Sonntag, 17. Februar 2019

Schlaganfall: Jede Minute zählt!

Ausgabe 2013/10
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Ein Schlaganfall ist ein lebensbedrohlicher Notfall! Wir sagen Ihnen, wie Sie vorbeugen können und – im Falle des Falles – als Außenstehender richtig reagieren und helfen sollten.


Foto: Can Stock Photo Inc. - Nejron

Es ist alles andere als ein harmloses „Schlagerl“, das in Österreich jährlich bis zu 25.000 Menschen trifft und schlimmste gesundheitliche Folgen nach sich ziehen kann. „Es gilt, die Frühsymptome wie zum Beispiel Seh-, Sprach-, Gangstörungen oder Lähmungserscheinungen richtig zu interpretieren und so rasch wie möglich darauf zu reagieren. Sie bedürfen einer sofortigen neurologischen Abklärung in einem speziell darauf spezialisierten Zentrum, doch leider geschieht dies allzu oft nicht oder nicht rechtzeitig. Das Zeitfenster vom Auftreten der Symptome bis zur Therapie sollte idealerweise maximal 4,5 Stunden betragen“, erklärt die Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie, Dr. Hemma Unterluggauer. „In der Tat ist der Schlaganfall ein Notfall, und es geht darum, sofort – das heißt ohne den geringsten Zeitverlust – die Rettung zu rufen, die den Patienten ebenso umgehend in eine spezielle Schlaganfalleinheit bringt.“

Notfallexperten gefragt. Der Notfall Schlaganfall verursacht – je nachdem, welches Gehirnareal von der plötzlichen Durchblutungsstörung des Gehirns betroffen ist – unterschiedliche Symptome, wobei meist halbseitige Lähmungen entstehen, der Mundwinkel der betroffenen Seite herabhängt und Sprach- und Gefühlsstörungen auftreten. Übrigens ist der Schlaganfall kein reines „Altersproblem“. Er kann Menschen jeden Alters treffen, und auch Kinder wie auch Ungeborene im Mutterleib können betroffen sein. „Time is brain“ heißt es in jedem Fall für die Notfallexperten, und in der Tat müssen sofort die notwendigen medizinischen Untersuchungen durchgeführt werden und daran anschließend die Behandlung erfolgen. Diese kann je nach Blutungsstärke von einer neurologischen Überwachung in der Klinik bis hin zu einem operativen Eingriff reichen. Bei einem Schlaganfall ist auch eine rechtzeitige sogenannte Thrombolysetherapie sinnvoll bzw. notwendig. Dabei wird das Blutgerinnsel medikamentös aufgelöst, der Gefäßverschluss beseitigt und damit die Durchblutung wieder hergestellt.

Wieder fit für den Alltag. Die ehestmögliche Behandlung auf einer sogenannten Stroke Unit (spezielle Schlaganfalleinheit) führt – wie auch große wissenschaftliche Untersuchungen zeigen –  für die Betroffenen eindeutig zu einem besseren Ergebnis als die Behandlung an einer allgemeinen Krankenstation, denn die Profis, die dort agieren, sind am besten in der Lage, die Therapie perfekt zu managen. Und diese Therapie erfordert auch das reibungslose Zusammenspiel verschiedener medizinischer Berufsgruppen – sprich Fachärzte (u. a. Röntgenologen), diplomiertes Pflegepersonal, Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden, Neuropsychologen und Sozialarbeiter. Sie alle versuchen auch, Schaden zu begrenzen, denn leider leidet ein Drittel der Patienten an mäßigen und ein weiteres Drittel an schwer wiegenden Folgebeschwerden. Aber: Mit entsprechender Pflege und Rehabilitation können viele betroffene Patienten für den Alltag draußen wieder fit gemacht werden.

Schluckstörungen exakt managen. Eine große Herausforderung für die Pflege bei Schlaganfall sind allerdings Schluckstörungen, unter denen jeder zweite Betroffene akut leidet. Aber: Eine effiziente Hilfestellung bei der so wichtigen exakten Diagnostik der Schluckstörungen bietet das in Österreich entwickelte „Gugging Swallowing Screening“ (GUSS), das es erlaubt, betroffene Patienten genau herauszufiltern und exakt zu diagnostizieren, sodass in der Folge die angebotenen Speisen und Flüssigkeiten dem Status entsprechend angepasst werden können, um Komplikationen zu vermeiden. GUSS findet übrigens weltweit Anerkennung, und das Screening wurde von vielen Ländern für die Arbeit mit Schlaganfallpatienten übernommen.

Hilfe bei Depression. Wichtig für viele Schlaganfall-Betroffene ist auch die ärztlich-psychologisch-psychotherapeutische Hilfe, die man jenen anbietet, die unter depressiven Verstimmungen leiden, und das ist immerhin ein Drittel der Patienten. Denn: Ein Schlaganfall reißt den Betroffenen mitten aus seinem gewohnten Leben, Freunde ziehen sich häufig zurück oder reagieren mit übertriebener Hilfsbereitschaft. Vereinsamung ist dann oft ein Thema, und überdies  können Schmerzen in der gelähmten Körperhälfte bzw. im gesamten Bewegungsapparat zu schaffen machen. Häufig sind auch die Angehörigen überfordert, rat- und mutlos und leiden selbst mit.

Noch früher handeln. Ganz entscheidend beim Notfall Schlaganfall ist – es sei nochmals betont – das allerrechtzeitigste Handeln und Vorgehen, und so weiß man heute auch, dass die „sehr frühe Rehabilitation“  gegenüber der üblichen sogenannten „Frührehabilitation“, die in der Regel erst nach einigen Tagen beginnt, Vorteile hat. Dr. Unterluggauer: „Durch entsprechende Therapien kann die Schädigung im Gehirn – wenn rechtzeitig behandelt – möglichst gering gehalten werden. Laut neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen kann durch diese raschen Maßnahmen die Sterblichkeit um bis zu 46 Prozent gesenkt werden.“   

Das harmlose „Schlagerl“? Eines noch zum sogenannten „harmlosen Schlagerl“, das in Wirklichkeit ein sehr ernstes Warnzeichen für einen drohenden Schlaganfall ist: Etwa 20 Prozent aller Schlaganfälle kündigen sich durch sogenannte transitorische bzw. vorübergehende ischämische Attacken (TIA) an. Diese äußern sich häufig in plötzlicher halbseitiger Schwäche, vorübergehendem Taubheitsgefühl im Gesicht oder Arm, jeweils halbseitig, d. h. eine Körperhälfte betreffend, oder plötzlichen Sprachstörungen, die oft nur wenige Minuten, selten  auch einige Stunden andauern können. Viele tun deshalb derartige Symptome ab, denken an andere harmlosere Ursachen wie Migräne oder Kreislaufprobleme oder interpretieren die Beschwerden als altersbedingt. „Unbehandelt können die Betroffenen kurz darauf mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Schlaganfall mit bleibenden Ausfällen erleiden“, warnt jedoch Dr. Unterluggauer eindringlich.

Übersicht zu diesem Artikel:
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Seite 2 Den Schlaganfall verhindern

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