Samstag, 16. Februar 2019

Schlechter Atem muss nicht sein!

Ausgabe 2016.03

Mundgeruch ist ein Tabuthema. Umso wichtiger ist es, den Betroffenen darauf aufmerksam zu machen und selbst zu wissen, was die Ursache für schlechten Atem ist.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - kanzefar

Sechs bis sieben Prozent der Österreicher leiden an permanentem Mundgeruch, 25 Prozent an vorübergehend schlechtem Atem. „Mundgeruch kann eine große psychische Belastung sein!“, betont der Wiener Mikroskopzahnarzt DDr. Klaus Kotschy (www.mikroskopzahnarzt.at). „Der Betroffene zieht sich unter Umständen immer stärker sozial zurück. Leider machen nach wie vor sehr viele Zahnärzte nicht auf Mundgeruch aufmerksam – und das, obwohl er unkompliziert zu behandeln wäre!“

Nicht immer Krankheitswert. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen chronischem Mundgeruch – in der Fachsprache Halitosis genannt – und Mundgeruch, der zu bestimmten Tageszeiten oder nach einer Mahlzeit auftritt. „Das heißt, dass Mundgeruch nicht per se einen Krankheitswert besitzt“, erklärt Kotschy. „Bis zu einem gewissen Grad haben wir alle Mundgeruch, das ist völlig normal!“ Normal, damit meint der Experte, wenn man zum Beispiel morgens mit einem schlechten Atem aufwacht oder über einen längeren Zeitraum nichts getrunken hat. Beides kann aufgrund der verringerten Speichelproduktion zu einem schlechten Atem führen. Bekannterweise ist Mundgeruch auch ein Nebenprodukt von Rauchen oder übermäßigem Kaffeekonsum. Stärker verbreitet, als man denkt, ist die sogenannte Halitophobie, also die starke – und unbegründete – Angst, an Mundgeruch zu leiden.

Selbsttests unmöglich. Zum Zahnarzt sollte man gehen, wenn der Mundgeruch permanent auftritt und meist übel riechend ist. Die Krux dabei: Ein Selbsttest ist dabei so gut wie unmöglich. „Sich selbst in die Hand zu hauchen, ist wenig erfolgversprechend, da sich die Nase an den eigenen Geruch gewöhnt hat“, gibt Kotschy zu bedenken. Heißt: Den eigenen Mundgeruch können wir nicht riechen. „Auch, dass man einen Löffel abschlecken und den trockenen Speichel danach riechen soll oder der Geruch der benutzten Zahnseide sind Ammenmärchen.“ Vielmehr sollte man, auch wenn es unangenehm ist, eine Vertrauensperson fragen, wie es um den eigenen Atem bestellt ist. Und diese vielleicht sogar anhauchen. Kotschy: „Das kostet Überwindung, ist aber der einzige richtige Weg!“ Das gilt auch umgekehrt: Machen Sie eine Person in Ihrem Umfeld, die an Halitosis leidet, darauf taktvoll und vorsichtig aufmerksam. „Am besten ist es, die Sache auf sich zu beziehen“, rät der Zahnarzt. „Be-tonen Sie, dass auch Sie froh wären, wenn Sie jemand auf dieses Problem hinweisen würde.“

Ursachen. Die Ursachen einer Halitosis sind vielfältig, wenngleich der Großteil – nämlich 90 Prozent – in der Mundhöhle zu finden ist. Vor allem auf der großen rauen Oberfläche der Zunge mit ihren zahlrei-chen Vertiefungen setzen sich Bakterien fest, die keinen Sauerstoff zum Leben brauchen und unter anderem für die Zersetzung von abgestorbenen Schleimhautzellen und von Nahrungsbestandteilen zuständig sind. „Bei diesen Zersetzungsvorgängen werden flüchtige Schwefelverbindungen freigesetzt, die zum unangenehmen Geruch führen“, erklärt Kotschy. Bietet die Mundhöhle gute Lebensbedingungen für diese Bakterien, zum Beispiel durch schlechte Mundhygiene, können sich diese verbreiten und ungehindert vermehren. Neben der (belegten) Zunge können auch Karies, Parodontitis, Zahnwurzelentzündungen, Mundsoor, Mundtrockenheit, Abszesse, Zahnbelag oder Speisereste bzw. Bakterien unter schlecht sitzenden Brücken oder Kronen der Grund für Mundgeruch sein. In nur zehn Prozent der Fälle sind die Ursachen für Halitosis im Mund-Rachen-Raum zu finden, wie zum Beispiel Rachen- oder Mandelentzündungen. Mitunter können auch Allgemeinerkrankungen wie Diabetes mellitus, Zöliakie oder Leber- und Nierenfunktionsstörungen der Grund sein, auch extremes Fasten kann Mundgeruch verursachen. „Extrem selten, obwohl häufig angenommen, ist Halitosis auf eine Erkrankung im Magen-Darm-Trakt zurückzuführen“, betont der Experte. Es gibt Zahnärzte, die sich auf Halitosis spezialisiert haben – suchen Sie diese auf und lassen Sie sich helfen! Aber vor allem: „Schämen Sie sich nicht!“, betont Kotschy.

So sagen Sie Mund­geruch den Kampf an!

GESÜNDER LEBEN hat sechs Tipps für Ihren frischen Atem.

Gründliche Mundhygiene. Mindestens zweimal täglich Zähne putzen (am besten mit einer weichen Zahnbürste), verwenden Sie täglich Zahnseide und vergessen Sie nicht, die Oberfläche Ihrer Zunge zu säubern – am besten mit einer speziellen Zungenbürste.

Genügend trinken! Speichel neutralisiert schlechte Gerüche im Mund und ist für eine gesunde Mundflora von großer Bedeutung. Trinken Sie genügend (am besten Wasser)! Alkohol, Nikotin und Koffein reduzieren den Speichelfluss (und verursachen Geruch).

Ernährung. Am wirkungsvollsten ist es, komplett auf eine gesunde Ernährung umzustellen, da dies auch der gesunden Mundflora zugutekommt. Meiden Sie Fertiggerichte, fetthaltige Speisen, Fertiggewürzmischungen und Softdrinks; Getreideprodukte und tierische Eiweiße sollten reduziert werden. Konzentrieren Sie sich auf Salate, Gemüse, Sprossen, Nüsse, Ölsamen und Früchte.

Heilkräuter. Rosmarin, Eukalyptus und Thymian können Entzündungen im Mundraum lindern.

Kein Stress! Auch Stress kann Mundgeruch verursachen, da er den Speichelfluss reduziert.

Medikamente. Einige Medikamente haben Mundtrockenheit als Nebenwirkung, zum Beispiel Antidepressiva, Medikamente gegen hohen Blutdruck oder Schlafmittel. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber!

 

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