Sonntag, 16. Juni 2019

Rauchstopp mit Genuss

Ausgabe 05/2011

Die Methoden der Raucherentwöhnung sind in etwa so zahlreich wie die Zigarettensorten, ihre Erfolge aber eher bescheiden. Eine von einer Grazer Psychologin entwickelte Therapieform beansprucht für sich, das erfolgreichste Rauchstopp-Programm weltweit zu sein. Was steckt dahinter?


Foto: istockphoto.com - Vesna Andjic

 Psychodynamisches Modelltraining (PDM) heißt das Therapiekonzept, das die Grazer Gesundheitspsychologin Dr. Ursula Grohs im Jahr 2004 entwickelt hat. Initialzündung dafür waren Beobachtungen bei ihrer Arbeit als Kindertherapeutin, die ihr geholfen haben, „schwierige" Kinder und ihre Eltern zu Änderungen ihres Verhaltens zu motivieren. Dabei kam die findige Psychologin auf die Idee, sich mit ihren eigenen Methoden das Rauchen abzugewöhnen. Und das ist ihr nicht nur bestens bei sich selbst gelungen – mittlerweile haben 2.500 Raucherinnen und Raucher ihr Programm absolviert, die Erfolgs­quote, ein Jahr danach noch immer rauchfrei zu sein, beträgt stattliche 39 %.

Damit toppt Grohs mühelos die Erfolgsquoten aller gängigen anderen Verfahren, denen sich Rauchstopp-Willige mit mehr oder weniger großen Mühen unterziehen. Bis zu fünf ernsthafte Versuche braucht ein Raucher durchschnittlich, bis er eine reale Chance auf andauernde Abstinenz hat. Das ist allerdings keineswegs ein Zeichen von Schwäche, sagen Suchtforscher, denn die Nikotinabhängigkeit ist eine der stärksten Süchte. Wenn Sie wissen wollen, wo Sie selbst stehen, empfehlen wir Ihnen den Test auf der Nebenseite.

International werden derzeit beste Ergebnisse mit der Kombination aus Beratung, Verhaltenstherapie und Niko­tinersatzpräparaten erzielt – aber auch hier sind die Resultate mit maximal 23 Prozent langfristiger Rauchabstinenz vergleichsweise bescheiden. Grohs’ Programm hat aber durchaus seine Kritiker, denn dass eine Methode, die auf einem rein psychologischen Ansatz beruht, in der Raucherentwöhnung solche Erfolgsraten erzielt, stößt auf Unverständnis und entspricht auch nicht der sonst international publizierten Literatur.

 

Die Resultate sind dennoch verblüffend, Gesünder Leben hat genauer nachgefragt:

  • Frau Dr. Grohs, „Psychodynamisches Modelltraining“ ist ein komplizierter Begriff, lässt er sich einfach erklären?

Das Ziel ist eine Verhaltensänderung, die über eine Wirkung auf das sogenannte limbische System erreicht wird. PDM löst Entspannungsreaktionen im Körper aus, die das Glückszentrum im limbischen System gleichsam einschalten. Dabei wird Stress reduziert und man hört auf zu rauchen. Da das menschliche Verhalten ganz unbewusst gesteuert wird, setzen wir dort an, denn es hat wenig Sinn, Handlungen über Disziplin und reine Verhaltensregeln verändern zu wollen.

  • Suchtforscher Prof. Gerald Zernig sagt, die PDM-Methode sei die leidenfreiste Psychotherapie, die er kenne, auffallend sei der absolut positive Zugang.

Ja, ich gehe rein lösungsorientiert vor, es werden nicht Befindlichkeiten und persönliche Umstände hinterfragt, sondern meine Teilnehmer bekommen gleich das nötige Werkzeug in die Hand, um die Entzugserscheinungen, die beim Rauchstopp auftreten, zu verhindern. Es ist also keine übliche Therapie, sondern eine Einschulung in Wellness-Anwendungen für das limbische System und das ist sehr lustvoll.

  • Wie kann man sich das genauer vorstellen, was passiert bei Ihren Seminaren?

Die Besucher werden einen Tag lang wie bei einem Diavortrag durch das Programm geführt. Sie lernen dabei autosuggestive Techniken, welche durch Bilder und Signale ans Gehirn jene Lücken füllen, die im Belohnungszentrum durch die Entwöhnung entstehen. Ziel ist, dass das Gehirn schlussendlich fähig ist, auf Knopfdruck jene Glücksbotenstoffe freizusetzen, die den Wert für Dopamin wieder ausbalancieren. Beim Rauchen verstellt sich im Laufe der Zeit der Wert für Dopamin und das führt bei Rauchstopp zur typischen Entlastungsdepression, die den Alltag für den Rauchabstinenten mühsam macht.

  • Geht es wirklich nur mit Sich-Wohlfühlen? Was ist, wenn jemand gar nicht mit dem Rauchen aufhören will?

Es gibt im Grunde keinen Raucher, der wirklich aufhören will, das Programm funktioniert trotzdem. Es werden ja gezielt physiologische Reaktionen ausgelöst, die wiederum eine veränderte emotionale Wahrnehmung der Person ermöglichen. Und natürlich machen wir die verkürzte Wahrnehmung bei der Sucht sichtbar. Alle sechzig Minuten wird eine Rauchpause eingelegt, in einem kleinen Raum. Da wird weder gelüftet noch werden die Aschenbecher geleert. Das gehört dazu, damit man lernt, dass ist kein Genuss, sondern grauslich.

  • Welche Rolle spielt die Duftmischung aus Orangen, Zitronen und Zimt, die jeder Seminarbesucher bekommt?

Da geht es um klassische Konditionierung – nebenbei ist es eine sehr angenehme Duftmischung und Zimt einer der ersten Gerüche, die wir schon im Mutterleib wahrnehmen können. Das gesamte Programm wird von diesem Duft begleitet. Immer wenn man danach Lust auf eine Zigarette hat, kann man an dem Duftfläschchen riechen – das ist die beste Rückfallprävention.

  • Viele haben Angst davor, nach dem Rauchstopp Gewicht zuzulegen – was raten Sie hier?

Zu einer Ernährungsumstellung. Essen Sie sechs Wochen lang bevorzugt Lebensmittel mit niedrigem Glykämischen Index wie frisches Gemüse, Früchte, Vollkornprodukte usw. Damit halten Sie nicht nur leichter Ihr Gewicht, der Verzehr solcher Lebensmittel macht auch tatsächlich glücklicher – und das braucht man gerade nach der Raucherentwöhnung.

  • Sie empfehlen auch die Einnahme von Omega-3-Kapseln?

Ja, Omega-3-Fettsäuren unterstützen generell Lernprozesse und beim Rauchstopp geht es darum, einmal Gelerntes wieder zu verlernen – sozusagen die eingefahrene Autobahn im Gehirn zu verlassen und neue Nervenbahnen zu aktivieren, die dann auch ganz konkret physiologisch wirksam werden.

  • Auf Ihrer Homepage steht PMD sei die erfolgreichste Rauchentwöhnungsmethode der Welt?

Sie ist laut unserer Studie hochwirksam. Die durch Kohlenmonoxid-Messungen in der Atemluft belegte Einjahres-Abstinenzrate liegt bei 39 Prozent, und das bei einer Gesamtteilnehmerzahl von 779. Publiziert wurde die Studie im Fachjournal „Addiction“, der Nummer 1 unter den Suchttherapiejournalen. Bei keiner in Österreich praktizierten, frei verkauften oder von der Krankenkasse subventionierten Raucherentwöhnungstherapie ist die Wirksamkeit auch nur annähernd so gut belegt. Inzwischen wurde auch die Langzeitabstinenz nach dem Seminar über vier Jahre von Prof. Dr. Gerald Haidinger von der Medizinischen Universität bestätigt, die 39-prozentige Erfolgsquote wurde dabei gehalten.

  • Wenn man an die ständigen Ermahnungen zu mehr Bewegung, gesunder Er­nährung und Lebensstilmodifikation denkt, ist PDM denn auch bei anderen Süchten, Beschwerden oder Krankheiten anwendbar?

Wir wenden PDM auch bei Angst, Erschöpfungdespression oder leichten depressiven Verstimmungen an. Neu sind auch unsere Seminare zur Stressprävention bei Burnout-Gefahr. Gerade ist im Ecowin-Verlag mein neues Buch „Unumwerfbar, in sechs Wochen wieder im Gleichgewicht“ erschienen. Da geht es genau um diese Thematik.


Wege aus der  Nikotinsucht –  die gängigsten  Verfahren im  Überblick

Eine Million Österreicher nehmen sich Jahr für Jahr vor, mit dem Rauchen aufzuhören, aber nur ein Viertel schafft das auch langfristig, denn Rauchen ist eine der stärksten Süchte. Entsprechen zahlreich sind die Ansätze, die teilweise mit sehr unterschiedlichen Erfolgsraten, den Ausstieg aus der Nikotinsucht versprechen. Über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Wege aus dem Raucherleben ist inzwischen vieles bekannt. Hier für Sie ein kurzer Überblick:

Schlusspunkt-Methode
Ganz alleine von einem Tag auf den anderen und ganz ohne Hilfsmittel – das gelingt nur den Wenigsten. Voraussetzung ist absolute Willensstärke.
Erfolgsquote: zirka 5 %. Vor allem, wer schon mehrere erfolglose Entwöhnungsversuche unternommen hat, sollte sich nach einer anderen Methode umsehen.

Raucherberatung beim Entwöhungsspezialisten
Gemeinsam mit einem spezialisierten Allgemeinmediziner oder Arzt an einem Spezialinstitut (z.B. Nikotin Institut Wien, NÖ Nikotininstitut, Beratungsstellen der Gebietskrankenkassen, Lungenabteilungen in Krankenhäusern) wird eine individuell passende Methode ausgewählt und ein Therapieplan erstellt. Regelmäßige Beratungstermine helfen Rückfälle zu vermeiden.
Erfolgsquote: je nach Qualität der Beratung 5–13 %

Akupunktur
Ohrakupunktur – und unterstützend Körperakupunktur – können starke Entzugsymptome zu Beginn des Rauchstopps mildern und die Gier nach einer Zigarette reduzieren. Raucherinnen und Raucher sprechen allerdings sehr unterschiedlich an.
Erfolgsquote: durchschnittlich 6 %

Hypnose
Rauchstopp-Willige werden vom Therapeuten in Trance versetzt. Dabei können Verhaltensänderungen suggeriert und das Nichtrauchen mit positiven Gefühlen in Zusammenhang gebracht werden. Bislang sehr unterschiedliche Studienergebnisse.
Erfolgsquote: zirka 6 %

Nikotinersatzpräparate
Inhalatoren, Kaugummis, Pflaster, Tabletten oder Nasensprays können die Erfolgsrate verdoppeln. Die Wahl der Applikationsform richtet sich nach dem Grad der Abhängigkeit. Hier braucht es gute Beratung, häufigste Fehler sind Unterdosierung und zu kurze Einnahme.
Erfolgsquote: zirka 15 %

Medikamentöse Therapie
In Österreich stehen derzeit zwei rezeptpflichtige Präparate zur Verfügung:

  • Zyban: Der Wirkstoff Bupropion greift in den Hirnstoffwechsel ein und verringert das Verlangen nach Nikotin und Entzugssymptome. Mögliche Nebenwirkungen: Schlaflosigkeit, Ängstlichkeit, Reizbarkeit. Darf bei einer Reihe von Krankheiten nicht eingesetzt werden!
  • Champix: Der Wirkstoff Vareniclin besetzt direkt die Nikotin-Rezeptoren im Gehirn. Dadurch werden Rauchverlangen und Entzugssymptome gelindert. Beim Rauchen bleiben zudem stimulierender Effekt und Kick aus. Mögliche Nebenwirkungen: Übelkeit, Kopfschmerzen.

Erfolgsquote: je nach Studien zwischen 15 % und 23 %

Psychologische Methoden
Rauchen ist ein erlerntes Verhalten, das wieder verlernt werden kann. Schrittweise lernen Raucher, ihr Suchtverhalten zu beobachten, zu analysieren und Situationen, in denen sie rauchen, zu verändern.
Erfolgsquote: 12 %, in Kombination mit Nikotinpflaster 23 %
 


Was im Körper nach der letzten Zigarette passiert

… unmittelbar danach
Der Nikotinspiegel sinkt nach 30 Minuten auf die Hälfte, nach einer Stunde auf  ein Viertel.
… nach drei Tagen
Das im Körper gespeicherte Nikotin wird nach und nach ausgeschieden, der  Nikotinspiegel sinkt auf Null. Dafür leben Geruchs- und Geschmacksrezeptoren  auf. Sie nehmen Düfte wieder wahr, Ihr Geschmackssinn verfeinert sich.
… nach einer Woche
Die Regeneration der Atemwege beginnt. Es setzt ein langsamer Abtransport der Gift- und Teerstoffe ein, die sich in der Lunge abgelagert haben. Viel Bewegung in der frischen Luft unterstützt diesen Prozess.
… nach einem Monat
Das Immunsystem beginnt sich zu erholen und kann Infektionen wieder besser bekämpfen. Der natürliche Dopamin-Stoffwechsel regeneriert sich (Empfindung von Glück, Freude und Zuversicht!).
… nach sechs Wochen
Die Hormone sind wieder im Lot – das traurige Tief und Verstimmungen sind damit vorüber. Ihre Raucherkarriere ist im besten Fall Geschichte und Ihr gesamter Körper hat sich regeneriert!


Angebot für alle Gesünder-Leben-LeserInnen

Wer sich noch vor dem 31. Mai  2011, dem Weltnichtrauchertag, für ein PDM-Programm „Nebenwirkung rauchfrei“  bei der PDM Präventionsgesellschaft mbH anmeldet, wird belohnt: Unter dem Kennwort „Gesünder Leben“ bekommt man das Programm statt um € 350,– um nur € 280,–. Sie können wählen zwischen Programmen zur Raucherentwöhnung „Nebenwirkung rauchfrei“ und zur Stressprävention „Unumwerfbar, besser leben, lieben und leisten“.  Weitere Infos und alle Termine unter: www.pdmaustria.com bzw. Tel. 0316/890 890

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