Mittwoch, 22. Mai 2019

Schmerz wegen Büroarbeit?

Ausgabe 2018.04

Eine Sehnenscheidenentzündung schmerzt und schränkt die Beweglichkeit massiv ein. gesünder leben zeigt, mit welchen Maßnahmen Sie entgegenwirken und – noch besser – vorbeugen können.


Foto: iStock-Khosrork

Den Smartphone-Nacken kennt mittlerweile fast jeder. Leider. Doch die unangenehme Muskelverspannung ist nicht das einzige Symptom, das aus stundenlangem Handykonsum resultieren kann. Auch das Handgelenk kann sich mit stechenden und ziehenden Schmerzen sowie Schwellungen bemerkbar machen, wenn in einer Tour beispielsweise WhatsApp-Nachrichten oder SMS verfasst werden. Häufig entsteht dadurch eine Sehnenscheidenentzündung, im Fachjargon auch als Tendosynovitis bekannt. „Entzündliche Veränderungen der Sehnenscheide entstehen hauptsächlich durch chronische Überlastung, also durch Tätigkeiten mit hochfrequenten Bewegungsabläufen“, erklärt Ass.Prof. Priv.-Doz. Dr. Johannes Holinka, Oberarzt an der Wiener Universitätsklinik für Orthopädie. „Konkret sind das zum Beispiel das ständige Tippen am Handy oder an der Computertastatur bzw. ,handwerkliche‘ Tätigkeiten, die feinmotorisches Geschick erfordern.“ Sehnenscheidenentzündungen treten aber auch typischerweise als Folge anderer Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Sklerose oder Gicht bzw. des Zervikalsyndroms oder einer bakteriellen Infektion auf. Unabhängig von der Ursache passiert im Körper letztlich das Gleiche: „Durch den Entzündungsprozess kann das Sehnenscheidengewebe Flüssigkeit absondern, die für das oft charakteristische ,Knistern‘ und ,Quatschen‘ verantwortlich ist und zu Schwellungen sowie Schmerzen führt“, weiß Holinka. Die jeweiligen Stellen können auch gerötet und überwärmt sein. Besonders anfällig für Entzündungen sind die Sehnen im Bereich des Handgelenks bzw. des Unterarms und die Achillessehne. Aber auch Hüfte, Knie oder Schulter können mitunter betroffen sein.

Sehnenscheidenentzündung – so beugen Sie vor!

Beachten Sie folgende vier Tipps – und Sie können in den meisten Fällen eine Entzündung verhindern.

  • Achten Sie auf einen ergonomisch richtig eingerichteten Arbeitsplatz. Passen Sie die Computertastatur und die Maus entsprechend an. Zur Schonung der Handgelenke kann eine Handballenauflage verwendet werden.
  • Sorgen Sie für Abwechslung in den Bewegungsabläufen.
  • Gönnen Sie sich während eines anstrengenden Bürotags öfter eine Pause.
  • Vergessen Sie nicht, die Gelenke zu dehnen und zu wärmen.

Schmerzen – was tun? „Erste Abhilfe bei Sehnenscheidenentzündungen schaffen kühle Umschläge oder Topfenwickel sowie entzündungshemmende Salben. Sie minimieren die Schmerzen und verhindern Kalkablagerungen. Am wichtigsten ist aber vor allem die konsequente Schonung“, erläutert Holinka. „Wer sich ein paar Tage Auszeit gönnt und den schmerzenden Körperteil nicht belastet, lindert und beseitigt die Symptome meist innerhalb kurzer Zeit.“ Sollten die Beschwerden aber mehrere Tage anhalten, ist der Weg zum Facharzt unumgänglich. Dieser kann aufgrund der Krankengeschichte und nach einer eingehenden körperlichen Untersuchung eine entsprechende Diagnose stellen. Dabei muss ersichtlich werden, ob es sich bei der Sehnenscheidenentzündung um ein Überlastungssyndrom oder eine Folgeerkrankung handelt. Aufschluss über eine Folgeerkrankung gibt oftmals ein Blutbild. In den meisten Fällen handelt es sich allerdings um Überreizungen.

Schonen – aber wie? Die Therapie ist abhängig von den jeweiligen Ursachen und der Ausprägung der Erkrankung. „Neben Kälteanwendungen können für einige Tage auch Medikamente aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika eingenommen werden“, so Holinka. „Zur Ruhigstellung dienen auch Bandagen und Schienen. Der Experte warnt hier aber vor typischen Stabilisierungsfehlern: „Die Patienten erhalten oft nur Gelenksorthesen, also Bandagen, die zum Beispiel nur das Handgelenk, nicht aber die Finger ruhigstellen. Das ist aber ganz wichtig, um den Heilungsverlauf zu fördern.“ Bei chronischen Sehnenscheidenentzündungen empfiehlt Holinka daher Schienen, die auch in der Nacht getragen werden müssen, und ein ergotherapeutisches Funktionstraining als Begleitmaßnahme. Im Rahmen solcher Trainingseinheiten lernen die Betroffenen, wie sie körperschonend ihren Alltag bewältigen und welche Maßnahmen sie setzen können, um eine Chronifizierung des Schmerzsyndroms zu vermeiden. „Arme und Handgelenke schont man zum Beispiel mit ergonomisch geformten Computertastaturen und Mäusen“, rät Holinka. Die Tasten sind dabei nicht alle in einer Linie, sondern in einem flachen Winkel angebracht; zusätzlich ist oft auch das Zahlenfeld abnehmbar und in Blockform angeordnet. Die Computermaus wiederum sollte so geformt sein, dass die Hand in entspannter Haltung darauf ruhen kann und die Klicktasten ohne Verrenkung der Finger betätigt werden können. „Um die Gelenke zu stabilisieren, empfiehlt sich in manchen Fällen auch ein sogenannter Zinkleimverband. Er sieht aus wie ein Gips, ist aber vielmehr ein halb starrer Kompressionsverband, der mit einer Zinkoxid-Paste durchtränkt ist sowie kühlend und entzündungshemmend wirkt“, erklärt Holinka. Sind mit der Zeit Kalkablagerungen entstanden, die dauerhafte Beschwerden hervorrufen, können nach Absprache mit dem behandelnden Arzt eine Ultraschall- oder Stoßwellentherapie in Erwägung gezogen werden. Dabei sollen die Entzündungen und Verkalkungen schonend behandelt und eine Operation verhindert werden. Chirurgische Eingriffe eignen sich bei besonders hartnäckigen Entzündungen, die die Beweglichkeit massiv einschränken. „Im Rahmen solcher Operationen werden die entzündlichen Kalkablagerungen entfernt oder ein-engende Ringbänder gespalten“, so Holinka. – Zum Glück kommen sie aber eher selten vor.

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