Mittwoch, 18. September 2019

Rheuma – Kampf dem Schmerz

Ausgabe 12/2011-01/2012
Seite 1 von 2
Zwei Millionen Österreicher leiden unter rheumatischen Erkrankungen. Rechtzeitige Behandlung ist das Um und Auf bei dieser Volkskrankheit, die mehr als 400 Erscheinungsformen hat.

Foto: iStockphoto.com - Raycat
Was man sich nicht erklären kann, sieht man für Rheumatismus an“, formulierte einst Wilhelm Busch mit spitzer Feder, und tatsächlich ist „Rheuma“ auch heute noch ein Beschwerdebild mit tausend Gesichtern. „Wir rechnen derzeit etwa 400 verschiedene Diagnosen zum Formenkreis der rheumatischen Erkrankungen, die sich nur zum Teil ähneln“, erklärt  Prim. Doz. Dr. Burkhard Leeb, Vorstand der 1. und 2. Medizinischen Abteilung des Landesklinikum Weinviertel Stockerau, NÖ, Kompetenzzentrum für Rheumatologie.

Grundsätzlich unterscheidet die Fachwelt die große Gruppe der Erkrankungen, die auf chronisch entzündliche Selbstzerstörungsprozesse im Sinne einer Autoimmunerkrankung zurückzuführen sind, weiters jene, denen vor allem ein Verschleißprozess zugrunde liegt, und schließlich weichteilrheumatische Erkrankungen, die den Bereich um die Gelenke – also Muskeln, Sehnen, Bänder, Bindegewebe – betreffen.

Früherkennung ist das Wichtigste. Rheuma ist – das muss man leider sagen – mit einigen Ausnahmen nicht heilbar, aber was den Verlauf all dieser Erkrankungen entscheidend positiv beeinflussen kann, ist eine möglichst frühzeitige Diagnose. „Früherkennung ist extrem wichtig“, betont Leeb, „denn je früher die Behandlung einsetzt, desto besser sind die Aussichten, mit geringerem Medikamenteneinsatz gute Erfolge zu erzielen.“ Diese Früherkennung liegt idealerweise in den Händen eines erfahrenen Rheumatologen, denn aufgrund der vielen verschiedenen Krankheitsformen von Rheuma kommt es darauf an, für jeden Betroffenen einen individuellen Mix aus Medikamenten und Maßnahmen zusammenzustellen, der auch regelmäßig kontrolliert werden muss. Rheumatologe Leeb dazu: „Die Ziele der Behandlung sind in jedem Fall die Schmerzstillung, die Reduktion von Entzündungen und der Erhalt der Funktionen und Beweglichkeit der betroffenen Körperteile.“

Maßgeschneiderte Hilfe. Um das zu erreichen, werden in der klassischen Rheumatherapie vor allem die nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) sowie Kortison eingesetzt. NSAR werden bei allen rheumatischen Erkrankungen verwendet, denn sie wirken schmerz- und entzündungshemmend sowie teilweise auch fiebersenkend. Kortison wirkt generell am stärksten entzündungshemmend und ist daher bei der Behandlung von entzündlich rheumatischen Erkrankungen zumindest zeitweise unerlässlich. Eine Schlüsselrolle in der Therapie entzündlich rheumatischer Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis spielen auch die so genannten Basistherapeutika, die den Entzündungsprozess in den betroffenen Gelenken zurückdrängen sollen und die, anders als NSAR, nicht nur gegen die Symptome der Entzündung, sondern auch ursächlich wirken – allerdings erst nach längerer Zeit der kontinuierlichen Behandlung.

Information und Hilfe im Internet
Gesellschaft der österreichischen Rheumatologen: www.rheumatologie.at
Rheumaservice „Frei bewegen“ der Österreichischen Rheumaliga: www.rheumaliga.at
E-Mail-Antwortservice von Experten: www.rheuma-online.at


Neue Medikamente geben Hoffnung. Im Kampf gegen entzündliche rheumatische Erkrankungen hat die Forschung in letzter Zeit große Erfolge erzielt und wichtige Medikamentenneuerungen hervorgebracht. So bieten etwa so genannte TNF-alpha-Blocker neue Hoffnung für viele Rheumabetroffene, denn „diese Eiweißkörper hemmen den entzündungsfördernden körpereigenen Botenstoff TNF-alpha, der etwa im Gelenk von Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis stark erhöht ist“, so Leeb, der auch darauf hinweist, dass viele so Behandelte weitgehend frei von Schmerzen sind, Alltägliches wieder selbst bewältigen, arbeiten und Sport treiben können.

Neben  diesen Medikamenten stehen den Medizinern heute auch ein Hemmstoff für den entzündungsfördernden Botenstoff Interleukin-6, Antikörper gegen B-Zellen (spezielle weiße Blutkörperchen) und Co-Stimulationsblocker, die eine andere Gruppe weißer Blutkörperchen inaktivieren, zur Verfügung. Und: Die Forschung arbeitet kontinuierlich an neuen Entwicklungen.

Mit Rheuma gut leben. Was neben den heute sehr gut wirksamen Medikamenten bei den meisten rheumatischen Erkrankungen noch eine große Rolle spielt, sind körperliches Training, physikalische Therapie und Heilgymnastik. Und auch bei Rheuma spielt die richtige und bewusste Ernährung eine große Rolle. Die oft zitierte Rheumadiät gibt es zwar nicht, aber man sollte die allgemeinen Richtlinien des gesunden Essens einhalten und vor allem auf Fett und gesättigte Fettsäuren, die es dem Körper leicht machen, Entzündungen herzustellen, verzichten.

Vor allem aber geht es darum, mit der Krankheit und nicht für sie zu leben. Leeb: „Akzeptieren Sie ,Ihr Rheuma‘ als eine chronische Krankheit, die der steten Betreuung bedarf, aber nicht Ihren Lebensinhalt darstellt. Hängen Sie sie wie einen Mantel in den Schrank, den Sie öffnen und schließen können.“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Rheuma – Kampf dem Schmerz
Seite 2 Die wichtigsten rheumatischen Erkrankungen und ihre Behandlung

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