Dienstag, 17. September 2019

Schmerz, lass nach!

Ausgabe 2016.03

Was können Sie gegen  Spannungskopfschmerzen und Migräne tun? Und worin liegt eigentlich der Unterschied? GESÜNDER LEBEN klärt auf.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - stokkete

In einer weltweit regelmäßig durchgeführten Studie der WHO, die sich mit krankheitsbedingten Belastungen von mehr als 300 Erkrankungen befasst, steht der Kopfschmerz an dritter, die Migräne an sechster Stelle. Dabei handelt es sich freilich nicht um das gelegentliche Kopfweh, das so gut wie jeder kennt, sondern um wiederkehrende und den Alltag belastende Kopfschmerzen. Zumeist handelt es sich dabei um Spannungskopfschmerzen, mit denen rund 70 Prozent der Bevölkerung zu kämpfen haben. Etwa 10 Prozent leiden indes an Migräne. Generell sind Frauen häufiger betroffen als Männer und leiden insbesondere zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr regelmäßig unter Kopfweh. Die Statistik zeigt jedoch, dass Migräne nach den Wechseljahren weniger wird. Außerdem kommt Migräne familiär gehäuft vor und gilt somit als genetisch bedingt. Nicht zuletzt aus diesem Grund müssen Migräneattacken bzw. Kopfschmerzen auch bei Kindern ernst genommen werden: Während im Alter von zwölf Jahren bereits 90 Prozent (!) zumindest ein Mal über Kopfschmerzen geklagt haben, leiden zuweilen sogar Fünfjährige bereits unter wiederkehrenden Migräneattacken. Laut Statistik sind zwischen drei und fünf Prozent der Kinder betroffen.

Individuelle Therapie. „Spannungskopfschmerz und Migräne haben keine zugrunde liegende Ursache. Der Schmerz ist also tatsächlich das eigentliche Problem“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Christian Wöber, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie in Wien, der sich auf die Behandlung von Kopfschmerzen spezialisiert hat (www.neuro-logie.at). Der Neurologe betont, dass die Häufigkeit der Kopfschmerzen von vielfältigen Einflüssen abhängt: „Man darf Kopfschmerzen und ihre möglichen Auslöser auf keinen Fall verallgemeinern, sondern muss jeden Patienten individuell betrachten.“ Ob es sich um Spannungskopfschmerzen oder Migräne handelt, kann der Spezialist anhand der Symptome gut diagnostizieren. Führen Sie, sofern Sie sich nicht sicher sind, am besten ein Kopfschmerztagebuch, in dem Sie Dauer, Stärke, Häufigkeit, Schmerzort und Begleiterscheinungen dokumentieren. Sobald Ihr Arzt die Diagnose gestellt hat, kann es mit der Behandlung losgehen, denn Tatsache ist: Mit einer individuellen und auf den jeweiligen Patienten ganzheitlich abgestimmten Therapie ist es möglich, die Schmerzen in den Griff zu bekommen und die Lebensqualität zu verbessern.

Keine Schmerzen. Während bei der Migräne so gut wie immer eine medikamentöse Therapie erforderlich ist – die Attacken klingen nur in den seltensten Fällen von selbst wieder ab –, muss beim Spannungskopfschmerz nicht jeder leichte Anfall sofort mit schmerzstillenden Präparaten behandelt werden. Wöber rät, es in diesen Fällen erst einmal mit Hausmitteln zu probieren: „Die Mehrzahl der Betroffenen empfindet Kälte, etwa in Form eines Coolpack oder kalten Waschlappens, als wohltuend. Manche brauchen eher Wärme. Außerdem können Bewegung, Frischluft, Entspannungsübungen, Pfefferminzöl, Ablenkung oder manchmal auch Kaffee helfen.“ Tritt keine Besserung ein, spricht freilich nichts gegen Schmerzmittel. Dabei ist es jedoch wichtig, dass rasch darauf angesprochen wird – das heißt: Innerhalb von circa zwei Stunden sollte man wieder weitgehend schmerzfrei sein. Zudem müsse beachtet werden, so der Neurologe, „dass es auch zu einem medikamentenbedingten Kopfschmerz kommen kann. Das ist dann der Fall, wenn Schmerz- oder Migränemittel zu häufig eingenommen werden. Die Obergrenze liegt bei neun Tagen pro Monat. Wird diese Grenze nicht beachtet, entwickelt sich ein Teufelskreis, den es mit einer gezielten Therapie zu vermeiden gilt.“

Schnelltest Migräne

Es ist relativ einfach, Spannungskopfschmerz und Migräne zu unterscheiden. Danach richtet sich dann auch eine etwaige Therapie.

Spannungskopfschmerz
Die Kopfschmerzen treten meist beidseitig auf und breiten sich, ausgehend vom Stirn- oder Nackenbereich, über den ganzen Kopf aus. Es kommt zu keinen wesentlichen Begleiterscheinungen. Der Schmerz kann wenige Stunden bis mehrere Tage anhalten und den Alltag beeinträchtigen, ohne allerdings Aktivitäten völlig zu verhindern.  

Migräne
Migräneattacken treten meist einseitig auf. Die Schmerzen sind pulsierend bis klopfend, werden bei Bewegung stärker, dauern mitunter mehrere Tage, gehen mit Licht- und Lärmempfindlichkeit, Übelkeit oder Erbrechen einher und beeinträchtigen den Alltag zumeist massiv. Bei einer Migräne mit Aura berichten Betroffene zudem über Sehstörungen (z. B. Blitze vor den Augen).

Man kann vorbeugen! Apropos Teufelskreis: Kopfschmerzen haben die Tendenz, immer wieder, mitunter sogar täglich aufzutreten. Umso besser, dass es Maßnahmen gibt, mit denen man vorbeugen kann. „Spannungskopfschmerzen gehen nicht selten mit Muskelan- und -verspannungen einher, daher können Entspannungstechniken, wie etwa progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Biofeedback oder auch Akupunktur, sehr nützlich sein“, weiß der Experte. In manchen Fällen kann zu ärztlich verordneten schmerzbeeinflussenden Mitteln gegriffen werden, die allerdings eine tägliche Einnahme erfordern, doch nicht mit schmerzstillenden Mitteln zu verwechseln sind. Migränepatienten berichten ebenfalls davon, dass Entspannungstechniken und Akupunktur dazu beitragen, die Lebensqualität zu verbessern. Um der nächsten Attacke vorzubeugen, spielt laut Wöber aber auch der Lebensstil eine große Rolle: „Betroffene sollten darauf achten, ausreichend zu trinken, regelmäßig zu essen und genug zu schlafen. Ebenso kann Bewegung, insbesondere Ausdauersport, vorbeugend wirken.“ Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass Nahrungsergänzungsmittel mit Magnesium, Coenzym Q10 und Riboflavin (Vitamin B2) im Rahmen der Migräne-Prophylaxe helfen können. Oder man greift zu Mutterkraut, einem pflanzlichen Arzneimittel, das seit Kurzem in Österreich verfügbar ist.

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