Donnerstag, 14. November 2019

Schau auf dein Auge!

Ausgabe 2019.11

Die Makuladegeneration ist bei uns die häufigste Augenerkrankung. Sie kann nicht geheilt – aber gestoppt werden. GESÜNDER LEBEN erklärt, warum Vorsorge so wichtig ist. Und warum Blueblocker helfen können.

 


Foto: iStock-metamorworks

Viele kennen den Ausdruck „Makuladegeneration“ (AMD) gar nicht, obwohl es sich dabei um die häufigste Augenerkrankung in den westlichen Industrienationen, die bei Menschen über 50 Jahren zu schweren Seheinbußen führen kann, handelt. Es ist schlichtweg eine altersabhängige degenerative Erkrankung der Makula, des zentralen Bereiches der Netzhaut. „Dabei kommt es zu Ablagerungen unterhalb der Netzhaut, die das Sehen beeinträchtigen“, erklärt OA Dr. Michael Marek, Facharzt für Augenheilkunde und Augenchirurg. In Österreich leben derzeit etwa 125.000 Betroffene, jährlich kommt es zu 3.000 bis 4.000 Neuerkrankungen. Experten prognostizieren für die Zukunft einen deutlichen Anstieg, der größtenteils auf die zunehmende Lebenserwartung zurückzuführen ist. „Sonderformen der AMD gibt es aber auch bei jüngeren Patienten“, weiß Marek. „Es gibt zwei Formen dieser Netzhauterkrankung – die trockene und die feuchte AMD.“

Trockenes Auge im Winter

Wer immer wieder unter trockenen Augen leidet, hat im Winter – verursacht durch die trockene Heizungsluft – meist stärkere Beschwerden.

Was können Sie tun?

  • Zwinkern Sie immer wieder und machen Sie bewusst Ihre Augen zu. Vor allem, wenn Sie lange Zeit am Computer arbeiten.
  • Machen Sie zwischendurch einen Spaziergang an der frischen Luft.
  • Stellen Sie einen Luftbefeuchter im Raum auf.
  • Tränenersatzmittel sind als konservierungsmittelfreie Tropfen oder Sprays in der Apotheke erhältlich und werden bei Bedarf in die Augen getropft. Sie enthalten auch Substanzen, die die körpereigene Tränenflüssigkeit besser an der Netzhaut haften lässt.

 

Besonders positiv: Es entsteht kein Gewöhnungseffekt!

Frische Luft, bewusstes Zwinkern und Tränenersatzmittel helfen bei Beschwerden durch trockene Augen.

Zentrale Bedeutung für das Sehen
Die Makula ist ein Areal, das nur wenige Quadratmillimeter groß ist und in der Mitte der Netzhaut liegt. Sie ist zwar klein, aber von zentraler Bedeutung für unser Sehvermögen. Denn alles, was die Augen fixieren, wird an dieser Stelle auf der Netzhaut abgebildet. In der Makula befinden sich sehr viele Sinneszellen, vor allem die für die Farbwahrnehmung zuständigen Zapfen. Daher ist die Makula der Ort des schärfsten Sehens und für das Lesen, das Erkennen von Gesichtern und Gesichtsausdrücken, das Unterscheiden von Farben usw. verantwortlich. Sowohl für die Wahrnehmung von Details als auch für das scharfe Sehen in der Ferne braucht man eine funktionstüchtige Makula. Die übrige Netzhaut nimmt hingegen vor allem Umrisse und Hell-Dunkel-Kontraste wahr. Weil diese Fähigkeit von einer AMD unbeeinflusst bleibt, führt eine altersbedingte Makuladegeneration trotz zunehmenden Sehverlusts auch nie zu einer vollständigen Erblindung.

Wenn alles verschwimmt
Grundsätzlich sind die Symptome von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Eine Makuladegeneration verursacht keine Schmerzen. Erstes Anzeichen ist oft, dass die Mitte des Schriftbildes beim Lesen verschwimmt. Verzerrtes Sehen wird oft als Frühsymptom einer feuchten AMD genannt. Gerade Linien erscheinen dabei krumm oder gebogen. Mit Fortschreiten der Erkrankung wird das Sehen im Zentrum des Gesichtsfelds schlechter und unschärfer, bis man zuletzt dort nur noch einen dunklen Fleck wahrnimmt. Dabei bleibt das periphere Sehen außerhalb der Mitte des Sehfelds erhalten. Am Anfang ist meist nur ein Auge betroffen. Später dehnt sich die Erkrankung dann aber oft auf das zweite Auge aus.

Trockene AMD
Die Mehrzahl der Patienten leidet unter einer trockenen AMD. Der Vorteil: Sie schreitet langsamer voran und führt erst im Spätstadium zu einer deutlichen Verschlechterung des zentralen Sehens. Der Augenarzt erkennt sie bei der Spiegelung des Augenhintergrunds durch Ablagerungen unter der Netzhaut. Der Nachteil: Sie ist schwerer zu therapieren. In weiterer Folge kommt es dann zu einer landkartenähnlichen Zerstörung von Zellen in der Netzhaut, einer »geografischen Atrophie«, die vor allem eine Gewebeschicht im unteren Bereich der Netzhaut betrifft.

Feuchte AMD
Die feuchte Form macht etwa 15 Prozent aller AMD-Fälle aus. Sie ist aggressiver und kann sehr rasch voranschreiten. „Sie kann durch entsprechende Therapien aber gestoppt oder zumindest in der Entstehung verlangsamt werden“, weiß Michael Marek, Oberarzt am SMZO-Donauspital in Wien. Hier kommt es zur Neubildung von krankhaft veränderten, blutenden Gefäßen, zu Rissen in der Netzhaut und schließlich zur Narbenbildung im Bereich der Makula. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die feuchte AMD meist aus der trockenen AMD hervorgeht.

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Ist Licht schädlich?

„Grundsätzlich ist Licht nicht schädlich für die Makula, nur extrem energiereiches UV-Licht in hohen Dosen schadet“, erklärt der Augenarzt. „Für das gesunde Auge ist aber auch zu viel UV-Licht meistens kein Problem. Allerdings gibt es heute dazu noch keine gesicherten Langzeitstudien. Eines ist aber sicher: Man sollte nie direkt in die Sonne schauen.“ Risikofaktoren für eine Makuladegeneration sind höheres Alter, Vererbung in der Familie, ein hoher Blutdruck und andere kardiovaskuläre Erkrankungen sowie Übergewicht. Besonders schadet das Rauchen, denn Nikotinkonsum verdoppelt die Gefahr, an einer AMD zu erkranken. Und wie lässt es sich mit einer AMD besser leben? Marek: „Es gibt einerseits UV-Blocker-Brillen, die das gesamte UV-Licht blockieren, und andererseits Blaublocker, die zusätzlich auch noch Teile des sichtbaren blauen Lichtes herausfiltern. Man erkennt sie an ihrer gelb-rot-orangen Glasfarbe. Durch die Blaublocker wird zwar das Sehen objektiv nicht verbessert, subjektiv werden die Kontraste aber besser erkennbar. Allerdings werden Farbdarstellung und Helligkeit reduziert. Man verwendet diese Brillen, wenn Patienten bereits eine AMD-Erkrankung haben.“ Christian Theimer, Optiker im niederösterreichischen Brunn am Gebirge, hält viel von Prävention: „Ich empfehle meinen Kunden das sogenannte Eye Protect System EPS, vor allem für Bildschirmbrillen und auch für Sonnenbrillen. Es filtert das schädliche Blaulicht im Bereich von 400 bis 440 Nanometern heraus, das auch zu einer Makuladegeneration beitragen kann. In den USA wurden Sonnenbrillen bereits vor zehn Jahren mit Blueblockern ausgestattet. Auch am Handy gibt es ja den Modus Blaulichtfilter.“

Rechtzeitige Diagnose
Besonders wichtig ist eine frühzeitige Diagnose der Makuladegeneration. Marek: „Wenn man die AMD rechtzeitig bemerkt, kann man sie behandeln, bevor ein Schaden merkbar ist. Denn man kann eine Makuladegeneration nicht heilen, wenn sie manifest ist! Man kann sie nur stoppen. Auch Injektionen direkt in das Auge verlangsamen die weitere Verschlechterung nur.“ Wichtig ist daher die jährliche Kontrolle beim Augenarzt für alle Menschen über 40 Jahre. Bei der Netzhautuntersuchung sieht der Facharzt schon das Frühstadium einer Makuladegeneration und vieler anderer Augenerkrankungen wie etwa dem grünen Star, die für den Patienten erst zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt spürbar werden. Interessant: Auch Diabetes, hohen Blutdruck und verschiedene andere Systemerkrankungen kann ein Augenarzt frühzeitig im Auge erkennen. 

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