Dienstag, 17. September 2019

Schützen Sie Ihre Blase!

Ausgabe 2013/02
Harnwegsinfekte gehören – vor allem bei Frauen – zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Doch wer vorsorgt, kann diese oft verhindern. Wir zeigen, wie’s geht!

Foto: Can Stock Photo Inc. - carlodapino
Der Gang zur Toilette wird zur ständigen Routine, doch beim Wasserlassen geht nicht viel und es brennt höllisch: Harnwegsinfekt! Tatsächlich gehören Blasenentzündungen zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Dabei entzündet sich jenes Gewebe, das die ableitenden Harnwege auskleidet. Die bei Weitem häufigsten Auslöser sind Bakterien, und: „Der Harnwegsinfekt kommt meist nicht ,von außen‘, sondern ist vorwiegend eine Selbstinfektion mit eigenen Bakterien. Diese werden meist vom Darmausgang – wo sie natürlicherweise vorkommen – in die an sich keimfreien Harnwege verschleppt. Dort breiten sie sich aus, und es kommt zu einer Entzündung, welche letztlich die Symptome des häufigen Harndrangs und der Schmerzen beim Wasserlassen nach sich zieht“, erklärt Allgemeinmediziner Dr. Michael Burgmann.  

Frauen besonders betroffen. Von der lästigen, aber an sich relativ harmlosen Blasenentzündung sind vor allem Frauen betroffen, und dies in erster Linie aus anatomischen Gründen. Denn zum einen mündet die weibliche Harnröhre, verglichen mit der des Mannes, recht nah am Anus. Bakterien aus dieser Region gelangen daher rascher in die Harnwege. Zum anderen ist die weibliche Harnröhre relativ kurz. Dies erleichtert den Keimen den Aufstieg in die Harnblase, wo sie sich in weiterer Folge sehr gut vermehren können. Und: Es gibt eine Reihe von Faktoren, die die Schutzfunktion der Scheide herabsetzen können. Dazu zählt zum Beispiel übertriebene Intimhygiene (vor allem mit stark parfümierten Substanzen), durch die die natürliche Bakterienflora im Genitalbereich ungünstig verändert wird. Aber auch falsch durchgeführte Hygiene kann für Infekte verantwortlich sein: Frauen und Mädchen sollten sich deshalb immer von der Scheide in Richtung After abtrocknen – und nie in Gegenrichtung.

Hormone und Sex. Was noch eine Rolle spielt, ist der Hormonhaushalt der Frau, der Einfluss auf das Scheidenmilieu nimmt. Hormonelle Veränderungen sind ein wichtiger Grund, warum viele Frauen während und nach den Wechseljahren verstärkt mit Harnwegsinfekten zu kämpfen haben. Ein weiterer „Gipfel“ für Harnwegsinfekte stellt bei Frauen jene Lebensphase dar, in der sie sexuell besonders aktiv werden. Bei der sogenannten „Honeymoon-Cystitis“ vermutet man, dass die mechanische Reizung der Schleimhäute im Genitalbereich Bakterien den Weg in den Harntrakt erleichtert.

Männer: besonders gefährdet ab 60 Jahren. Was Männer betrifft, so ist der Harnwegsinfekt bei ihnen vor dem 60. Lebensjahr selten, aber: Danach steigt die Wahrscheinlichkeit, denn viele Männer haben in diesem Alter eine gutartige Prostatavergrößerung. Die Blase kann dadurch schlechter entleert werden, und der dort verbleibende Restharn begünstigt die Entstehung einer Entzündung.

Viel trinken! So weit, so schlecht, doch andererseits lässt sich der „unkompliziert“ genannte Harnwegsinfekt auch relativ einfach behandeln, und das mitunter in Eigenregie: Mit reichlicher Flüssigkeitszufuhr kann man den einfachen Harnwegsinfekt „wegtrinken“. Geeignet sind neben Wasser auch Tees, die nicht aggressiv sind: also kein russischer Tee, sondern eher Früchte- und Kräutertee. Und: Kohlensäurehältige Getränke und Nahrungsmittel, die sehr sauer oder scharf sind, sollte man meiden.

Wann Antibiotika angesagt sind. Führt die Selbstbehandlung nicht zum Erfolg, so ist der Gang zum Arzt angeraten. Er wird den unkomplizierten unteren Harnwegsinfekt kurzfristig mit Antibiotika behandeln. Sehr wichtig zu wissen ist auch –, so Allgemeinmediziner Burgmann – dass Fieber (Temperatur über 38° C), Schüttelfrost, Übelkeit/Erbrechen und Flankenschmerz als Begleitsymptome eines Harnwegsinfekts unbedingt einer raschen ärztlichen Abklärung bedürfen. Denn dahinter verbirgt sich oft ein sogenannter, nicht mehr banaler „aufsteigender Harnwegsinfekt“. Bei rechtzeitiger Erkennung und geeigneter Antibiotikatherapie heilen auch diese Infekte mit Nierenbeteiligung gewöhnlich folgenlos aus. „Wesentlich ist, sogenannte ,komplizierte‘ Harnwegsinfekte herauszufiltern – also Faktoren wie Harnwegsengstellen, Steinleiden, Tumore oder Störungen der Immunität (z. B. bei Diabetes mellitus) zu erkennen“, erklärt der Experte. In der Regel beträgt die antibiotische Therapiedauer bei unkomplizierten unteren Harnwegsinfekten (Blasenentzündung) drei bis fünf Tage bzw. bei Vorliegen komplizierender Faktoren sieben Tage. Burgmann: „Unabhängig von der Behandlungsdauer ist es aber entscheidend, bei gegebener Verträglichkeit das Antibiotikum ausreichend hoch und lang dosiert einzunehmen. Zum einen hängt davon der Therapieerfolg ab, und zum anderen wird einer Resistenzbildung der Keime effektiv vorgebeugt.“

Vorbeugen ist besser als heilen. Übrigens: Nasse Badeanzüge, Miniröcke und bauchfreie Tops in der kalten Jahreszeit oder Motorradfahren ohne Nie-rengurt sind Gift für die Blase. Und: Ausreichend trinken ist die oberste Devise zur Vorbeugung von Harnwegsinfekten. Die Experten empfehlen dafür Wasser und ungesüßte Tees. Manchmal werden auch spezielle Blasen- und Nierentees angeraten. Und: Da Säure nicht das Milieu ist, in dem Bakterien wachsen und gedeihen können, kann man auch vorbeugen, indem man den Harn ansäuert, zum Beispiel mit Preiselbeeren, die Chinin- und Hippursäure enthalten und die den pH-Wert des Urins für die Bakterien unangenehm absenken.

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