Freitag, 20. September 2019

Schwere, müde Beine?

Ausgabe 2013/06

Der Sommer hat auch Tücken: Schmerzende, geschwollene, schwere Beine sind jetzt ein häufiges Leiden. Was kann man dagegen tun?


Foto: Can Stock Photo Inc. - REDSTARSTUDIO

 

Kennen Sie das? Gerade jetzt im Sommer schmerzen die Beine, fühlen sich schwer und müde an, und man hat gar keine Lust, „Bein zu zeigen“. Das Problem ist nicht nur unangenehm, sondern kann seine Ursache auch in einem Venenleiden haben, das übrigens weit verbreitet ist. Etwa die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung ist davon betroffen, und das sind bei Weitem nicht nur ältere Menschen. Venenleiden treffen bei entsprechender Veranlagung schon junge Leute, und auch alle, die in stehenden oder sitzenden Berufen arbeiten, sich wenig bewegen und/oder übergewichtig sind, tragen ein erhöhtes Risiko. Auch Schwangerschaft und die Einnahme der Pille begünstigen die Entstehung der ungeliebten Krampfadern. Gemein: In der heißen Jahreszeit verschlimmert sich das Problem, denn Wärme weitet die Gefäße.

Schwere Beine – das können Sie selbst tun
  • Machen Sie regelmäßig Bewegung, vor allem Radfahren, Laufen, Gehen und Schwimmen empfehlen sich!
  • Verzichten Sie wenn möglich auf hohe Absätze und vermeiden Sie langes Stehen und Sitzen.
  • Lagern Sie Ihre Beine hoch, wann immer es geht.
  • Gönnen Sie Ihren Beinen immer wieder kalte Duschen.
  • Tragen Sie keine zu enge Kleidung.
  • Vermeiden Sie warme Bäder und langes Sonnenbaden.

Achtung: Schwere, müde Beine sind das wichtigste und häufigste Anzeichen für ein Krampfadernleiden: Gehen Sie daher regelmäßig zur Kontrolluntersuchung beim Gefäßspezialisten, wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören (entsprechende Veranlagung, stehende und sitzende Berufe, Bewegungsmangel, Übergewicht, Schwangerschaft, Einnahme der Antibabypille).

Komplexes Venensystem. Das menschliche Venensystem ist übrigens hochkomplex. Alle Venen zusammengerechnet – von der kleinsten Verästelung bis zur großen Vene, die direkt zum Herzen führt –, haben eine Länge von mehr als 160 Kilometern! Ihre Hauptaufgabe besteht darin, das sauerstoffarme und von Nährstoffen entladene Blut in den Organen, Muskeln, in der Haut und in den Knochen zu sammeln und zum Herzen zurückzutransportieren. Diesen Blutfluss regulieren die Venenklappen, doch wenn diese anlagebedingt fehlen oder durch eine Venenerkrankung zerstört werden, kommt es zu einem Blutrückfluss in Richtung Füße mit verschiedenen krankhaften Auswirkungen. „Venenklappen sind dort am wichtigsten, wo kleinere Venen in größere einmünden. Wenn an diesen strategisch wichtigen Stellen die Mündungsklappen nicht schließen, kommt es zu einer massiven Druckerhöhung in der gesamten Vene. Dieser Vorgang ist verantwortlich für die Entstehung eines Krampfadernleidens“, erklärt der Gefäßspezialist und Facharzt für Innere Medizin, Univ.-Prof. Dr. Erich Minar.  

Achtung, Krampfadern! Die wichtigsten und häufigsten Anzeichen für ein Krampfadernleiden sind eben schwere, müde Beine – vor allem in der warmen Jahreszeit –, ein Spannungsgefühl in den Beinen und geschwollene Unterschenkel und Knöchel, insbesondere am Abend. Typischerweise nehmen die Beschwerden bei längerem Stehen oder Sitzen und bei Wärme zu. „Werden Krampfadern zu lange nicht behandelt, kann es zu Venenentzündungen, Ekzemen und im schlimmsten Fall zu Beingeschwüren kommen“, warnt Prof. Minar, und daher sollte man sich schon bei den ersten Anzeichen von einem Arzt untersuchen lassen.

Wasser und Bewegung. Der Arzt kann sich nach einer umfassenden Untersuchung ein klares Bild von der Art und dem Ausmaß der Erkrankung machen und dann die geeigneten Therapiemaßnahmen festlegen. Dazu zählen etwa physikalische Maßnahmen wie Hydro- und Bewegungstherapien. Erstere umfasst Kaltwassergüsse, kalte Fußbäder oder Wassertreten in einer Kneippanlage, die das Spannungs- und Schweregefühl in den Beinen oft deutlich bessern können. Eine entsprechende Bewegungstherapie mit flottem Gehen, Radfahren oder Schwimmen fördert durch die Betätigung der Sprunggelenks- und Wadenmuskulaturpumpe den wichtigen venösen Rückstrom.

Effiziente Medikamente und operative Eingriffe. Mitunter kann die Behandlung von Venenleiden aber auch mit Medikamenten erfolgen. „Diese Arzneimittel – etwa mit dem Wirkstoff Oxerutin oder Rosskastaniensamenextrakt – stärken die innere Auskleidung der Vene: Die venösen Gefäße werden für den Austritt von Flüssigkeit in das Gewebe weniger durchlässig“, erklärt Prof. Minar. „Flüssigkeitseinlagerungen, die für das Spannungs- und Schweregefühl verantwortlich sind, werden vermindert, und die Versorgung des Gewebes wird verbessert.“ Schließlich kann man Krampfadern bei besonders hartnäckiger und starker Ausprägung auch operativ oder mit neueren Methoden minimalinvasiv entfernen. Dabei gibt es heute verschiedenste Methoden, die ständig weiterentwickelt werden. Die einzelnen Verfahren werden auch immer schonender und können zum Teil schon ambulant durchgeführt werden. Welche Methode letztendlich zum Einsatz kommt, muss von Fall zu Fall individuell vom Spezialisten entschieden werden.

Der gute alte Kompressionsstrumpf. Gleiches gilt für den Einsatz der ältesten und effektivsten Methode zur Behandlung venöser Erkrankungen – die Kompressionstherapie mit Verbänden, Strümpfen oder Strumpfhosen, die es heute übrigens schon in vielen modischen und auch sommertauglichen Ausführungen gibt. „Durch den Kompressionsstrumpf oder -verband wird von außen auf das Körpergewebe Druck ausgeübt, wodurch die Venenklappen wieder funktionstüchtig werden und venöse Stauungen vermieden werden können“, so Prof. Minar, der nochmals darauf hinweist, wie wichtig es ist, schon bei den ersten Anzeichen eines Venenleidens zum Arzt zu gehen: „Die Behandlung von Krampfadern ist oft relativ einfach und befreit nachhaltig von einem lästigen und gesundheitsgefährenden Leiden.“

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