Donnerstag, 23. Mai 2019

Rückenschmerzen müssen nicht sein!

Ausgabe 2018.10
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80% Prozent aller Rückenschmerzen sind auf eine verspannte Muskulatur zurückzuführen. Kommt noch Übergewicht dazu, ist der Rücken besonders gefährdet.


Foto: iStock-PeopleImages

Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit: In Österreich klagt beinahe jeder Zweite über Verspannungen und Schmerzen im Rücken. Woran liegt es? Was kann man dagegen tun? Und wann sollte man einen Arzt aufsuchen? Wir sprachen dazu mit Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer, führender Rückenexperte Deutschlands (und Bruder des berühmten Sängers Herbert Grönemeyer!) sowie Verfasser zahlreicher Medizin-Beststeller. Grönemeyers Ansatz: Das Teamwork der verschiedenen medizinischen Disziplinen sowie die ganzheitliche Wahrnehmung von Körper, Seele und Geist.

Woran liegt es, dass in den vergangenen Jahren die Anzahl der Rückenschmerz-Patienten zugenommen hat?
Die WHO hat gerade in einer aktuellen Studie hervorgehoben, dass sich Männer und Frauen viel zu wenig bewegen! Das ist eine der entscheidenden Ursachen. Etwa 80 Prozent aller Rückenschmerzen sind auf eine verspannte Muskulatur zurückzuführen. Kommt noch Übergewicht dazu, ist der Rücken besonders gefährdet. Nicht übersehen darf man aber auch den Zusammenhang mit der Psyche: Der Rücken muss alles „tragen“, so auch Stress und seelische Belastungen. Wer unter Dauerbelastung steht, zieht instinktiv die Schultern hoch. Aber diese Körperhaltung bremst die Beweglichkeit des Brustkorbs. Die Drehbewegungen zwischen Hüfte und Schultern werden immer anstrengender, bis es richtig wehtut. Weitere Schmerzursachen können eingeklemmte Nerven, verschobene Bandscheiben und einseitige Belastungen sein sowie Verrenkungen durch Unfälle. Etwa zehn Prozent der Rückenschmerzen sind auf Blockaden oder Verschleiß der Wirbelgelenke und nur drei bis vier Prozent auf Veränderungen der Bandscheiben zurückzuführen.

Buchtipp

buch1Mein großes Rückenbuch: Wie Sie Ihren Schmerz besiegen

Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer

240 Seiten, € 24,99, ZS Verlag München

Ab wann sollte man bei Rückenschmerzen den Arzt aufsuchen?
In vielen Fällen von Rückenschmerzen handelt es sich um Verspannung einzelner Faszien oder Muskeln. Bewegung, Massagen, lokale Kältekompressen oder eine heiße Dusche helfen häufig. Leichte Schmerzmittel wie Weidenrinde oder Ibuprofen in niedriger Dosierung können sinnvoll sein, weil sie helfen, weiter beweglich zu bleiben. Länger als einige Tage sollte man solche Medikamente aber nicht einnehmen. Wer länger Schmerzen hat, nimmt eine Schonhaltung ein, was wiederum zu einer Zunahme der Verspannung führt. Dann sollten Sie auch einen Arzt aufsuchen. Die Medikamenteneinnahme sollen Sie mit Ihrem Arzt besprechen. Sofortige ärztliche Hilfe benötigt man, wenn Körperhaltung oder Bewegungen nichts am Grad oder an der Lokalisation der Schmerzen ändern oder diese stärker werden. Auch akute Muskelschwäche, Verdauungsprobleme, Störungen beim Wasserlassen und Fieber sowie ein Taubheitsgefühl sollten Sie sofort abklären lassen.

Die Behandlung von Rückenschmerzen ist vielfältig. Trotzdem: Was sind die wichtigsten Grundpfeiler der Behandlung?
Generell sollte man sich von leichten zu schweren Therapieansätzen vorarbeiten. Es also zunächst mit Bewegung, Wärmetherapie –, z. B. Moorpackungen – Massagen oder Schmerzmitteln probieren. Bei unklaren Fällen ziehe ich immer einen Neurologen zurate. Mit der elektrischen Nerven- und Muskeluntersuchung kann er gut herausfinden, ob ein Nerv belastet ist. Mit diesem ambulanten Verfahren der Mikrotherapie kann in sehr vielen Fällen geholfen werden. Bei chronischen Rückenschmerzen ist aufgrund der vielfältigen möglichen Ursachen eine Analyse durch ein interdisziplinäres Ärzteteam sehr wichtig. Je nach Diagnose ergibt sich dann ein individueller Therapieansatz. Die Operation steht ganz am Ende, Notfallsituationen ausgenommen.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Rückenschmerzen müssen nicht sein!
Seite 2 Rückenschmerzen im Büro?

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