Montag, 20. Mai 2019

Schluss mit Schnarchen!

Ausgabe 2013/11
Seite 1 von 2

Das nächtliche Sägekonzert ist nicht nur lästig für den Partner, sondern birgt auch gesundheitliche Risiken für den Schnarchenden selbst. So können Sie beiden helfen!


Foto: ®Can Stock Photo Inc. - 4774344sean

Wer schnarcht, wird meist vom gepeinigten Partner, der wieder einmal um seinen Schlaf gebracht wurde, darauf aufmerksam gemacht. Die Folge: Scham, Ärger und oft auch Verleugnung seitens des „Verurteilten“. Schließlich gilt „Röcheln“ im Schlaf nicht unbedingt als besonders chic oder gar als sexy. Dabei sind Schnarchnasen absolut keine Seltenheit: 45 Prozent aller Männer und 30 Prozent aller Frauen in Österreich zeichnen regelmäßig für die „Lärmbelästigung“ im Schlafzimmer verantwortlich.

Warum schnarchen wir? „Grundsätzlich kommt es beim Schnarchen zu Vibrationen im Bereich des weichen Gaumens, die zu lauten Atemgeräuschen führen. Vorrangig sind hiervon das Gaumenzäpfchen, das am Gaumensegel hängt, oder der Zungengrund betroffen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Gstöttner, Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, Kopf- und Halschirurgie. (Schlaf-)Mediziner unterscheiden zwischen dem primären Schnarchen, bei dem es zu keinen Atem- oder Schlafstörungen kommt und das „nur“ sozial ein Problem darstellt, sowie dem obstruktiven bzw. apnoischen Schnarchen, bei dem genau das Gegenteil der Fall ist. „Obstruktives Schnarchen bedeutet, dass aufgrund einer Muskulaturerschlaffung im Schlaf der Schlundbereich zu eng wird und die Schleimhäute zusammenfallen. Der Zungengrund fällt nach hinten, es kommt zu erschwertem Atmen und im Extremfall – beim kompletten Verschluss der oberen Atemwege – zu wiederholten nächtlichen Atemstillständen“, beschreibt Dr. Eleonora Brandl, Lungenfachärztin und Oberärztin am Wiener Hartmannspital. Eine Verengung der oberen Atemwege, also des Luftraums im Bereich der Nase, des Rachens oder des Schlunds, ist eine der Hauptursachen für die sägende nächtliche Untermalung. „Dadurch kommt es zu einer Widerstandserhöhung, und es muss ein stärkerer Unterdruck beim Einatmen im Brustkorb erzeugt werden, um einen Atemfluss zu bewirken. Dieser Unterdruck begünstigt das Schnarchen“, so Brandl weiter. Vorübergehend kennt das bei einer auftretenden Erkältung fast ein jeder und kann sich helfen: Mithilfe von pflanzlichen Nasensprays, Nasenspülungen sowie Inhalationen mit Kamille oder Kochsalz kann für rasche Abhilfe gesorgt werden. Auch schwangere Frauen neigen aufgrund des veränderten Hormonhaushalts zu zeitweiligem Schnarchen. Im Falle eines chronischen Schnupfens, bei Polypen, Allergien, vergrößerten Rachenmandeln, einer Verkrümmung der Nasenscheidewand, Fehlstellungen im Kieferbereich oder sogar infolge eines Schleudertraumas kann der gestörte Atemfluss aber zu einem Dauerproblem werden, das behandelt werden sollte.

Riskante Folgen. Schnarchen kann insofern gefährlich werden, wenn es zu krank machenden Atemaussetzern kommt. „Die Atemstillstände, auch Apnoen genannt, haben wichtige gesundheitliche Folgen. Der Körper reagiert mit Weckreaktionen, die dazu führen, dass es für eine kurze Zeit – bis zum nächsten Atemstillstand – wieder zu einer regelmäßigen Atmung kommt. Damit verbunden ist auch eine erhöhte Ausschüttung von Stresshormonen, die erhöhte Blutdruck- und Blutzuckerwerte sowie Veränderungen der Herzfrequenz begünstigen“, erklärt Brandl. Dadurch steigt auch das Risiko für die Entstehung von Gefäßverkalkungen, Herzinfarkten oder Schlaganfällen. Außerdem kommt es in den Apnoe-Phasen häufig zu einer Sauerstoffunterversorgung des Blutes und des Körpergewebes, wodurch lebenswichtige Organe in Alarmbereitschaft geraten und der Puls zu rasen beginnt – wie bei einem Marathonlauf, nur ohne sichtbare Strapazen. Der unterbrochene Schlaf sorgt zudem für eine Verkürzung der Regenerationsphasen, sodass die Betroffenen völlig „gerädert“ aufwachen. Die Tagesordnung ist oft von Erschöpfungszuständen, verminderter Leistungsfähigkeit, Depressionen und – aufgrund der geringeren Testosteronproduktion – Potenzproblemen geprägt. Außerdem erhöht sich infolge der mangelnden Konzentrationsfähigkeit auch die Unfallgefahr um ein Vielfaches.  „Der Verdacht auf obstruktives Schnarchen sollte dann gegeben sein, wenn es zu einem lauten und unregelmäßigen Schnarchen kommt bzw. wenn der Patient über ständige Müdigkeit klagt und es zu einer erhöhten Einschlafneigung kommt“, gibt Brandl zu bedenken.

So verbessern Sie Ihren Schlaf!
  • Persönlicher Schlafbedarf. Es macht weder Sinn, „auf Vorrat“ zu schlafen, noch zu glauben, dass man den Schlaf am Wochenende „nachholen“ kann. Jeder Mensch braucht unterschiedlich viel Schlaf – gönnen Sie sich Ihre persönlich notwendige Zeit.
  • Regelmäßige Schlafzeiten. Unser Körper besitzt eine innere Uhr und schätzt regelmäßige Rhythmen.
  • Bequeme Schlafstätte. Wir verbringen ein Drittel unseres Lebens im Bett – hochwertige Matratzen aus natürlichen Materialien verbessern den Schlaf.
  • Angenehme Schlafumgebung. Achten Sie auf eine angenehme Temperatur, gute Belüftung, ruhige Lage und eine Verdunklungsmöglichkeit. Entfernen Sie den Fernseher und das Radio aus Ihrem Schlafzimmer. Nehmen Sie Uhren aus Ihrem direkten Sichtfeld.
  • Ernährungsgewohnheiten. Vermeiden Sie späte, schwere Mahlzeiten und achten Sie auf Ihr Körpergewicht. Wenn Sie nächtlich häufig auf die Toilette gehen müssen und Probleme beim Wiedereinschlafen haben, trinken Sie abends nur geringere Mengen.
  • Genussmittel reduzieren. Nikotin, Alkohol und stimulierende Getränke (z. B. Kaffee, Schwarztee, Energy"drinks) beeinflussen direkt Ihren Schlaf. Verwenden Sie nur vom Arzt verordnete Medikamente (manche Medikamente können den Schlaf beeinflussen).
  • Bewegung. Betreiben Sie regelmäßig Sport – aber nicht zu kurz vor dem Schlafengehen!
  • Entspannte Abende. Vermeiden Sie Stress, insbesondere abends. Erlernen Sie eventuell eine aktive Entspannungstechnik (z. B. autogenes Training).
  • Konsultation eines Arztes. Suchen Sie Ihren Arzt auf, wenn Sie dreimal pro Woche und länger als einen Monat schlecht schlafen!

 

Quelle: Schlaflabor, Hartmannspital (Wien)

Richtig behandeln. Wer häufig und stark schnarcht bzw. schon mit Apnoen zu kämpfen hat, sollte unbedingt einen Facharzt (für Pneumologie und/oder HNO) konsultieren. „Dieser kann mittels einer ambulanten Polygraphie einen Verdacht erhärten und den Patienten an ein Schlaflabor zur Polysomnographie zuweisen“, so Brandl. Der Betroffene verbringt eine Nacht im Labor, wo mithilfe von Sensoren das Schnarchen, der Atemfluss, die Sauerstoffsättigung, der Puls und die Bewegungen im Schlaf aufgezeichnet werden. „Nach dieser Untersuchung erfolgt eine Besprechung, in der der Patient erfährt, ob es zu behandlungspflichtigen Atemstillständen kommt“, erklärt die Lungenfachärztin. Sollte sich eine Therapie als notwendig erweisen, kann aus einer mannigfaltigen Behandlungspalette die individuell passende gewählt werden. Ihr Arzt wird Sie dabei kompetent beraten. Die Maßnahmen reichen vom Tragen einer Nachtmaske, die mit einem leichten Überdruck Atemluft in die Lungen befördert und die Atemwege stabilisiert, bis hin zu operativen Eingriffen, bei denen das Gaumenzäpfchen entfernt bzw. überflüssiges Gewebe beseitigt oder gestrafft wird. Zu weiteren medizinischen Maßnahmen zählen Zahnschienen, die entweder die Zunge nach vorne halten oder das gesamte Unterkiefer nach vorne schieben, Gaumen- und Nasenspangen oder die Korrektur einer Nasenscheidewandverkrümmung, um die Atmung zu verbessern. „Bevor die Nasenscheidewand aber korrigiert wird, empfiehlt es sich, gelegentlich (!) mithilfe von abschwellenden Nasentropfen zu testen, ob hier tatsächlich die Ursache des Problems liegt“, rät Gstöttner.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Schluss mit Schnarchen!
Seite 2 Prävention ist die beste Medizin

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-05 130x173

Aktuelles Heft 05/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 7. Juni

 

Unsere Ausgabe 04/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Wie informieren Sie sich über Nebenwirkungen von Medikamenten?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information