategien sein. Manchmal tun allerdings auch intensive Gespräche im privaten Kreis ihr Gutes: Etwa mit der eigenen Mutter oder einer Lieblingstante darüber zu reden, wie sie die Menstruation erlebt haben und damit umgegangen sind, kann oft auch zu persönlichen Erkenntnissen führen und Erleichterung schaffen.

Handeln statt Leiden. Wenn Sie also zu jenen Frauen zählen, für die die Tage vor den Tagen schwer zu ertragen sind, tun Sie etwas dagegen und: Sprechen Sie darüber – auch mit Freundinnen oder Ihrem Frauenarzt! Schweigen ist in diesem Fall sicher nicht Gold.

 

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