Samstag, 16. Februar 2019

Sand im Getriebe

Ausgabe 2013/05

Immer mehr Menschen leiden unter trockenen Augen. Ursachen sind häufig intensive Computerarbeit und Umweltfaktoren. Der Gang zum Augenarzt ist unbedingt angesagt!


Foto: Can Stock Photo Inc. - Anna Omelchenko

Ein brennendes Gefühl in den Augen, so als würden Sandkörner darin reiben oder Ameisen laufen, dazu ein Jucken und ein gleichzeitiges Tränen. Manche Menschen empfinden das so, als würden die Augen nicht mehr zu ihnen gehören: Das sind die typischen Symptome des Trockenen Auges – auch Sicca-Syndrom genannt.

Jeder Fünfte betroffen! Oder gar jeder Dritte? „Dabei handelt es sich um ein Krankheitsbild, das durch eine unzureichende Benetzung der Augenoberfläche mit Tränen gekennzeichnet ist“, erklärt Augenfacharzt Dr. Peter Gorka. „Internationalen Studien zufolge sind bis zu 30 Prozent aller Menschen vom Sicca-Syndrom betroffen. In Österreich leidet jeder fünfte Patient, der einen Augenarzt aufsucht, unter Benetzungsstörungen des Auges.“

Altes Problem neu entfacht. Das Problem ist übrigens von alters her bekannt, und vor allem Menschen, die in Wüstengebieten leben, wissen sich seit jeher vor dem Austrocknen der Augen zu schützen. In den letzten Jahren aber hat die Zahl der Patienten, die auch hierzulande über trockene Augen klagen, beträchtlich zugenommen und ist immer noch im Wachsen begriffen. „Die Ursachen dafür sind vielfältig und liegen zum einen in manchen Allgemeinerkrankungen, etwa auch unerkanntem Rheumatismus, der Einnahme bestimmter Medikamente, gelegentlich auch in Hauterkrankungen, und zum anderen werden steigende Umweltbelastungen, Klimaanlagen und Computerarbeit für das Zunehmen des Sicca-Syndroms verantwortlich gemacht“, so Dr. Gorka. Frauen sind übrigens überproportional häufiger betroffen, was hormonelle Gründe hat. „Vor allem das Verhältnis zwischen Gestagen und Östrogen spielt dabei eine entscheidende Rolle, weshalb es bei betroffenen Frauen oft sinnvoll ist, einen Hormonstatus erheben zu lassen“, sagt der Experte.

Trockenes Auge: Was tun?

Wenn Umweltfaktoren die Verursacher trockener Augen sind, so kann man selbst einiges dazu beitragen, die Beschwerden zu lindern.

  •  Platzieren Sie Ihren Computerbildschirm richtig. Der Abstand zwischen Bildschirm und Betrachter sollte 50 bis 70 Zentimeter betragen. Das Gerät sollte im 90-Grad-Winkel zum Fenster stehen, damit das einfallende Licht nicht blendet. Die Raumbeleuchtung darf sich nicht am Bildschirm spiegeln.
  • Blinzeln Sie bewusst. Bildschirmarbeiter sollten regelmäßig Pausen einlegen und die Erstarrung des Auges durch bewusstes Blinzeln lockern.
  • Sorgen Sie für gute Beleuchtung. Der Arbeitsplatz oder die Leseecke sollten mit einer ausreichend hellen und vor allem flimmer- und blendfreien Beleuchtung ausgestattet sein.
  • Trinken Sie ausreichend. Die allgemein empfohlene Trinkmenge von 1,5 bis 2 Litern Wasser tut auch den Augen gut.
  • Meiden Sie Zugluft. Die Zugluft, die zum Beispiel von Klimaanlagen oder Autogebläsen ausgeht, beschleunigt die Verdunstung der Tränenflüssigkeit und trägt so zum Austrocknen des Auges bei.
  • Erhöhen Sie die Luftfeuchtigkeit. Achten Sie dabei auf eine gute Qualität von Luftbefeuchtern.
  • Entlasten Sie Ihre Augen immer wieder zwischendurch. Auch die Augen brauchen Entspannung.

Das Problem und die Folgen. Hervorgerufen wird das Problem übrigens durch eine Verminderung der Tränenmenge oder eine veränderte Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit. Die Augenoberfläche wird dadurch nicht mehr ausreichend befeuchtet, und: Reißt der Tränenfilm, der das Auge wie ein Schutzschild überzieht, auf, so sind Bakterien und Viren, die schmerzhafte Entzündungen auslösen können, Tür und Tor geöffnet. Im schlimmsten Fall – wenn die Austrocknung des Auges fortschreitet – kann es zu einer Hornhauttrübung kommen, die das Sehvermögen deutlich beeinträchtigen kann. Der rechtzeitige Besuch beim Augenarzt ist also dringend angeraten.

Faszinierender Tränenfilm. Das menschliche Auge ist eben hochkomplex, funktioniert wie eine Hochleistungskamera und ist daher ebenso anfällig für Störungen. Und auch der Tränenfilm ist viel komplizierter aufgebaut, als man vermuten möchte. Der eindrucksvollste Beweis: Trotz allen medizinischen und technischen Fortschritts ist es bislang nicht gelungen, die menschliche Träne im Labor (also künstlich) absolut identisch zur natürlichen Träne nachzuahmen. Die Funktionen des Tränenfilms aber sind bekannt: Er dient zur Benetzung, als Feuchtigkeitsspender, reinigt von Staub und Pollen, ernährt das umliegende Gewebe und wehrt Krankheitserreger ab.

Vorsicht vor Selbsttherapie! Was die Therapie des Sicca-Syndroms betrifft, so raten die Experten von einer Selbstmedikation bzw. Hausmitteln dringend ab. „Vor jeder Therapie sollte ein Facharzt eine präzise Diagnose anstreben“, so Dr. Gorka. „Dem Augenarzt stehen unterschiedlichste Möglichkeiten und Hilfsmittel zur Verfügung, die wichtige Hinweise zur Erkennung der Ursache und des Schweregrades der Tränenfilmstörung liefern. Gleichzeitig kann eine Abgrenzung zu anderen Erkrankungen der Binde- und Hornhaut gezogen werden.“ Wer allzu lange nicht zum Arzt geht, riskiert, so der Experte, überdies, dass sich Vernarbungen am Auge bilden.

Künstliche Tränen. Der Augenarzt kann nach einer gründlichen medizinischen Abklärung eine symptomatische Therapie mit sogenannten Tränenersatzmitteln durchführen. Oft werden dabei mehrere Substanzen in einem Präparat gemischt, um die Bandbreite und Wirksamkeit zu erhöhen. Zu den heute weltweit am häufigsten verwendeten Substanzen gehört die künstlich hergestellte, hochgereinigte Hyaluronsäure, doch es gibt noch zahlreiche andere Therapieformen – unter anderem werden auch Präparate auf pflanzlicher Basis eingesetzt, die ebenfalls sehr gut wirken können. „Wichtig ist immer auch die Testung der individuellen Wirksamkeit“, betont Dr. Gorka, und: „Das Problem Trockenes Auge sollte man wirklich nicht auf die leichte Schulter nehmen!“

 

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