Dienstag, 12. November 2019

Schmerz bei Diabetes

Ausgabe 2018.11

Rund ein Drittel aller Diabetes-Patienten leidet an chronischen Schmerzen. Schuld sind durch die Krankheit verursachte Nervenschädigungen. Eine frühe Diagnose und gezielte Behandlungen können helfen, das Beschwerdebild zu verbessern.


Foto: iStock-626122772_MATJAZ SLANIC

Oft beginnt es mit einem Kribbeln in den Beinen. Viele berichten von einem Pelzigkeitsgefühl, andere von einer Überempfindlichkeit bei bereits sehr leichten Berührungen. Und dann gibt es die brennenden und bohrenden Schmerzen. So äußert sich die Neuropathie, die bei rund einem Drittel aller Diabetes-Patienten zu chronischen Schmerzen führt. „Diabetes schädigt nicht nur die Blutgefäße, sondern kann auch zu einer Schädigung der Nervenfasern führen“, erläutert Ao. Univ.-Prof. Dr. Michaela Riedl vom AKH Wien. Noch ist nicht restlos geklärt, wie es zu der Nervenschädigung kommt. Eine Erklärung legt nahe, dass diabetesbedingte Stoffwechselstörungen einen negativen Effekt auf die Nervenzellstruktur haben. „Zusätzlich ist auch eine Durchblutungsstörung der kleinen, die Nerven versorgenden Gefäße dafür verantwortlich, die durch anhaltende hohe Blutzuckerwerte verursacht wird“, so die Medizinerin. In jedem Fall sind eine frühzeitige Diagnose und eine individuell abgestimmte Therapie entscheidend für den Behandlungserfolg. „Die ersten Symptome treten häufig symmetrisch in Füßen und Beinen und vor allem im ruhenden Zustand, also nachts, auf“, so Riedl, die dazu rät, bei ersten Schmerzen und Missempfindungen sofort den Arzt aufzusuchen. „Neben der Bestimmung der Blutwerte werden die Füße und Beine gründlich untersucht, das Kalt-Warm-, Vibrations- und Tastempfinden, die Sensibilität sowie die Reflexe getestet und es wird eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit durchgeführt“, erklärt die Ärztin.


Nervenschäden präventiv vermeiden
Doch schon bevor die ersten Symptome auftreten, kann man aktiv werden: „Bei Diabetes Typ 1 ist die Prävention einfacher, da Betroffene früh von der Krankheit wissen“, so Riedl. Bei dieser Autoimmunerkrankung führt eine Störung des Immunsystems dazu, dass die Bauchspeicheldrüse kein Insulin produzieren kann. „Bei diesen Patienten können regelmäßige Kontrolluntersuchungen und eine optimale Einstellung der Blutzuckerwerte Nervenschädigungen lange Zeit vermeiden“, so Riedl. Bei dem weit häufiger auftretenden Typ-2-Diabetes verläuft die Entwicklung schleichend. Es liegt zu Beginn eine sogenannte Insulinunwirksamkeit vor. Erst in späten Stadien kommt auch ein Insulinmangel hinzu. Hier sind bereits bei Diagnosestellung regelmäßige Kontrollen empfohlen. „Wichtig ist, dass man bereits bei der Diagnosestellung eines Prädiabetes handelt“, rät die Expertin. Schon bei dieser Vorstufe von Diabetes können Nervenschäden vorliegen. Von Prädiabetes sprechen Ärzte, wenn der Blutzuckerwert unter dem Diabetes-Schwellenwert, aber bereits über dem Normalwert liegt und wenn der Körper auf Zuckerzufuhr mit erhöhten Blutzuckerwerten reagiert. „In diesem Fall ist es sehr wichtig, neben dem Blutzucker auch die Blutfette und den Blutdruck gut einzustellen, um zu verhindern, dass es zu Nervenschäden kommt.“ Die beste Therapie: „Viel Bewegung, gesunde Ernährung und eine Reduzierung des Körpergewichts und Nikotinkarenz“, beschreibt Riedl die Eckpfeiler.

Therapie lindert Schmerzen
Steht die Diagnose Neuropathie fest, wird versucht, bereits vorhandene Nervenschädigungen zu stabilisieren und eine Verschlechterung zu verhindern. „Eine optimale Einstellung der Blutzuckerwerte ist essenziell“, so Riedl. „Studien belegen, dass man damit vor allem beim Typ-1- Diabetes rund 60 Prozent der negativen Auswirkungen verhindern kann.“ Dazu zählt auch, den Konsum von nervenschädigenden Substanzen wie Alkohol oder Nikotin zu verringern oder einzustellen. Zur Behandlung der Auswirkungen von Neuropathie werden mehrere Alternativen eingesetzt. „Bei starken Schmerzen kommen Medikamente zum Einsatz“, erklärt die Medizinerin. „So wirken Antidepressiva unabhängig von ihrer antidepressiven Wirkung schmerzlindernd. Bei therapieresistenten Schmerzen werden Opioide, die das Schmerzempfinden im Gehirn beeinflussen, verwendet.“ Wirken Medikamente nicht ausreichend, kann ein Chili-Pflaster mit Capsaicin helfen. Das Mittel, das Chilis Schärfe verleiht, wird in Form eines Pflasters auf die schmerzende Stelle geklebt. Eine frühe Diagnose der Nervenschädigung ist aber nicht nur für die Linderung der Schmerzen wichtig. „Tritt Neuropathie auf, bestehen häufig weitere Spätkomplikationen wie Augen- oder Nierenschädigungen“, so Riedl. „Eine umfassende und regelmäßige jährliche Kontrolle ist daher wichtig.“ Zudem sollten Betroffene bei der Neuropathie-Diagnose auch eine Schulung erhalten, um spezielle Risikofaktoren und damit Komplikationen wie den diabetischen Fuß zu vermeiden.

Neuropathie?

Das sollten Sie beach

  • Nicht barfuß gehen, um das Risiko etwa von Schnittverletzungen zu reduzieren.
  • Setzen Sie auf Schuhe aus weichem Material, die keine Druckstellen verursachen.
  • Stellen Sie sicher, dass sich keine Fremdkörper wie Steine in den Schuhen befinden.
  • Tragen Sie Diabetiker-Socken ohne Gummibund, um den Blutfluss nicht zu behindern.
  • Prüfen Sie die Wassertemperatur in der Badewanne mithilfe eines Thermometers, um Verbrennungen zu vermeiden.
  • Beim Saunabesuch nicht dicht neben den Saunaofen setzen oder mit bloßer Haut die heißen Bänke und Wände berühren.
  • Neuropathie kann zu Gefühllosigkeit in der Fußsohle und damit auch zu gesteigerter Sturzneigung führen. Vorbeugung durch physiotherapeutische Schulungen ist ratsam.
  • Kontrollieren Sie Ihre Füße täglich auf Verletzungen und setzen Sie auf fachmännische Fußpflege.
  • Treten Verletzungen auf, suchen Sie sofort einen Arzt auf.
  • Gehen Sie zur Vorsorge und lassen Sie sich mindestens einmal jährlich auf Anzeichen eines Nervenschadens untersuchen.

 

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