Donnerstag, 21. Februar 2019

Raus in den Garten!

Ausgabe 05.2015
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GESÜNDER LEBEN zeigt, warum Gartenarbeit gut für Gesundheit und Wohlbefinden ist. Und verrät Tricks, wie Sie dabei Rücken und Gelenke schonen können.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - 4774344sean

Meine Großtante Rosa hatte zwar keinen Garten, aber ein Faible für englischen Rasen. Ich habe einen Garten UND einen englischen Rasen. Unkrautfrei. Wie sich das so gehört. Damit Gänseblümchen, Löwenzahn, Breitwegerich und andere Invasoren mir den prachtvollen Rasen nicht ruinieren, bin ich ständig am Rupfen. Gehegt und gepflegt werden will auch der (ziemlich überdimensionierte!) Gemüsegarten, und die Blumen in den Beeten haben es auch nicht gerne, wenn sie von „Unkraut“ überwuchert werden. Mein grünes Paradies macht ungeheuer viel Arbeit, aber da ich es liebe rumzubuddeln und nichts dagegen hätte, tagein, tagaus im Garten zu rackern, stehen nicht die Mühe und die doch immer wieder auftretenden Rückenschmerzen, sondern der Spaß und die Freude und mehr noch die Zufriedenheit und das Glück im Vordergrund. Und vor allem: Bei mir wird alles händisch erledigt. Alles bio. Alles ohne Pestizide oder andere Grauslichkeiten.

Die positiven Effekte der Gartenarbeit

Gartenarbeit …

• vermindert die Gefahr von Erkrankungen wie Diabetes, Depressionen, Herzkrankheiten
• hat positive Auswirkung auf Arthritis, Osteoporose, Übergewicht
• beschleunigt den Heilungsprozess nach Krankheiten und Unfällen
• steigert die Konzentrationsfähigkeit
• hilft bei der Entspannung
• hilft beim Aufbau von Distanz zu stressfördernden Lebens- und Arbeitsumständen
• setzt Impulse für eine gesunde Ernährung
• bringt Erfolgserlebnisse, die das Selbstwertgefühl steigern
• erhöht die Kreativität
• steigert die Achtsamkeit gegenüber anderen und der Natur
• hilft bei der Entwicklung von Verantwortungsgefühl
(Quelle: Ing. Mag. Dr. Thomas Haase)

Der Garten hat eine heilsame Wirkung. Wie aus der Erholungsforschung bekannt ist, erholt sich der Mensch nicht nur beim Nichtstun, sondern auch bei Aktivitäten, die Freude machen. Allen voran bei solchen, die in der Natur stattfinden. „Pflanzen und Gärten haben für Menschen unterschiedliche Funktionen, aber für alle ist der Garten ein Zufluchtsort, ein Refugium“, sagt Ing. Mag. Dr. Thomas Haase, Rektor der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien. „Die Farbe Grün hat eine entspannende und heilsame Wirkung, sie wird mit Meditation, Entspannung, Gleichgewicht, Trost sowie Frieden verbunden. Und: Nachweislich helfen Pflanzen und der Garten zum Entspannen und Krafttanken. Die wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen Natur und Mensch wirken auf uns und tragen zur Lebensqualität bei. Je weiter die Natur von uns weg ist“, erklärt Haase, der auch Vorstand der IGGT (Internationale Gesellschaft für Garten und Therapie) ist, „desto schwieriger sind aber die Interaktionsmöglichkeiten.“ Reichen auch einige Pflänzchen am Balkon, um einen Gesundheitseffekt festzustellen? „Ja, nicht die Größe des Gartens ist von Bedeutung, sondern der Kontakt mit der Natur. Ebenfalls wissenschaftlich dokumentiert ist“, so Haase weiter, „dass das Aufstellen von Pflanzen am Arbeitsplatz nicht nur die Arbeitsatmosphäre verbessert, sondern auch als Burn-out-Prophylaxe wirkt.“

Buddeln im Garten macht glücklich. In unserer Gesellschaft, in der vor allem Leistung zählt, ist es wichtig, (zumindest) in der Freizeit das zu tun, was einem ausschließlich Freude bereitet. Und: In einer hochtechnisierten Welt scheint das Bedürfnis des Menschen, selbst etwas zu gestalten, handwerklich zu arbeiten (sei es in der Küche, beim Selberbauen von Möbeln oder auch im Garten) oder viel Zeit in der Natur zu verbringen, immer größere Bedeutung zu bekommen. Die direkte Verbindung mit der Natur, wie sie durch das Garteln zwangsläufig entsteht, bringt den Menschen auf den Boden, erdet ihn und tut der Seele gut – und macht glücklich. So konnte in einer Studie nachgewiesen werden, dass sich der Aufenthalt und die Arbeit im Garten signifikant positiv auf das psychische Wohlbefinden und auf die allgemeine Gesundheit auswirken.

Der Garten als Stressfaktor. Die Verfasserin dieser Studie, Gesundheitspsychologin Ass.-Prof. Ing. Dr. Renate Cer-vinka vom Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien: „Für die subjektive Gesundheit spielt es eine wichtige Rolle, wie der Garten erlebt wird. Wenn der Garten eher eine Last bedeutet und die viele Arbeit, die dahintersteckt, als Belastung und als weiterer Stressfaktor des Lebens empfunden wird, dann stehen natürlich die negativen Aspekte im Vordergrund und die positiven können nicht mehr wirken.“ Menschen, die sich an ihrem Garten nicht erfreuen und ihn nicht genießen können, sollten, so die Psychologin, „einfach einmal darüber nachdenken, was sie verändern könnten, was den Garten weniger arbeitsintensiv machen würde, was ihnen wieder Freude und Spaß bringen könnte.“ Denn: „Auch heute noch, wo der Garten für viele Menschen ein individuell gestaltetes Stück Freiraum bedeutet, hat er einen repräsentativen Zweck: als Visitenkarte des Hauses.“ Und das Haus – sagen wir so – lässt man ja auch nicht verkommen, nur weil einem die Lust am Putzen fehlt.

Der Garten lebt mit den Nutzern. Auch Menschen, die eine positive Beziehung zu ihrem Garten haben, die Freude an der Gestaltung ihres eigenen naturnahen Raumes haben, wissen um die Mühe, die man aufbringen muss und die Verantwortung, die man trägt, denn, so Expertin Cervinka „der Mensch hat auch zum Garten eine Beziehung, die ähnlich wie die zu einem Menschen oder einem Tier gepflegt werden will. Und wie jede Beziehung ist auch die zum Garten, zur Natur nicht nur mit Freude, Sonnenschein und Wärme verbunden.“ Die wichtigsten Ergebnisse aus der jahrelangen psychologischen Forschung der Wissenschafterin: „Für die subjektive Gesundheit spielt es eine wichtige Rolle, diese Beziehung zum Garten positiv zu gestalten.“ Die Beziehung zu meinem Garten ist jedenfalls intakt: Mein Garten hat eine Geschichte mit mir, lebt mit mir als Nutzerin, hat eine Identität – und macht mich glücklich.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Raus in den Garten!
Seite 2 Interview

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