Mittwoch, 02. Dezember 2020

Schatzi-Suche im Cyberspace

Ausgabe 02/2010
Kontaktanzeigen in Zeitungen sind ein Auslaufmodell. Genauso angestaubt sind Partnervermittlungen per Heiratsinstitut. In puncto Dating setzen zeitgemäße Singles auf Liebe auf den ersten Klick.

Foto: Chris Bernard - istockphoto
Im World Wide Web lässt es sich von Rio bis Schanghai ohne Limit und herrlich unverbindlich online flirten. Wer eine Begegnung der dritten Art ersehnt und sich dabei nicht auf einen glücklichen Zufall verlassen will, verliert bei Partnerbörsen und Vermittlungen mit regionalem Suchmodus sein Herz möglicherweise gleich nebenan. Mittels ausgeklügelter Vorselektion nach Persönlichkeitsmerkmalen und Bildern, die oft mehr sagen als tausend Worte, kann der Surfer in Sachen Liebe akkurat die Spreu vom Weizen trennen. Den Liebes-Jackpot geknackt haben z.B. Erwin und Marion Z. Die beiden Wiener sind sich sozusagen im Netz ins Netz gegangen, während sie einander im echten Leben vielleicht nie begegnet wären.

Ungebremster Boom
Daumen mal Pi sind 1,3 Millionen Österreicher zwischen 18 und 69 Singles, etwa 70 % davon streben eine Kurz- oder Langzeitbeziehung an. Aktuell loggen sich nicht weniger als 700.000 Österreicher monatlich in Singlebörsen ein – Tendenz steigend. Das Verhältnis von Frauen und Männern hält sich mit 47 zu 53 in etwa die Waage. Die Psychologin und Autorin Dr. Doris Wolf räumt auf den Online-Beratungsseiten des Palverlags mit Vorurteilen auf und animiert dazu, Hemmungen abzulegen. „Viele meinen, da nur jene zu treffen, die sonst keine(n) abkriegen, oder dass die Online- Partnersuche nur etwas für junge Leute sei. Eher im Gegenteil: Die Chancen stehen für alle Altersklassen und soziale Schichten gut, einen neuen Partner zu finden oder Gleichgesinnte und interessante Menschen kennenzulernen oder ein romantisches Abenteuer zu erleben.“

Der Vergleich lohnt sich
Für die Betreiber der Portale ist das Geschäft mit den Sehnsüchten und den Begehrlichkeiten ein ziemlich einträgliches, weil in den seltensten Fällen gratis. Das Hineinschnuppern in die Profile ist generell kostenfrei, wer in medias res gehen möchte, also bitteschön endlich den direkten Draht zur Auserwählten, zum Auserwählten herstellen will, muss sich kostenpflichtig als Mitglied registrieren bzw. (Premium-)Abos lösen.

Für den Neueinsteiger ist ein Preisvergleich nur schwer möglich, weil auch seriöse Partnervermittlungen wenig auf Kostentransparenz geben. Wie praktisch, dass sich das Schweizer Marktforschungsinstitut Metaflake die Mühe angetan hat, den heimischen Online-Dating-Markt zu durchleuchten und in seinem großen Singlebörsen-Vergleich für Österreich auch aufzeigt, welche Kosten für welche Gegenleistung auflaufen (www.singleboersenvergleich.at). Zur Relativierung: Die Online-Partnersuche kommt trotzdem vergleichsweise günstig.
Die Singlebörsen-Anbieter lassen sich grob in vier Bereiche kategorisieren:
  • Kontaktanzeigen-Börsen für die eigenverantwortliche Suche, wie z.B. die Urmutter aller heimischen Flirtportale love.at,
  • Partnervermittlungen mit psychologischen Tests,
  • Sites für reine Erotikkontakte (Seitenspringer, Swinger usw.)
  • sowie Nischen-Portale etwa für Gläubige, Homosexuelle, Dicke, Alleinerzieher etc.

Während sich manche Agenturen auf eine gehobene und zahlungskräftige Klientel – „Akademiker sucht Akademikerin“ - und eine Zielgruppe ab 30 Jahren spezialisiert haben – z.B. Parship und Elite, pflügen andere quer durch den sozialen Gemüsegarten und alle Altersschichten.

Liebe(r) auf Nummer sicher
Früher galten der Arbeitsplatz, Lokale, Vereine oder der Freundeskreis als Kontaktbörsen, heute führt immer öfter das Kennenlernen via Internet zum ersehnten Ziel. Das Spektrum reicht vom schnellen Vergnügen, dem ONS (one-night-stand) über die Suche nach dem viel zitierten Lebensabschnittspartner bis zu Kandidaten mit ganz ernsten Absichten – nämlich die virtuelle Bekanntschaft später in den Hafen der Ehe zu führen. Wenngleich die Effizienz im Vergleich zum konventionellen Weg erstaunlich hoch ist, ein Happy End ist nicht immer vorprogrammiert. Weil das Glück auch im Cyberspace ein Vogerl ist. Was zu schön klingt, um wahr zu sein, nicht nur Papier ist geduldig, entpuppt sich nämlich oft spätestens beim Blind Date als totaler Reinfall.

Liebe auf den ersten Klick ist die Ausnahme von der Regel. Gerade im anonymen Web kann jeder User ungehemmt das Blaue vom Himmel erzählen, sprich sich in den schillerndsten Farben darstellen. Im Cyberspace lauern auch klassische Heiratsschwindler, Betrüger, aber auch Triebtäter und andere Subjekte auf ihre Opfer. Daniel Baltzer von Metafl ake warnt deshalb eindringlich vor allzu leichtsinnigem Umgang mit dem Unbekannten. Durch die Vorfreude auf das erste Treffen schalte sich nicht selten der Verstand aus, die Naivität sei oftmals erschreckend, ja erreiche gefährliche Dimensionen. Im europäischen Vergleich führen Herr und Frau Österreicher das Negativ-Ranking – gleich das erste Treffen in den eigenen vier Wänden abzuhalten – mit 31 % an. Gerade Frauen sollten stets auf Nummer sicher gehen. Privaträume können, sobald die Tür erst einmal ins Schloss gefallen ist, schnell zur Falle werden. Klüger ist, einen belebten, öffentlichen Ort auszuwählen und das Handy griffbereit zu halten.

Ende gut, alles gut
Im Web, genauer gesagt auf „love.at“ gesucht und gefunden haben sich Marion und Erwin. Zum Blind Date verabredeten sie sich aber erst nach wochenlanger E-Mail-Korrespondenz. „Wenn man nicht nur auf ein schnelles Abenteuer aus ist, sollte man schon vorher eine Vertrautheit aufbauen und sich mögen“, gingen es die beiden mit Bedacht an. Zum ersten Treffen ist Erwins Cyberliebe zwar nicht in der vereinbarten, roten Jacke erschienen, ungeachtet dessen, hat er sie in der Sekunde erkannt. Seit drei Jahren sind die beiden ein Paar – mit Brief und Siegel.


Das Geschäft mit den Sehnsüchten

In der Alpenrepublik haben sich mittlerweile einige Hundert Portale auf den Klick mit dem Liebesglück spezialisiert. Die meisten davon sind Kontaktanzeigen-Börsen. Etwa einem Dutzend Betreibern ist es gelungen, mehr als 100.000 Mitglieder zu akquirieren. Die meist international agierenden Konzerne werden immer gefinkelter darin, möglichst viel Geld pro Mitglied zu lukrieren. So belief sich der in Österreich getätigte Branchenumsatz im Vorjahr auf 14,5 Millionen Euro. 2010 wird eine Steigerung von 10 bis 15 Prozent erwartet. Kaum überraschend ist die Tatsache, dass im Mutterland des Online-Datings – den USA – mit 3,40 Euro der höchste Pro-Kopf -Umsatz erzielt wird. In Österreich legte 2009 statistisch gesehen jeder vom Baby bis zum Greis 1,75 Euro dafür aus.
Quelle: Metaflake Singlebörsen-Vergleich


Liebes-Links
Ob regional oder international: Die Funktionsweisen von Partnervermittlungen und Singlebörsen ähneln einander ziemlich. Anhand der kostenlosen Services wie Online-Profil ausfüllen, Kurzgutachten einsehen und Partnervorschläge erhalten kann man sich schon mal ein erstes Bild machen und dann entscheiden, wem man sein Vertrauen schenkt und sein Geld anvertraut. Je mehr Portale man bucht und je öfter man sein Profil platziert, desto höher ist klarerweise die Chance auf Respons. Die Preise von Internet-Partnervermittlungen wie Parship, Elite, be2 oder eDarling bewegen sich zwischen € 150 und 180 für beispielsweise einen 3-monatigen Premium-Service. Dafür lockt unbegrenztes Kommunizieren und Kontaktgarantie. Gesünder Leben hat eine Auswahl seriöser und etablierter Anbieter zusammengestellt:

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