Freitag, 05. Juni 2020

Schmerz therapie ganz ohne Medikamente

Ausgabe 2020.05
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Schmerz ist ein komplexes Geschehen – umso wichtiger ist es, ihn in seiner Gesamtheit zu behandeln. GESÜNDER LEBEN stellt in der Praxis erprobte Methoden vor, die die Lebensqualität von Schmerzpatienten deutlich steigen lässt.


Foto: © iStock-DKart

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich sowohl bei Ärzten als auch Patienten die Erkenntnis durchgesetzt, dass nicht nur Therapien mit, sondern auch ohne Medikamente einen hohen Stellenwert in der Bekämpfung von chronischen Schmerzen einnehmen. Dazu Dr. Astrid Chiari, Vorstand der Abteilung für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am Wiener Krankenhaus der Barmherzigen Brüder: „Seit geraumer Zeit rücken die Nebenwirkungen der schmerzlindernden Medikamente stärker in den Blickpunkt. Es kommen immer öfter andere Strategien zum Einsatz, welche die Möglichkeit geben, Medikamente in der Dosis zu verringern oder gar ganz zu vermeiden.“ Eine erfolgreiche Schmerztherapie aber, gibt die Expertin zu bedenken, bestehe stets aus beiden Säulen und sei stets individuell auf den Patienten zugeschnitten, wobei hier nicht medikamentöse Therapien freilich etwas mehr Spielraum geben. „Zu Beginn muss mit dem Patienten gemeinsam das Ziel der Schmerztherapie besprochen werden. Zudem darf der Patient keinesfalls in der Erwartungshaltung einer völligen Schmerzfreiheit gelassen werden. Das ist nach Jahren chronischer Schmerzen nicht möglich. Vielmehr geht es darum, mit den Schmerzen umgehen zu lernen und trotz Beschwerden aktiv am Leben teilhaben zu können.“ 

Physiotherapie
Eine der wichtigsten Maßnahmen der nicht medikamentösen Schmerztherapie sind physikalische Behandlungsmethoden. „Diese zielen darauf ab, die Funktionen des Organismus zu verbessern oder wiederherzustellen“, erläutert Dr. Daniela Gattringer, Fachärztin für physikalische Medizin im Linzer Ordensklinikum Barmherzige Schwestern. Am Beginn der Physiotherapie stehen die Beeinflussung des Schmerzes durch spezielle Techniken und Übungen im Vordergrund. „Im weiteren Verlauf wird versucht, das Schonungs- und Vermeidungsverhalten abzubauen und Alltagskompetenz zu entwickeln. Der Schmerz soll dadurch sowohl reduziert wie auch die allgemeine Leistungsfähigkeit aufgebaut werden.“ Die medizinische Trainingstherapie wird vor allem angewendet, um Bänder, Sehnen, Muskeln und Knochen wieder an Beanspruchungen heranzuführen, so die Expertin. Wichtig ist auch, im Alltag Bewegung und Trainingseinheiten einzubauen, „wobei Sport immer an den allgemeinen Gesundheits- und individuellen Trainingszustand angepasst werden soll“, betont der niederösterreichische Rheumatologe Dr. Thomas Schwingenschlögl. „Am Beginn reichen meist längere Spaziergänge und Gymnastik, danach sollte sukzessive gesteigert werden.“ Gelenksschonende Sportarten wie Nordic Walking, Radfahren, Skilanglauf, Schwimmen oder Wandern sind auch für Ältere sowie Patienten mit bereits vorgeschädigten Gelenken geeignet. „Auch Aquagymnastik beziehungsweise -jogging fordern unsere Muskeln extrem heraus!“ Am effektivsten aber, betont der Experte, sei eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining.

Massagen
„Sanfte Berührung und eine behutsame Massage sind Lebenselixiere für uns alle“, ist Gattringer überzeugt. Da eine Heilmassage durchblutungsfördernd und muskelauflockernd wirkt, „hat sie einen positiven Einfluss auf Muskelverspannungen, die Schmerzmodulation sowie Schmerzsymptomatik“. Alternativmethoden umfassen die Bindegewebsmassage, die Reflexzonenmassage, die Lymphdrainage sowie die Akupunktmassage.

Thermotherapien
Bei diesen Behandlungen wird vor allem auf passivem Weg versucht, die Schmerzen positiv zu beeinflussen. „Wärmeanwendungen wie Fangopackungen oder Infrarotlicht bewirken eine muskuläre Entspannung, wobei der körpereigene Stoffwechsel angeregt wird“, erklärt Gattringer. „Die positive Wirkung entfaltet sich dadurch, dass in erwärmten Geweben der Sauerstofftransport sowie die Nährstoffaufnahme bzw. die Abgabe von Abbauprodukten steigen. Durch den Temperaturanstieg im Gewebe wird auch die Immunabwehr verbessert.“ Nicht entspannend, sondern reizlindernd und belebend wirken hingegen Kältetherapien (u. a. Eisbeutel, Kältekammern). „Hier werden Kältereize gesetzt, die den Stoffwechsel senken und die Reizleitungsfähigkeit der Nerven vermindern. Dadurch werden Schmerzen verringert.“

Elektrotherapie
Mittels niedrig dosiertem Gleich- oder Wechselstrom werden „Schmerzen gelindert, Muskel- und Gelenksfunktionen verbessert, die Muskulatur gelockert und auch das Gewebe durchblutet“, so Gattringer. Besonders bewährt habe sich die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS), eine Stimulationsmethode zur Aktivierung des körpereigenen Schmerzhemmungssystems, so die Fachärztin: Im Schmerzbereich werden Elektroden auf die Haut geklebt und auf eine besondere Frequenz eingestellt, die sich in der Regel nach der Art der Schmerzen richtet. „Die Therapie sollte regelmäßig durchgeführt werden!“

Osteopathie
Osteopathen versuchen mit sanfter Stimulation des Gewebes die funktionelle Störung, die dem Schmerz zugrunde liegt, zu lösen. Manchmal ist diese Störung auch in einem anderen, nicht schmerzenden Körperareal zu finden. Durch die Wiederherstellung der Bewegungsfreiheit aller Strukturen werden die Selbstheilungskräfte des Organismus angeregt. Gattringer: „Ein langfristiger Erfolg lässt sich nur dann erzielen, wenn der Patient selbst aktiv wird!“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Schmerz therapie ganz ohne Medikamente
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