Montag, 16. September 2019

Schau mir in die Linsen, Kleines!

Ausgabe 2018.03

Die neuesten Modelle bieten großartigen Tragekomfort und können beinahe jede Fehlsichtigkeit beheben. GESÜNDER LEBEN erklärt, welche Linsen es gibt und für wen sie sich eignen.


Foto: iStock-AJ_Watt

Kontaktlinsen sind echte Hightech-Sehbehelfe, die stetig weiterentwickelt werden. Für fast jede Anforderung gibt es das passende Modell: von weichen Wegwerflinsen über lang haltende harte Linsen, spezielle Gleitsichtlinsen bis hin zu Linsen, die das Voranschreiten von Kurzsichtigkeit stoppen. Bevor man sich für eine Variante entscheidet, ist es eine medizinische Notwendigkeit, den Augenarzt zu konsultieren. Denn: Ein schneller Gang zum Optiker um die Ecke genügt und man nennt in Kürze weiche Kontaktlinsen sein Eigen. Davor warnt Univ.-Doz. Dr. Irene Ruhswurm, Fachärztin für Augenheilkunde und Optometrie: „Eine Kontaktlinsenanpassung sollte nur nach einer augenärztlichen Kontrolle erfolgen, denn wir sprechen hier von Sehbehelfen, die wir direkt auf unseren Augapfel setzen. Das darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Selbst erfahrene Kontaktlinsenträger sollten regelmäßige medizinische Kontrollen durchführen lassen, um die langfristige Verträglichkeit sicherzustellen.“ Augenärzte raten ihren Patienten häufig zu harten Linsen, besonders, wenn diese als Brillenersatz ständig zum Einsatz kommen.

Hart, aber hilfreich. Harte Kontaktlinsen sind formstabil und bestehen aus einer Acrylverbindung, vergleichbar mit atmungsaktivem Plexiglas. Sie sind kleiner als weiche Linsen und schwimmen am Auge. Dadurch wird die Hornhaut besonders gut mit Sauerstoff versorgt. Harte Linsen werden speziell für den Patienten angefertigt. Dafür erstellt der Augenarzt mithilfe eines Keratografen eine präzise Hornhaut-Topografie. Mit harten Linsen können beinahe alle Fehlsichtigkeiten ausgeglichen werden, sogar starke Hornhautverkrümmungen. Viele Patienten schreckt es jedoch ab, dass man harte Linsen zu Beginn wie ein Sandkorn im Auge spürt. Im Regelfall sollte dieses Fremdkörpergefühl nach ein paar Wochen verschwunden sein. „Bei trockenen Augen kann jedoch zu wenig Tränenfilm vorhanden sein, sodass die Linse nicht geschmeidig schwimmt. Dann kommt es zu Schmerzen, geröteter Bindehaut oder verklebten Augen. Anzeichen, dass harte Kontaktlinsen nicht vertragen werden“, erklärt Ruhswurm. Sie empfiehlt, die Symptome eines trockenen Auges (im Fachjargon Keratokonjunktivitis sicca) im Vorfeld zu beheben. Häufig ist bei Betroffenen die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit gestört, obendrein wird oft zu wenig produziert. Die Ursachen können banal sein: etwa klimatische Einflüsse durch eine Klimaanlage und starkes Heizen oder zu seltener Lidschlag, wie er zum Beispiel beim Arbeiten vor dem Computer passiert. Nicht selten sind aber chronische Lidrandentzündungen schuld, die eine anormale Sekretion der dort liegenden Drüsen bewirken. Ebenso können hormonelle Störungen, Menopause, diverse Autoimmunerkrankungen, wie Rheuma, oder Nebenwirkungen von Medikamenten einen negativen Einfluss auf die Tränenproduktion haben. Im Regelfall sind trockene Augen behandelbar.

Weiche Linsen: angenehm, aber heikel. Die Haptik weicher Kontaktlinsen ist mit jener einer dicken Folie zu vergleichen. Diese Linsen sind in alle Richtungen verformbar, größer und dünner als ihre harten Pendants und schmiegen sich eng an den Augapfel an. „Man spürt sie kaum, daher werden sie so geliebt. Allerdings werden von allen Kontaktlinsen-Komplikationen gute 97 Prozent durch weiche Kontaktlinsen hervorgerufen“, sagt Ruhswurm. Der Grund ist mangelnde Hygiene. Abgesehen von Tages-Linsen, die nach einmaligem Gebrauch weggeschmissen werden, müssen alle Linsen – egal ob weich oder hart – täglich gereinigt werden. Hier haben die harten Linsen einen Vorteil, weil sie mit einer Speziallösung händisch geschrubbt werden können. Weiche Linsen würden dabei reißen. Daher ist es schwieriger, sie rein zu halten. Diese werden deshalb stundenlang in eine sogenannte Peroxid-Lösung eingelegt, welche schädliche Mikroorganismen abtötet. Wird die Pflege verabsäumt, kommt es zu Hornhautentzündungen, die dazu führen, dass man nie wieder Linsen tragen kann. Wer fast täglich Linsen trägt, dem sind jedenfalls aus Preisgründen harte Linsen anzuraten. Diese kosten inklusive Anpassung rund 500 Euro, halten dafür zwei Jahre. Weiche Linsen gibt es als Monats-, Wochen- und Tageslinsen oder auch als Jahreslinsen. Sie kosten bei täglichem Gebrauch dreimal so viel wie ihre harten Kollegen.

„Gleitsichtkontaktlinsen“ boomen. Hoch im Kurs sind derzeit Kontaktlinsen, welche die Altersfehlsichtigkeit korrigieren. Diese gibt es als weiche oder harte Form. Die Prinzipien und Systeme sind unterschiedlich und Geschmackssache. „Ich bin ein Fan von der Monovision-Methode. Dabei korrigiere ich das Führungsauge perfekt für das Fernsehen aus. Das andere mache ich zum Beispiel eine Dioptrie schwächer, damit sieht man dann in der Nähe scharf. Das Gehirn erhält somit ein schärferes und ein unschärferes Bild und sucht sich je nach Situation das bessere aus“, erklärt Ruhswurm. Es gibt aber auch Linsen (weiche wie harte), in denen kreisförmig unterschiedliche Zonen eingeschliffen sind, die entweder für das Nahsehen oder für die Weite ideal passen. Außerdem gibt es noch harte multifokale Linsen, in denen am unteren Linsenrand – ähnlich der Gleitsichtbrille – ein Nahbereich eingeschliffen ist. Sobald man beim Lesen hinabsieht, rutscht die Linse ein Stück hinauf über die Iris und man sieht scharf.

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