Sonntag, 29. März 2020

Rheuma, Gicht, Arthrose: Was hilfthilft wirklich? - Rheumatoide Arthritis

Ausgabe 10.2018
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Rheumatoide Arthritis – ein großes Problem
Keinesfalls zu spaßen ist hingegen mit chronisch-entzündlichen rheumatischen Erkrankungen. „Die häufigste Krankheitsform ist die sogenannte rheumatoide Arthritis, auch bekannt als Polyarthritis. Sie hat nichts mit einer Alterserscheinung zu tun und kann ebenso wenig mit spezieller Ernährung positiv oder negativ beeinflusst werden. In seltenen Fällen können bereits kleine Kinder davon betroffen sein. Man geht davon aus, dass die Ursache eine Überreaktion des Immunsystems ist, welches die Gelenkshaut des eigenen Körpers fälschlicherweise als Eindringling wahrnimmt, bekämpfen will und dadurch eine Entzündung auslöst“, erklärt Graninger. Weshalb es zu dieser Falschinterpretation des Immunsystems kommt, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt. Ob die Krankheit vererbbar ist, ist ebenfalls noch unklar.
Wird nicht behandelt, können Knochen und Knorpel dauerhaft zerstört werden. Um das zu verhindern, muss man erste Symptome rechtzeitig erkennen. Graninger: „Ein frühes Anzeichen ist, dass Finger oder Zehen gleich nach dem Wachwerden unbeweglich sind. Diese Morgensteifigkeit hält länger als eine halbe Stunde an. Die Betroffenen haben in dieser Zeit beispielsweise Probleme, eine Faust zu bilden. Des Weiteren ist auffällig, dass der Schmerz stets parallel in den Gelenken auftritt. Es ist nämlich niemals nur eine Hand, ein Arm oder ein Knöchel betroffen, sondern immer beide, links und rechts, gleichzeitig. Derlei Beschwerden dauern mindestens sechs Wochen an.“ Außerdem können Entzündungswerte und spezielle Rheuma-Marker im Blut erhöht sein. Vermutet man letztlich, dass man an chronischen rheumatischen Entzündungen leidet, dann sollte man nicht unnötig Zeit verstreichen lassen, sondern umgehend einen Rheumatologen aufsuchen.

Checkliste vor dem Arztbesuch
Im Zuge der Anamnese versucht der Arzt, detailliert die Beschwerden zu dokumentieren, um eine genaue Diagnose stellen zu können. Dafür ist es ratsam, sich bereits zu Hause den genauen Verlauf der Schmerzen und der Bewegungseinschränkungen zu notieren und sich selbst Fragen zu stellen, wie:

  • Zu welcher Tageszeit treten welche Anzeichen auf?
  • Wie häufig wiederholen sie sich?
  • Wie lange dauern sie an?
  • Gibt es etwas, das für Besserung sorgt, wie etwa eine heiße Dusche oder umgekehrt Kühlung?

 

Nach dem Arzt-Patienten-Gespräch überprüft der Rheumatologe die Beweglichkeit eines jeden Gelenkes. Zusätzlich können Knochendichtemessungen, Blutlabor, Röntgen, Ultraschall, Computer- oder Magnetresonanztomografie für weitere Klarheit sorgen. Lautet die Diagnose schließlich eindeutig rheumatoide Arthritis, dann gilt es, zügig mit der passenden Therapie zu starten. Denn, eines muss einem leider bewusst sein: Chronische Rheumaerkrankungen kann man nicht heilen, bloß erträglicher machen und Folgeschäden eindämmen. Genau das macht die moderne Medizin glücklicherweise möglich. Starke, kortisonfreie Rheumaschmerzmittel helfen in Extremmomenten, bereits in wenigen Minuten das Leid zu verringern und Schwellungen zu reduzieren. Auf Dauer schädigen sie jedoch den Magen. Kortisonpräparate wirken hingegen intensiver und sind die stärksten Entzündungshemmer, die es zu erwerben gibt. Zudem vermindern sie die Gelenkszerstörung. Da medikamentös zugeführtes Kortison jedoch auf unseren Hormonhaushalt wirkt und bei Langzeiteinnahme die Knochendichte senkt sowie Organe zerstört, wird es bloß als Intensivtherapie von ein bis drei Wochen empfohlen. In dieser Zeitspanne entpuppt es sich aber für gewöhnlich als ein wahres Wundermittel, das viele Patienten nicht missen wollen.

Das Immunsystem wird ausgetrickst
Als Basistherapie kommen sogenannte Immunmodulatoren zum Einsatz, die, wie der Name bereits vermuten lässt, das Immunsystem so beeinflussen, dass es sich nicht mehr so extrem gegen den eigenen Körper richtet – man spricht auch vom Dämpfen der Immunabwehr. Hier gibt es unterschiedliche Wirkmechanismen, und je nachdem, in welchem Stadium sich der Patient befindet, wird der Arzt eben das eine oder das andere Präparat verschreiben. Es gibt solche, die man eigenständig als Tablette schluckt, und solche, die man mehrmals pro Monat als Injektion verabreicht (Biologika). Diese kostbaren Medikamente hemmen die Botenstoffe der Entzündungen, ganz neue Tabletten sogar mehrere Entzündungsfaktoren gleichzeitig. So können Schmerzen fast gänzlich unterdrückt und der weitere Knochen- und Knorpelabbau gestoppt werden. Der Nachteil ist jedoch, dass durch die Immunmodulatoren das gesamte körpereigene Abwehrsystem leicht  geschwächt wird. Im Zuge der normalerweise fünf Jahre andauernden Basistherapie-Behandlung ist man demnach statistisch gesehen etwas anfälliger für Infektionen aller Art. „Wer also Immunmodulatoren einnimmt, der sollte versuchen, Krankheitserregern erst gar keine Chance zu geben. Regelmäßig die Hände mit Seife waschen, den Haushalt möglichst rein halten, sich in der Kälteperiode warm anziehen und Händedruck sowie große Menschenmassen in der Grippezeit meiden – das sind nur ein paar Tipps, die ich hier geben kann“, so Fachmann Graninger.

Soziale Kontakte, Bewegung und gute Ernährung
Wie in allen Gesundheitsbelangen ist es selbstverständlich empfehlenswert, sich ausgewogen zu ernähren und weiterhin in Bewegung zu bleiben. Moderater Ausdauersport, wie Wandern, Walken oder Schwimmen, hält den Körper und die Gelenke so fit wie möglich. Auch starkes Übergewicht sollte vermieden werden, da dadurch das Körperskelett noch stärker in Mitleidenschaft gezogen wird. Andererseits ist auch ein Magerwahn nicht ratsam, da Fettreserven für ein funktionierendes Immunsystem unerlässlich sind. Einige Rheumapatienten neigen letztlich dazu, sich vermehrt zurückzuziehen und ein Einsiedlerdasein zu führen, aus Angst vor ihren Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Selbsthilfegruppen und Gespräche mit Psychologen können in schweren Momenten helfen, mit der Situation umzugehen, und zeigen einem, dass man nicht alleine ist.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Rheuma, Gicht, Arthrose: Was hilfthilft wirklich?
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