Mittwoch, 23. Oktober 2019

Sanfte Medizin vs. Schulmedizin

Ausgabe 12/2011-01/2012
Seite 1 von 4
Die einen bezeichnen sie als reinen Humbug. Die anderen schwören darauf. GESÜNDER LEBEN hat sich fünf „nicht-schulmedizinische“ Methoden genauer angesehen. Und hat mit Experten – Befürwortern und Kritikern – gesprochen.

Foto: iStockphoto.com - George Mayer
Es gibt die Schulmedizin. Und es gibt die anderen: grob gesagt, Komplementärmedizin, Alternativmedizin und Naturheilkunde. Wie der Name schon sagt, beinhaltet Naturheilkunde alles, was „natürlich“ ist oder sein sollte, also etwa Schröpfen, Fastenkuren oder die Kräuterheilkunde. Wenngleich veraltet, wird der Begriff noch viel verwendet.

Als Alternativmedizin werden sämtliche Methoden bezeichnet, die nicht der Schulmedizin – darunter wird übrigens jene Medizin verstanden, die an den Universitäten gelehrt, an Spitälern und in Ordinationen praktiziert und von den Krankenkassen bezahlt wird – entsprechen. Dieses „Entweder-Oder“-Denken gilt heute allerdings als überholt.

Daher gibt es noch einen dritten Begriff: „Unter Komplementärmedizin verstehen wir in Österreich jene Methoden, die von der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) anerkannt sind“, erklärt Klaus Connert, Arzt für Allgemeinmedizin in Salzburg, unter anderem selbst Homöopath und seit 1995 Referent für Komplementärmedizin bei der ÖÄK. Komplementärmedizin entspringt primär nicht dem naturwissenschaftlichen-universitären Bereich, sondern basiert auf der Erfahrungsheilkunde der letzten Jahrhunderte. So wurde etwa das Wissen der Homöopathie über 200 Jahre, jenes der Osteopathie über 70 und das der Traditionellen Chinesischen Medizin gar über 3000 Jahre systematisch durchdacht, erfasst und in der ärztlichen Tradition weitergegeben sowie erweitert.

Anerkannte Alternativen
ÖÄK-Diplome für Komplementärmedizin gibt es für:  
  • Akupunktur
  • Anthroposophische Medizin
  • Applied Kinesiology
  • Begleitende Krebsbehandlungen
  • Chinesische Diagnostik und Arzneitherapie
  • Diagnostik und Therapie nach F.X. Mayr
  • Homöopathie
  • Manuelle Medizin
  • Neuraltherapie
  • Orthomolekulare Medizin
  • Phytotherapie

Kriterien für ein ÖÄK-Diplom:
  • Es handelt sich um eine bewährte und lange bekannte ärztliche Methode.
  • Die Methode gründet auf einem medizinisch nachvollziehbaren Ansatz, hat einen Bezug zur klinischen Medizin und stellt ein umfassendes diagnostisches sowie therapeutisches System dar.
  • Die Methode hat einen klinischen Nachweis ihrer Wirksamkeit erbracht.
  • Die Indikationen, Kontraindikationen, Risiken und Grenzen der Methode sind klar beschrieben.
  • Es gibt eine klare Abgrenzung gegenüber nichtmedizinischen Anwendungen.
  • Es gibt ein Ausbildungscurriculum von mindestens 150 Stunden theoretischer und praktischer Ausbildung, die mit einer Prüfung abgeschlossen wird. Die Dozenten sind in Österreich approbierte Ärzte (Ausnahme: Gastdozenten für bestimmte Bereiche).
  • Teilnehmer der Ausbildung sind Ärzte und Medizinstudenten der klinischen Semester. Das Diplom kann aber erst nach der ärztlichen Approbation (Facharzt, Arzt für Allgemeinmedizin) erworben werden.
  • Es gibt regelmäßige Fortbildungsangebote.


Fünf „andere“ Alternativen. Weithin bekannt und anerkannt sind etwa Homöopathie, TCM oder Akupunktur. GESÜNDER LEBEN stellt fünf andere „nicht-schulmedizinische“ Methoden vor: Zum einen die von vielen bisher unentdeckte Anthroposophische Medizin. Zum anderen Methoden, die in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebt haben, nämlich Osteopathie, Fasten nach F.X. Mayr und natürlich Ayurveda. Letztere gehört aber auch, wie die Bach-Blütentherapie, zu den eher umstrittenen Praktiken. Trotzdem: Laut Connert darf ein Arzt alle Methoden anwenden, die er beherrscht – also auch solche, die nicht unter den von der ÖÄK definierten Begriff „Komplementärmedizin“ fallen. Dies zeigt zwar, dass man hierzulande recht aufgeschlossen ist. Dennoch gibt es bis heute nur elf ÖÄK-Diplome für Komplementärmedizin (siehe Infobox). Durch genaue Richtlinien und Kriterien wolle die ÖÄK erreichen, dass ausschließlich ärztliche Komplementärmedizin auf qualitativ hohem Niveau angeboten werde: „Dies beinhaltet auch eine kontrollierte ärztliche Aus- und Fortbildung in diesen Bereichen und eine Abgrenzung gegenüber unqualifizierten nichtärzt-lichen Behandlern. Vor allem der Schutz der Patienten vor Kurpfuschern liegt der ÖÄK am Herzen.“


Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Sanfte Medizin vs. Schulmedizin
Seite 2 Anthroposophie als Weg zur Erkenntnis
Seite 3 Bachs Frohnaturen
Seite 4 Osteopathie – Heilende Hand

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