Sagen Sie "Nein" zum Stress

Ausgabe 04/2009
Fast jeder von uns leidet in der heutigen Zeit an Stress. Doch wann ist Stress schädlich? Und lässt er sich auch positiv nutzen? Gesünder Leben hat bei Stressforscher Prof. Sepp Porta nachgefragt.

Foto: Andres Rodriguez - fotolia.com
Auf die Frage „Wie geht es dir?“ hört man häufig: „Bin im Stress!“ Das gehört fast schon zum guten Ton. Uns sind Menschen, die einfach sagen „Gut, alles okay, kein Stress!“ ja fast schon suspekt. Was ist mit dem los? Ist er nicht ambitioniert genug, gar faul? Vielleicht kann er nur besser abschalten, sich Freiräume schaffen. Dass man im Job mit Stress belastet ist, weiß jeder. Doch das Merkwürdige an unserer heutigen Zeit ist die Tatsache, dass wir auch in unserer Freizeit Stress haben. Wir stopfen viel zu viele Termine in unsere freien Tage und hasten dann von einem Event zum nächsten. Das ist wohl mit dem Überangebot an Freizeitaktivitäten zu erklären. Wir wollen nichts versäumen und, wie schon der Volksmund sagt, „auf hunderten Kirtagen“ gleichzeitig tanzen.

Was ist Stress?
Viele Errungenschaften, die uns eigentlich unser Leben erleichten sollten, tun es bei genauerer Betrachtung nicht, im Gegenteil. Das Handy lässt uns überall erreichbar sein – da kann schon mal ein später Anruf vom Chef wegen der morgigen Termine den Abend trüben. Mein PC war kürzlich für  zwei Tage außer Gefecht und ich merkte plötzlich eine seltsame Entspannung. Ich checkte nicht stündlich meine Mails und kam dadurch nicht in den üblichen Stress. Es fühlte sich fast schon an wie Urlaub!

Aber was ist Stress eigentlich genau? Das kann uns Universitätsprofessor Dr. Sepp Porta sehr gut erklären. Er veröffentlichte kürzlich das Buch „Stress positiv nutzen – Burnout besiegen“ und beschäftigt sich in seinem Stresszentrum in Bad- Radkersburg auch praktisch mit diesem Phänomen. „Stressmessungen waren eigentlich immer eine Domäne der Psychologen“, weiß Porta, „denn mit Fragebögen lässt sich leicht herausfinden, ob jemand an Stress leidet oder nicht.“ Will man aber Stress im Körper tatsächlich messen, wird die Sache schon schwieriger. Doch Stressforscher Porta hat entsprechende Messverfahren entwickelt: „Jede Reaktion auf Belastung – auch auf psychische Belastung – schlägt sich auf den Stoffwechsel. Das Herz schlägt schneller, wir brauchen mehr Zucker, Kompensationssysteme im Blut werden beansprucht. Dazu kommen massive Mineralstoffverschiebungen, um Muskeln und Drüsen für Aktionen bereit zu stellen – all das ist messbar.“

Das Blut verrät den stress
Stress entsteht durch ein kompliziertes Wechselspiel verschiedener Hormone. Für rasche Aktionen fordert das Gehirn Zucker. Das klingt einfach, aber der Nachweis dieses Prozesses ist extrem zeitaufwendig und schwierig. Deshalb misst Experte Porta auch die Effekte, die durch Stress produziert werden. So steigen z.B. die Lactatwerte und die Atmung wird beschleunigt. Auch das Blut gibt den Wissenschaftlern Aufschluss darüber, ob der Mensch an Stress leidet. Mit Hilfe eines computerunterstützten Mustererkennungssystems ist dies möglich..

Magnesium – der stresskiller
Wenn es unter Stress im Körper messbare Veränderungen gibt, womit kann man sich dann in Stresssituationen helfen? „Magnesium“, raten Wissenschafter. Denn wenn bei Stress die Hormone in die Blutbahn ausgeschüttet werden, dann wird Magnesium aus den Körperzellen gedrängt. Das ist schlecht für Herz und Kreislauf. Also muss es wieder zugeführt werden. Instinktiv greifen viele von uns in Stressmomenten zu Schokolade. Für Stressforscher kein Wunder, denn Kakao enthält große Mengen dieses Mineralstoff es. So hat besonders dunkle Schokolade eine stressdämmende Wirkung. Wer sich gesünder gegen Stress wappnen will, der greift zu Bananen, Mandeln oder Kürbiskernen – auch hier fi ndet sich Magnesium.

Zusätzlich hilft Bewegung, z.B. Laufen und Skaten, gegen Stress. Sie senkt den Blutzuckerspiegel, der durch die Stresshormone aus dem Gleichgewicht gekommen ist.

Es liegt auch an uns
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis ist laut Porta: „Stress wird zwar so defi niert, als würde er eine Belastung sein, die von außen einwirkt. In Wirklichkeit ist er aber eine ganz persönliche, individuelle Antwort auf Belastung und diese können wir selbst steuern.“ Beispielsweise kann die gleiche Belastung bei zwei Personen völlig unterschiedlichen Stress, also eine völlig andere Reaktion hervorrufen. Wenn wir daher die Antwort auf unangenehme Reize einfach „verweigern“, uns nicht stressen lassen, dann können wir dem Stress ein Schnippchen schlagen. Leichter gesagt als getan? Mit ein wenig Training lässt sich das aber erlernen! Porta: „Kultivieren Sie Selbstzentriertheit, Wurschtigkeitsgefühl und Schlafbedürfnis in kleinen Mengen – bevor es der Körper im Übermaß fordert.“


BUCHTIPP:
Stress positiv nutzen – Burnout besiegen, Sepp Porta und Michael Hlatky, Verlagshaus der Ärzte, € 14,90
© Gesünder Leben Verlags GsmbH.