Sonntag, 29. März 2020

Sanfte Medizin vs. Schulmedizin - Anthroposophie als Weg zur Erkenntnis

Ausgabe 12/2011-01/2012
Seite 2 von 4

Anthroposophie als Weg zur Erkenntnis
Rudolf Steiner hat Anfang des letzten Jahrhunderts mit Ita Wegmann die anthroposophische Medizin konzipiert. Sie vermag zu heilen, indem sie die Selbstheilungskräfte stimuliert. Sie sieht sich als Erweiterung der Schulmedizin.

Die anthroposophische Medizin baut auf der naturwissenschaftlichen Medizin auf, befasst sich darüber hinaus aber eingehend mit der Individualität des Menschen. Schon für die Anamnese nimmt sich der Arzt viel Zeit, um möglichst alles herauszufinden, erklärt der Grazer Kinderarzt und Vorsitzende der Gesellschaft für anthroposophische Medizin in Österreich, Reinhard Schwarz: „Jeder Patient wird genau untersucht, dazu gehören, wenn nötig, beispielsweise auch Laboruntersuchungen. Um zur Gesamtdiagnose zu gelangen, befasse ich mich aber zudem mit den Instanzen des Lebendigen, des Seelischen und vor allem mit der Ich-Präsenz, die, wenn gesund, Ziele vorgibt und Sinn vermittelt. Ist sie geschwächt, kann das zum Beispiel zu Antriebslosigkeit führen. Ist sie zu stark, will sie alles um sich herum beherrschen.“

Therapie auf mehreren Ebenen.„Der naturwissenschaftliche Zugang ermöglicht auf der physikalisch-chemischen Ebene Diagnosen und Therapieansätze“, so Schwarz. Doch: Nach Ansicht der anthroposophischen Medizin reicht das nicht! Daher setzt sich der Arzt auf Grundlage der vom Patienten beschriebenen Beschwerden mit der Krankheit auseinander und bekämpft deren Ursachen. „Zudem versuchen wir, dem Patienten im Umgang mit seiner Erkrankung leibes-, lebens- und seelenhygienisch beizustehen.“ Und dann gibt es noch die individuelle Ebene, die die Persönlichkeit und somit den Motor für die Gesundung stärkt. Neben schulmedizinischen und anthroposophischen Arzneien werden auch Mal- und Musiktherapie, plastisches Gestalten, Sprachgestaltung und die sogenannte Heileurythmie angewendet. Bei Krebserkrankungen zeigt die von Steiner in die Medizin eingeführte Misteltherapie gute Wirkungen. 

In Österreich sind derzeit etwa 45 anthroposophische Ärzte tätig. Erfreulich ist, dass etwa auch im Otto-Wagner-Spital in Wien anthroposophische Medizin angeboten wird“, so Schwarz.

Was sagt die ÖÄK? „Es ist ein therapeutisches Verfahren, hinter dem eine seriöse Methode steckt. Außerdem gibt es eine qualifizierte und umfassende Ausbildung, die mit einer Prüfung abschließt“, begründet Connert das Ärztekammerdiplom „Anthroposophische Medizin“. Außerdem: Neben dem medizinischen System initiierte Steiner auch die Walddorf-Pädagogik und den dynamischen Landbau.

Gesellschaft für Anthroposophische Medizin in Österreich (GAMÖ): www.anthromed.at.


Ayurveda – Das Wissen vom Leben
Ayurveda hat seinen Ursprung in der indischen Mythologie und zielt darauf ab, die höchste Qualität an physischer, mentaler und spiritueller Gesundheit zu erreichen und zu erhalten.

Eine Ayurveda-Behandlung tut gut. Doch Ayurveda ist weit mehr: „Es ist ein ganzheitliches und sehr ausgeklügeltes Heilsystem, das auf den Säulen Prävention und Behandlung von Krankheiten fußt. Vor allem aber ist es eine umfassende Wissenschaft vom Leben“, weiß Claudia Matejovsky, Obfrau des Dachverbands der Österreichischen Ayurveda-Schulen. Das Ziel ist die optimale Gesundheit, die nur durch einen gesunden Körper und einen gesunden Geist erreicht werden kann. Eigentlich naheliegend: Wirken sich doch etwa Kreuzschmerzen auch auf die mentale Verfassung aus oder Depressionen auf den Körper.

Vorrang hat die Gesunderhaltung. Um also erst gar nicht krank zu werden, sondern vielmehr die Gesetze der Natur zu beachten und die Lebensqualität zu verbessern, stehen verschiedenste Werkzeuge zur Verfügung, so Matejovsky: „Die physische Gesundheit wird unter anderem durch eine gesunde, regelmäßige Vorrang hat die Gesunderhaltung. Um also erst gar nicht krank zu werden, sondern vielmehr die Gesetze der Natur zu beachten und die Lebensqualität zu verbessern, stehen verschiedenste Werkzeuge zur Verfügung, so Matejovsky: „Die physische Gesundheit wird unter anderem durch eine gesunde, regelmäßige Lebensweise im Alltag gemäß den Jahreszeiten erhalten. Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Im mentalen Bereich geht es um die Einhaltung ethischen Verhaltens und die Steuerung emotionaler Triebe wie Zorn, Angst und Gier.“ Lernen kann man dies etwa in Workshops, am besten unter der Leitung eines ausgebildeten Ayurveda-Praktikers. Seit der Gründung der Ayurveda Academy of Yoga in Daily Life in Wien 2004 wurden, laut Geschäftsführerin Matejovsky, 47 Lehrer in einem dreijährigen Lehrgang ausgebildet, darunter auch einige Schulmediziner.

Medizin der Selbstheilung. Die Frage nach der Ursache ist ein wesentliches Element der Ayurveda-Medizin. Um zur Diagnose zu gelangen, müssen der Patient als auch seine Krankheit eingehend evaluiert werden. Nur so kann der Ayurveda-Arzt entscheiden, welches Therapieverfahren angewendet wird. Dabei wird, grob gesagt, zwischen krankheitsbesänftigenden, reinigenden und aufbauenden Therapien unterschieden. Glücklich zeigt sich Matejovsky darüber, dass Schul- und Ayurveda-Medizin immer öfter kooperieren: „Indem Ayurveda die Selbstheilkraft stärkt, können schulmedizinische Therapien, zum Beispiel bei Krebs oder anderen chronischen Erkrankungen, leichter ertragen werden.“

Was sagt die ÖÄK? „Man muss unterscheiden zwischen der Modeströmung und der tiefgreifenden Ayurveda-Medizin, die mit einem spirituellen Weg, einer Lebensweise verbunden ist. Letztere ist in Europa erstens kaum umsetzbar und zweitens gibt es praktisch keine Ärzte dafür“, erklärt Connert. Da Ayurveda hierzulande eher im Kur- und Wellnessbereich angesiedelt ist, gibt es auch kein Kammerdiplom. Allerdings steht Connert dem Gewerbeschein, der dazu berechtigt im Gesunderhaltungs- bzw. Wohlfühlbereich zu arbeiten, eher kritisch gegenüber: „Es gibt keinerlei Regelungen bezüglich Ausbildung, Berechtigung, Haftung und somit keinerlei Schutz der Patienten.“

Dachverband der Österreichischen Ayurveda-Schulen (DVÖAS):  www.ayurveda-dachverband.at
Ayurveda Academy of Yoga in Daily Life:  www.ayurvedaacademy.org


Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Sanfte Medizin vs. Schulmedizin
Seite 2 Anthroposophie als Weg zur Erkenntnis
Seite 3 Bachs Frohnaturen
Seite 4 Osteopathie – Heilende Hand

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