Mittwoch, 20. Februar 2019

Schau auf deine Augen, Kleines!

Ausgabe 12/2010-01/2011
Augenerkrankungen sind im Vormarsch. Schon jetzt ist fast die Hälfte der Österreicher von Sehstörungen betroffen. Wie man durch entsprechende Vorsorge den (Durch-) Blick behält.

Foto: coloroftime - istockphoto.com
Sehen ist der wichtigste Sinn, Augen sind unser Tor zur Welt, zumindest dann, wenn sie einwandfrei funktionieren. Das tun sie allerdings nur bei einer Minderheit. Ohne Brillen oder Kontaktlinsen stolpern über drei Millionen Österreicher mit erheblicher Unschärfe durchs Leben. 4.600 sind völlig blind, und fast 400.000 Menschen hierzulande leiden an einer Augenerkrankung, ohne überhaupt davon zu wissen. Das sind nur ein paar der erschreckenden Eckdaten, die Experten für Augenheilkunde am kürzlich im Wiener Rathaus abgehaltenen „Ersten Augentag“ präsentierten.

Die Hauptursache für die weltweite Zunahme von Augenerkrankungen liegt in den westlichen Industrieländern im demografischen Wandel – der stetig steigenden Lebenserwartung. Doch betonen die Fachleute auch, dass viele Versäumnisse schon in der Kindheit passieren. „Tatsächlich können Sehzellen und Sehnervenfasern, die einmal abgestorben sind, nicht mehr repariert werden, ein dadurch bedingter Sehverlust kann nicht wieder rückgängig gemacht werden“, erklärt Augenärztin Dr. Helga Azem, die Vorsitzende der Bundesfachgruppe Augenheilkunde der Österreichischen Ärztekammer ist.

Scharf & unscharf sehen
Sind die Augen gesund, liefern die beiden Hohlkugeln aus je sechs Gramm Wasser und ein bisschen Zellgewebe ein so perfektes Abbild der Umgebung, dass es in puncto optischer Leistung alle modernen Kameras in den Schatten stellt. Tatsächlich sind Grundfunktionen und Aufbau der Augen mit einem Fotoapparat vergleichbar. Einfallende Lichtstrahlen werden durch Hornhaut und Linse so gebrochen, dass sie sich in einem Punkt treffen. Haben die beiden Augen ideale Kugelform, dann kommt dieser Punkt (= Brennpunkt) genau auf der Netzhaut, dem „Film des Auges“, zu liegen. Es entsteht ein scharfes Bild. Menschen sind aber keine Roboter, und eine perfekte Kugelform der Augen ist selten. Die Folge dieser sehr häufigen Formabweichungen sind Kurz-, Weit- oder Stabsichtigkeit, die beim Gros der Menschen für unscharfe Sicht sorgen.

Brillen und Kontaktlinsen sind die einfachste Methode, um bei Fehlsichtigkeit für ein scharfes Bild zu sorgen. Grundprinzip der Korrektur ist, die Brechkraft der einfallenden Lichtstrahlen so zu verändern, dass der unvollkommenen Natur auf die Sprünge geholfen wird und der Brennpunkt trotz Formabweichung der Augen genau auf der Netzhaut zu liegen kommt. Das Bild ist scharf.

Gute Gründe für den Augencheck
Bei unscharfer Sicht ist der Gang zum Augenarzt naheliegend, doch gerade bedrohliche Augenerkrankungen verursachen häufig keine Schmerzen oder Auffälligkeiten. Das Problem dabei, so Spezialistin Azem: „Merkt man in diesen Fällen eine Sehverschlechterung, ist es für ein effizientes Eingreifen oft schon zu spät!“ Frühzeitige und regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt – auch wenn man das Gefühl hat, dass alles in Ordnung ist – sind daher ein Muss. Denn die Medizin ist heute in Diagnostik und Therapie so weit, dass – wenn rechtzeitig interveniert wird – vieles „repariert“ oder zumindest entscheidend gebessert werden kann. Ein Erblinden kann so in vielen Fällen vermieden werden.

Hier nun vier häufige Augenerkrankungen, die im Anfangsstadium wenige bis keine Symptome machen, jedoch unbehandelt zu schweren Beeinträchtigungen führen – gehen Sie daher regelmäßig zum Augenarzt!

1. Grauer Star (Katarakt)
Ein Großteil der über 65-Jährigen ist betroffen. Es kommt zu einer Trübung der Linse, die schleichend vonstattengeht und zu sehr unterschiedlichen Beschwerden führt (Sehverschlechterung, Blendungsempfindlichkeit, Doppelbilder). Wird der graue Star nicht behandelt, kann der Alterungsprozess der Linse zu einer kompletten Eintrübung und damit unweigerlich zum Erblinden des betroffenen Auges führen.
Therapie: Die eingetrübte Linse wird operativ entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt. Die Operation wird meist in lokaler Betäubung in Tageskliniken durchgeführt, man kann häufig schon am selben Tag wieder nach Hause entlassen werden.

2. Diabetische Retinopathie
Sie ist eine der häufigsten Erblindungsursachen. Bei einer Zuckerkrankheit werden die Gefäße der Netzhaut beschädigt. Das bleibt lange ohne Symptome, erst im Spätstadium kommt es zu einer Sehverschlechterung oder zum völligen Sehverlust.
Therapie
: Mit Laser können erkrankte Gefäße verödet werden. Die Lasertherapie wird in lokaler Narkose durch geführt und ist weitgehend schmerzfrei. In rund 50 Prozent der Fälle bleibt die bestehende Sehschärfe er halten. Sorgen Sie außerdem dafür, dass Ihr Blutzucker optimal eingestellt ist, und gehen Sie regelmäßig zum Augenarzt!

3. Makuladegeneration (Netzhautverkalkung)
Bei fast 30 Prozent der über 70-jährigen kommt es altersbedingt zu einer Schädigung des gelben Flecks (= Makula) im Zentrum der Netzhaut, der auch als die Stelle des schärfsten Sehens bezeichnet wird. Im Anfangsstadium werden nur leichte Verzerrungen wahrgenommen, in den Endstadien treten die Sehstörungen als kleiner oder größerer, grauschwarzer Fleck in der Mitte des Gesichtsfeldes in Erscheinung. Experten unterscheiden zwei Formen:

die trockene Form
: eine Behandlung ist bis dato nicht möglich, bei 85 Prozent der Patienten wird das Sehvermögen allerdings nur gering beeinträchtigt.

die feuchte Form
: Hier kommt es zu einer schweren Beeinträchtigung. Seit einigen Jahren kann sie mit Antikörpern gegen den Gefäßwachstumsfaktor VEGF oder mittels photodynamischer Therapie behandelt werden, wobei es derzeit leider noch nicht bei allen Patienten möglich ist, die feuchte Form zum völligen Stillstand zu bringen.

4. Grüner Star (Glaukom)
Durch einen erhöhten Augeninnendruck kommt es zu einer Schädigung des Sehnervs. Dieser schmerzfreie Prozess kann über Jahre andauern und führt unbehandelt zum Erblinden. Zunächst kommt es zu Ausfällen im Randbereich des Gesichtsfelds, die vom Patienten oft jahrelang unbemerkt bleibt. Das Erkrankungsrisiko steigt mit dem Alter. Vor allem, wenn grüner Star in der Familie häufiger vorkommt, sind regelmäßige Kontrollen wichtig.
Therapie: Mit Augentropfen (regelmäßige Anwendung wichtig!) kann medikamentös der Augeninnendruck gesenkt werden. Dieser muss nun regelmäßig kontrolliert werden. Reicht diese Behandlung nicht aus, kann eine Operation in Betracht gezogen werden, die den Augendruck nachhaltig senkt.


Ihre Termine für den Augen-Check
Am besten beginnen Sie „von ‚Kindesaugen an“ mit der Vorsorge – Spezialistin Azem empfiehlt folgende Augenarzttermine für Ihren Lebenslauf:
  • Die erste Kontrolluntersuchung sollte - wie jetzt auch im Mutter- Kind-Pass empfohlen – mit dem 2. Lebensjahr erfolgen und nicht erst mit Schuleintritt.
  • Vor dem 40. Lebensjahr sollte man alle zwei bis drei Jahre eine Untersuchung durchführen lassen, damit gefährliche Augenerkrankungen rechtzeitig behandelt werden können.
  • Ab dem 40. Lebensjahr sind jährliche Kontrollen beim Augenarzt auch ohne offensichtliche Beschwerden unbedingt nötig.

Sehen Sie gut?
Scharfe Bilder entstehen, wenn die einfallenden Lichtstrahlen so gebrochen werden, dass der Brennpunkt genau auf der Netzhaut liegt. Das ist aber nicht bei jedem so.

NORMALSICHTIG – das Auge hat ideale Kugelform
  • Die Brechkraft ist ideal, der Brennpunkt liegt genau auf der Netzhaut.
  • Das gesamte Bild ist scharf, es ist keine Korrektur notwendig.

KURZSICHTIG – das Auge ist zu lang gewachsen
  • Die Brechkraft ist zu stark, der Brennpunkt liegt vor der Netzhaut.
  • Entfernte Objekte werden unscharf gesehen, Korrektur mit Minus-Dioptrien.

WEITSICHTIG – das Auge ist zu kurz gewachsen
  • Die Brechkraft ist zu gering, der Brennpunkt liegt hinter der Netzhaut.
  • Der Vordergrund ist unscharf, Korrektur mit Plus-Dioptrien.

STABSICHTIG – das Auge hat Eiform
  • Lichtstrahlen werden unterschiedlich gebrochen und treffen gestreut auf die Netzhaut.
  • Das gesamte Bild wird verzerrt gesehen, Korrektur mit speziellem Zylinderglas.

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