Sonntag, 17. Februar 2019

Schutz vor diesem Erreger!

Ausgabe 10.2015

Multiresistente Keime stellen in Österreichs Spitälern ein immer größeres Problem dar. Worauf im Krankenhaus in puncto Hygiene zu achten ist, erklärt Expertin Dr. Agnes Wechsler-Fördös im Interview mit GESÜNDER LEBEN.


Foto: Can Stock Photo Inc. - racorn

GESÜNDER LEBEN: Wie schützt man sich als Krankenhauspatient vor Clostridium-difficile-Infektionen (CDI)?
Agnes Wechsler-Fördös: Bei CDI handelt es sich grundsätzlich um eine Schmierinfektion, bei der diese Stuhlbakterien über die Hände, aber auch über kontaminierte Gegenstände übertragen werden und schwere Durch­fallerkrankungen verursachen können. Daher zählt die gründliche Handhygiene mit warmem Wasser und Seife – vor allem natürlich nach jedem Toilettengang – zu den wichtigsten Präventionsmaßnahmen. Zusätzlich – aber bitte nicht routinemäßig beide Maßnahmen! – kann die alkoholische Desinfektion vorbeugend hilfreich sein.

GL: Warum sollte man seine Hände nicht unmittelbar nach dem Waschen desinfizieren?
Auf noch feuchten Händen verdünnt sich das Desinfektionsmittel, wodurch der Alkohol seine Wirkung einbüßt. Zudem kann die Haut durch die Kombination Seifenreste mit Alkohol geschädigt werden. Deswegen sollten nur trockene Hände desinfiziert werden, und in dieser Form ist die alkoholische Händedesinfektion sehr gut verträglich. Unser Appell lautet daher: Gründliches Händewaschen mit Seife nach der Toilette und zwischendurch Hände desinfizieren. Unser Spital ist großzügig mit entsprechenden Spendern ausgestattet und wir ermuntern auch unsere Patienten zur regelmäßigen Nutzung.

GL: Gelten diese Regeln auch für Spitalsbesucher?
Ja. Wenn man seine an einer CDI erkrankten Verwandten besucht, sollte vor dem Besuch eine Händedesinfektion und danach unbedingt Seife, warmes Wasser und Einmalhandtücher verwendet werden. Wenn Besucher bei CDI-Angehörigen konsequent ihre Hände waschen und bei anderen Erkrankungen desinfizieren, besteht für sie nur ein extrem geringes Ansteckungsrisiko.

GL: Welche weiteren Hygienemaßnahmen werden im Krankenhaus getroffen?
Es gibt klare Richtlinien, wie mit CDI umzugehen ist. Sie ermöglichen mithilfe klinischer Testverfahren die rasche Diagnose, die uns dann ein effizientes CDI-Management – also die räumliche Isolierung erkrankter Personen, korrekte Reinigung und Flächendesinfektion, Handygiene und Kleiderschutz – gestattet. Mit dem Schnelltest liegen die Ergebnisse in wenigen Stunden vor. Zudem spielt die Sekundärprävention eine große Rolle. Bei CDI-Patienten wird immer eine etwaige Antibiotika-Therapie analysiert: Welche Antibiotika hat der Betroffene eingenommen? Sind sie noch notwendig? Und welche alternativen Medikamente können eingesetzt werden, um die Darmflora möglichst wenig zu stören?

GL: Inwiefern werden Spitalsbesucher über das richtige Verhalten informiert?
Wir versuchen die Besucher miteinzubeziehen. Wenn Patienten isoliert werden, weist ein Plakat vor der Tür darauf hin, sich vor Eintritt beim Personal zu melden. Die Angehörigen werden von uns instruiert, welche Maßnahmen zu treffen sind. Damit wollen wir verhindern, dass sich Krankheitserreger weiter verbreiten.

GL: Gehören CDI-Patienten prinzipiell ins Spital?
Nein. Bei einem leichten Verlauf der Erkrankung ist CDI auch in den eigenen vier Wänden therapierbar. Wichtig ist aber auch hier die rasche Diagnose. Wer seinen Hausarzt bei ersten Symptomen wie plötzlichem Durchfall über einen etwaig vorangegangen stationären Krankenhausbesuch und eingenommene Antibiotika informiert, stellt sicher, dass auch die richtigen Untersuchungen angeordnet werden. Geschwächte Menschen sind aber sicherlich besser im Spital aufgehoben.

GL: Worauf muss geachtet werden, wenn CDI daheim auskuriert wird?
Erkrankte und Familienmitglieder müssen vor allem auf eine besonders gründliche Handhygiene achten, um die Erreger nicht auf andere Personen zu übertragen. Darüber hinaus empfiehlt es sich, häufig Bettwäsche und Handtücher zu wechseln und Gegenstände wie Armaturen, Lichtschalter und dgl. häufiger zu reinigen. Hier reicht es aber aus, auf herkömmliche Reinigungsmittel zurückzugreifen.

GL: Worauf sollten Patienten generell nach einem Krankenhausaufenthalt achten?
Wenn nach einem Krankenhausaufenthalt schwere Durchfälle eintreten, sollte sofort ein klinischer Test durchgeführt werden, um CDI nachzuweisen bzw. auszuschließen. Der Patient kann somit gleich richtig therapiert werden. Bei einem CDI-Nachweis weiß der Hausarzt, dass er in nächster Zeit vorsichtig bei der Antibiotika-Verschreibung sein muss, um nicht unnötig ein Rezidiv, also einen Rückfall, zu provozieren.

GL: Wird sich das CDI-Problem Ihrer Meinung nach in Zukunft bessern?
Ich denke, dass noch viel Bewusstseinsarbeit notwendig ist. Es gibt nicht nur Aufholbedarf bei der Durchführung klinischer Testverfahren – auch die Verschreibungsfreudigkeit von Medikamenten wie Antibiotika und Magensäurehemmern muss vernünftig eingegrenzt werden. Da diese Arzneimittel adäquate Voraussetzungen für Clostridium difficile schaffen, sollten Mediziner abwägen, ob sie im Einzelfall wirklich notwendig sind. Auch Patienten sind dazu aufgerufen, ihre Medikation kritisch zu hinterfragen.

GL: Zum Abschluss: Welche Empfehlungen geben Sie Krankenhauspatienten?
Patienten sollten sich einerseits an die ärztlichen Anordnungen im Spital halten und andererseits darauf achten, dass diese Standards auch vom Spitalspersonal eingehalten werden. Es ist das Recht jedes Patienten, auch sein betreuendes Personal darauf aufmerksam zu machen, sich die Hände vor einer Untersuchung, Visite etc. zu desinfizieren. Im Regelfall wird das geschehen, aber es kann durchaus passieren, dass speziell in hektischen Situationen darauf vergessen wird. Die aktive Mitarbeit des mündigen Patienten ist also notwendig. Sie spielt auch bei Spitalsbesuchern eine Rolle: Klinisch kranke Personen sollten Angehörige nicht im Krankenhaus besuchen, um niemanden zu gefährden. Wenn sich alle Beteiligten an die aufgestellten Regeln halten, kann ein ausreichender Schutz vor CDI gewährleistet werden.

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