Mittwoch, 22. Mai 2019

Schöne Schuhe - hässliche Füße

Ausgabe 2018.07-08

Frostballen, Schiefzehe oder Überbein? Der Hallux valgus ist unschön, schmerzend beim Gehen und findet kaum Platz in adretten Sommerschuhen. GESÜNDER LEBEN erklärt, wie man ihm vorbeugen kann und was zu tun ist, wenn der Hallux sich verschlimmert.


Foto: © iStock-grki

 

Mit einer Pediküre in die Sommersaison starten, anschließend täglich die Hornhautfeile parat halten und regelmäßig das Nagelzwickerl zücken. Wer seine Fußpracht in sexy Sandalen, hippen High Heels oder befreiend barfuß im Strandbad präsentieren mag, der scheut kaum Mühen, um seinen Füßen ein ansprechendes Aussehen zu verleihen. Doch was tun, wenn all die Anstrengungen umsonst sind, weil die Füße schlichtweg nicht in Form sind? „Non foot shape“ hat nichts mit Couch-Potato-Verhalten oder Junk-Food-Schlemmen zu tun, sondern ist hauptsächlich auf das jahrelange Tragen von falschen Schuhen zurückzuführen. Sprich: Besonders hohe und enge Modelle engen à la longue die empfindlichen Mittelfußknochen und die sensible Großzehe so stark ein, dass sie sich einen neuen Platz suchen müssen und sich letztlich nicht mehr dort befinden, wo sie eigentlich hingehören. Ein Hallux valgus ist die Folge.

Viele Österreicher betroffen
„Bei einem Hallux valgus kommt es zu einer Veränderung des Großzehs und des ersten Mittelfußknochens. Das heißt, der erste Mittelfußknochen drängt nach innen, wird dort meist durch den Schuhdruck noch weiter verletzt, man bekommt eine Schleimbeutelentzündung und die Großzehe wandert letztlich nach außen. Im Extremfall befindet sich die große Zehe unter der zweiten Zehe“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Hans-Jörg Trnka, Leiter des Zentrums für Fußchirurgie in der Privatklinik Confraternität in Wien. Rund jeder siebente Österreicher leidet unter dem im Laienjargon bezeichneten Frostballen, 90 Prozent davon sind Stöckelschuhe tragende Frauen. Je spitzer, enger und höher die Schuhe nämlich sind, umso eher läuft frau Gefahr, früher oder später als Hallux-Patientin zu enden. Nur bei den restlichen zehn Prozent ist für gewöhnlich eine erbliche Anlage die Ursache eines Hallux valgus. Eine umfassende Diagnose ist jedenfalls essenziell: „Man benötigt ein Röntgenbild des Fußes im Stehen und man muss den Fuß sehen sowie abtasten“, macht Experte Trnka aufmerksam. Frühe Anzeichen eines Hallux valgus sind übrigens ein unansehnliches Hervortreten des sogenannten Mittelfußknochen-Köpfchens, oder anders ausgedrückt: eine wenig hübsche Beule am Innenballen, direkt unter der großen Zehe.  

haluxFoto: Depositphotos_corbacserdar.gmail.coml

Bequemes Schuhwerk
Selten und wirklich nur in den absoluten Anfängen eines Frostballens kann man diesem noch Herr werden. Kühlende Topfenwickel und Salben sowie das regelmäßige Massieren der betroffenen Stellen können unterstützend wirken. Das Umsteigen auf bequeme, breite Schuhe, die dem Fuß ausreichend Raum geben, ist ein absolutes Muss. „Außerdem ist es ratsam, einen Physiotherapeuten aufzusuchen, der einem Übungen zeigt, mit welchen man die Fußmuskeln gezielt auftrainieren und die Sehnen dehnen kann. Dann kann man einen lebenseinschränkenden Hallux hinauszögern oder eventuell stoppen“, sagt Trnka. Ist es zu spät und die Patienten stören sich optisch an ihrem Fußbild, dann ist eine Operation unumgänglich. Ein Hallux valgus kann sich nämlich nicht selbstständig zurückbilden.

Operation dauert 15 Minuten
Es gibt rund 200 verschiedene konventionelle Operationsmethoden, die sich für einen Laien bloß sehr geringfügig unterscheiden. Das Prinzip ist im Grunde das Gleiche: Zunächst erhält der Patient eine leichte Sedierung und die Nerven am Knöchel werden mit einer lokalen Spritze betäubt. „Anschließend öffne ich, über einen seitlichen, etwa drei Zentimeter langen Hautschnitt, das Gelenk und schiebe das Mittelfußköpfchen zurück an seinen Ursprungsort. Letztlich wird allesgut verschraubt, damit die Knochen an ihrem anatomisch korrekten Ort bleiben“, erklärt Trnka. Eine derartige Hallux-valgus-Operation dauert im Schnitt 15 Minuten, danach kann der Patient unmittelbar nach Hause gehen. Für mindestens vier Wochen muss er einen speziellen Verbandschuh tragen. Spätestens nach zwei bis drei Monaten kann wieder voll Sport betrieben werden. „Man muss vor Komplikationen keinesfalls Angst haben. Wohingegen man sich jedoch sorgen sollte, ist, wenn ein Arzt die sogenannte minimalinvasive Operationsmethode in Erwägung zieht. Hierbei wird im Zuge der OP der Fuß nicht aufgeschnitten, sondern die Fehlstellung nur über drei Einstichlöcher teleskopartig korrigiert. Ich rate hiervon ab, denn man hat dabei keinerlei freie Sicht auf  die Weichteile – im Vergleich zur offenen Operation“, warnt der Wiener Mediziner. Wer jedoch die minimal-invasive Methode in Erwägung zieht aus Panik, eine unschöne Narbe am Fuß zu behalten, dem kann Trnka Entwarnung geben: „Wir vernähen den Schnitt so schön, dass nach kurzer Zeit kaum bis gar nichts mehr von der Narbe zu sehen ist.“ Und dann heißt es problemlos wieder: Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh. Aber die meiste Zeit bitte bequeme Treter!

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