Mittwoch, 22. Mai 2019

Schlank aus dem Bauch heraus

Ausgabe 02.2015
Seite 1 von 2

Wie Sie Ihre Darmflora beeinflussen (und damit leichter abnehmen) können, lesen Sie hier.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - sixdun

Geht es um die gute Figur, haben vor allem drei Bakterienfamilien das Sagen. Und zwar Bifidobakterien, Akkermansia muciniphila und Bacteroides“, schreibt Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann in ihrem Buch „Schlank mit Darm“. Doch leider gibt es nicht nur die „Schlank-und-rank-Bakterien“, sondern mit den Firmicutes auch „Hüftgoldbakterien“, wie die Professorin für Gesundheitsförderung und Medical Wellness an der Hochschule Coburg zu sagen pflegt. Letztere sind Bakterien, die im Dickdarm beheimatet sind und uns im Laufe der Evolution durchaus wichtige Dienste erwiesen haben: Sie können nämlich komplexe Kohlenhydrate und Ballaststoffe spalten und unseren Körper somit mit ausreichend Energie versorgen, ergänzt Dr. Eva Maria Hoffmann vom Grazer Institut Allergosan, das sich seit über 20 Jahren mit dem Thema Darmgesundheit befasst: „Der Ötzi zum Beispiel hatte einen unglaublichen Überschuss dieser ‚dickmachenden‘ Bakterien, was zum damaligen Zeitpunkt auch sinnvoll war, war doch Nahrung etwas ‚Seltenes‘. Da gab es nicht an jeder Ecke einen Fast-Food-Laden.“ Heute benötigen wir aber diese guten Nährstoffverwerter nicht mehr in dem Ausmaß wie zu Ötzis Zeiten. Vielmehr machen Firmicutes manche Ballaststoffe zu regelrechten Kalorienbomben, indem sie daraus besonders viel Acetat, Butyrat und Propionat erzeugen. Freilich braucht unser Körper diese kurzkettigen Fettsäuren, denn sie liefern wertvolle Energie. Befinden sich allerdings zu viele Hüftgoldbakterien im Darm, werden folglich auch zu viele Fettsäuren produziert, die dann über die Darmschleimhaut in den Körper und schlussendlich auf Hüfte und Co. gelangen.

Buchtipp

buch1Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann
Schlank mit Darm
Südwest Verlag, 192 Seiten, € 17,50

In einer allgemeinverständlichen Sprache erklärt die Autorin die vielfältigen Aufgaben der Darmbakterien und zeigt, wie wir über unsere Lebensweise Einfluss auf die Darmflora und unser Gewicht nehmen können. Das Buch liefert praktische Ratschläge und Rezepte, um die Darmflora in Richtung „schlank“ zu programmieren – ein durchaus unterhaltsamer Einblick in die beeindruckende Welt der Darmflora.

Multikulti Darmflora. Soll heißen: Weg mit den Firmicutes, her mit den Bacteroides? Nein! Denn wenngleich eine Vielzahl von Studien gezeigt hat, dass übergewichtige Menschen oftmals ein Ungleichgewicht zugunsten der dickmachenden Firmicutes und eine (zu) geringe Anzahl an schlankmachenden Bacteroides aufweisen, sollte die Darmflora möglichst viele verschiedene Bakterienstämme beinhalten. Denn je vielfältiger das Mikrobiom (die Gesamtheit aller den Menschen aber auch andere Lebewesen besiedelnden Mikroorganismen, wobei primär die Darmbakterien und damit die Darmflora gemeint sind), umso gesünder sind wir. Ist also unsere Darmflora in Balance, hat das nicht nur positive Auswirkungen auf das Gewicht, sondern sorgt diese auch für starke Abwehrkräfte. Immerhin befinden sich nahezu 80 Prozent unseres Immunsystems im Darm. Doch zurück zum „schlanken Darm“, dessen Grundstein schon bei der Geburt gelegt wird: „Wenn möglich sollten Frauen natürlich, das heißt vaginal entbinden und stillen, weil sie ihren Babys dadurch wertvolle Bakterien mitgeben“, so Axt-Gadermann, die außerdem von übermäßiger Hygiene abrät: „Es reicht, wenn man ab und zu die Hände wäscht. Desinfektionsmittel braucht es nicht. Im Gegenteil: Bei jedem Zusammentreffen mit anderen Menschen wandern Bakterien in den Darm und das sorgt für eine vielfältige Darmflora.“ Auch Antibiotika sind mit Vorsicht zu genießen. Wenngleich sich das Mikrobiom nach dem Absetzen eines Antibiotikums wieder erholen kann, besteht die Gefahr, dass die Darmflora langfristig durcheinandergebracht wird, unter anderem weil Antibiotika Bakterienstämme regelrecht ausrotten. Axt-Gadermann: „Antibiotika sind wichtig und in manchen Fällen unerlässlich. Dennoch sollte man immer zwei Mal nachfragen, ob eine Antibiotika-Therapie tatsächlich erforderlich ist – insbesondere bei Kindern.“

Stress als Dickmacher. Und was können wir noch dazu beitragen, dass sich in unserem Darm viele verschiedene Bakterienstämme ansiedeln – wenn möglich mehr Schlank-und-rank- als Hüftgoldbakterien? Bewegung und die Vermeidung von zu viel Stress scheinen sich günstig auf die Darmflora auszuwirken. Essenziell ist aber die Ernährung, immerhin baut die Darmflora Nahrung ab und je nachdem, was wir zu uns nehmen, tun wir unserem Körper Gutes – oder nicht. So richtig spannend und, wenn man will, vielversprechend wird die Sache, wenn man bedenkt, dass sich unsere Darmflora innerhalb kürzester Zeit umstellt. „Sobald wir die Hüftgoldbakterien etwas hungern lassen, werden sie weniger. Und mit den Schlank-und-rank-Bakterien ist es dasselbe: Wenn wir diese füttern, vermehren sie sich und tragen zur guten Figur bei – ohne dass wir hungern müssen“, konkretisiert Axt-Gadermann, die in ihrem Buch wirkungsvolle Strategien für einen schlanken Darm präsentiert:

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Schlank aus dem Bauch heraus
Seite 2 Darmbakterien-Diät

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