Samstag, 07. Dezember 2019

Ratgeber Cholesterin

Ausgabe 04/2010
Vergessen Sie, was Sie bisher über den Bösewicht Cholesterin gehört haben, denn es gibt gute und schlechte Blutfette. Informieren Sie sich stattdessen, welche Laborwerte wirklich wichtig sind und was sie für Sie bedeuten.

Foto: Beau Snyder - istockphoto.com

Kann Ihr Nachbar
täglich Schnitzel mit Pommes verdrücken, ohne Cholesterinprobleme zu haben, während Sie ein zartes Frühstückscroissant nur ansehen müssen, und schon steigen Ihre Werte? Wenn dem so ist, leiden Sie vielleicht an einer genetisch bedingten familiären Hypercholesterinämie oder an einer anderen Grunderkrankung, die Ihren Cholesterinspiegel in die Höhe treibt. Noch bis vor Kurzem hätte man Sie beschuldigt, sich Ihre hohen Cholesterinwerte schlicht „angegessen“ zu haben. Dass dem nicht so ist, weiß man heute genauso wie, dass Cholesterin nicht „von Grund auf böse“ ist.

„Cholesterin benötigen wir sogar, denn es ist ein wichtiger Bestandteil jeder Körperzelle“, sagt der Internist Univ.-Prof. Dr. Hermann Toplak. „Es wird für die Produktion der Gallenflüssigkeit und die Herstellung von verschiedenen Hormonen wie zum Beispiel dem Stresshormon Kortison oder den Sexualhormonen Progesteron, Testosteron und Östrogen benötigt“, erklärt der bekannte Fettstoffwechsel- Spezialist von der Universitätsklinik für Innere Medizin an der Medizinischen Universität
Graz.

Wann steigt das Cholesterin?
Cholesterin wird erst dann gefährlich, wenn es zu einem erhöhten Spiegel im Blut kommt. Das Blut wird zu „fett“, wenn der Körper die eigene Cholesterinproduktion nicht mehr drosseln kann oder einfach zu viel des „Guten“ mit der Nahrung aufgenommen wird.

Aber es gibt eben auch genetische Komponenten: Bei Personen mit der oben genannten familiären Hypercholesterinämie kann ein Teil des Cholesterins nicht ausreichend aus dem Blut gefiltert werden, in der Folge sammelt sich dieses Cholesterin, und der entsprechende Blutwert steigt. Erhöhter Cholesterinspiegel kann auch eine Folgeerscheinung anderer Erkrankungen wie Schilddrüsenunterfunktion, Nierenleiden, Diabetes und Alkoholabhängigkeit sein. Bei alledem gilt meist aber auch, dass noch weitere ungünstige Faktoren wie entsprechende Ernährung, Stress oder Bewegungsmangel hinzukommen müssen, damit das Fett im Blut ansteigt.

Und: Der Cholesterinspiegel steigt mit zunehmendem Alter, sodass mehr als die Hälfte der Bevölkerung über 45 Jahren einen Spiegel von über 210mg/dl (5,5mmol/l) hat. Außerdem haben Frauen generell einen höheren Cholesterinspiegel als Männer, und dieser steigt bei ihnen ebenso wie andere Blutfettwerte in der Schwangerschaft an.

Gutes & böses Cholesterin
Wann ist der Cholesterin-Wert zu hoch? Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Richtwerte festgesetzt, an denen man sich orientieren kann. Demnach beträgt der Normalwert für Gesunde weniger als 200mg/dl (5,2mmol/l). Bei einem Wert von über 300mg/dl (7,9mmol/l) haben Sie ein sehr stark erhöhtes Cholesterin.

Doch damit allein ist die Suppe noch nicht gegessen. Experten unterscheiden weiters HDL- und LDL-Cholesterin:
  • HDL-Cholesterin wird als das „gute Cholesterin“ bezeichnet, da HDL in den Gefäßen abgelagertes Cholesterin einsammelt und wieder in die Leber zurücktransportiert. HDL-Cholesterin schützt die Gefäße somit vor Arterienverkalkung, und sein Wert kann deshalb gar nicht hoch genug sein.
  • LDL-Cholesterin hingegen wird als das „böse Cholesterin“ bezeichnet, da es den umgekehrten Prozess fährt: LDL transportiert Cholesterin von der Leber zum Gewebe. Dort wird es zwar auch als Baustoff für wichtige Hormone gebraucht, doch wenn sich zu viel Cholesterin im Blut befindet, wird das überschüssige LDLCholesterin in den Gefäßen abgelagert und schädigt diese. Der LDL-Cholesterinwert sollte also möglichst niedrig sein.
  • Der Quotient: Wichtig ist auch das Verhältnis von Gesamtcholesterin zu HDL-Cholesterin. Auch dieses wird üblicherweise im Blutbefund angegeben und sollte idealerweise kleiner als 3 sein. Bei sonst gesunden Erwachsenen sind auch Werte unter 5 noch akzeptabel.
  • Und die Triglyzeride? Sie werden mit der Nahrung aufgenommen und gelangen über die Darmwand ins Blut. Aus den Triglyzeriden bildet der Körper Fettdepots, und ein zu hoher Triglyzeridwert erhöht das Risiko der Arterienverkalkung.

Vorsicht: Arterienverkalkung!

Das Fatale am „hohen Cholesterin“ ist, dass keine eigentlichen Symptome auftreten und hohe Werte erst bei der Blutuntersuchung auffallen. Und das ist die schlechte Nachricht: Ein über längere Zeit erhöhter und nicht bemerkter Cholesterinspiegel kann zu Arterienverkalkung führen. Dazu Spezialist Toplak: „Der Verkalkungsprozess in den Arterien findet bei allen Menschen in mehr oder weniger ausgeprägter Form statt und ist Teil des natürlichen Alterungsprozesses. Im Prinzip verläuft er wie das Verkalken eines Wasserrohrs. Durch Kalkablagerungen in der Gefäßwand wird der innere Durchmesser immer geringer, und die Innenwand wird rau und brüchig. Das Blut fließt nur noch schwer durch.“ Und: „Auch wenn die Verengung noch gar nicht so dramatisch ist und den Gefäßdurchmesser zum Beispiel nur um 10 bis 20 Prozent verringert, bedeuten die fettreichen Ablagerungen für den Körper einen Tanz auf dem Vulkan. Sie können plötzlich aufreißen und ein Gefäß von einer Sekunde auf die andere verschließen – ein Herzinfarkt oder Schlaganfall ist dann die fatale Folge.“

Die Summe aller dieser Faktoren macht hohe Blutfettwerte so hochgefährlich. Kommen dann noch das Rauchen, zu hoher Blutdruck und/oder die Zuckerkrankheit hinzu, so kann dadurch der Prozess der Arterienverkalkung zusätzlich beschleunigt werden.

Was Sie tun können
„Ein nur leicht erhöhter Cholesterinspiegel ist jedoch noch kein Grund zur Panik“, beruhigt Toplak. „Er ist ja keine Krankheit, sondern ein Hinweis auf ein Risiko, das außerdem individuell sehr unterschiedlich sein kann.“ Ein gesünderer Lebensstil wäre dennoch angesagt: Versuchen Sie, regelmäßig pulskontrollierte Bewegung zu machen, und ernähren Sie sich bewusst mit ballaststoffreicher, cholesterinarmer Kost mit wenig gesättigten Fettsäuren. Daher bevorzugt Fisch, Vollkornprodukte, Nüsse, Obst und Gemüse essen statt frittierter und gebackener Speisen, fettem Fleisch, Wurst und fettreichem Käse.

Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, um Ihre Cholesterinwerte in einen tolerablen Bereich zu bringen, können Medikamente helfen. So genannte Statine sind hier die erste Wahl; sie bewirken, dass das „böse“ LDL und die Trigylzeride sinken, während das „gute“ HDL-Cholesterin steigt. Dazu Experte Toplak: „Medikamente sind vor allem dann wichtig, wenn Sie schon zusätzliche Risikofaktoren wie Zuckerkrankheit oder geschädigte Gefäße aufweisen. Da heißt es besonders aufpassen, und Ihr LDL-Cholesterinwert sollte dann unbedingt unter 100mg/dl liegen. Nur durch eine Umstellung des Lebensstils ist das nicht zu erreichen.“ Auf eine gesunde Lebensführung sollten Sie dennoch nicht verzichten, denn hat Ihr Blut zu viel Fett abbekommen, helfen Sie Ihren Gefäßen mit der Kombi aus Bewegung, gesunder Ernährung und Abspecken trotzdem gesund zu bleiben.

Risikofaktoren für die Gefäße
Das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall steigt, wenn Sie zusätzlich zu erhöhten Cholesterinwerten
  • unter Bluthochdruck leiden,
  • unter Diabetes leiden,
  • rauchen,
  • gelegentlich Herzschmerzen haben,
  • einen Verwandten haben, der bereits vor dem 65. Lebensjahr einen Herzinfarkt erlitten hat,
  • die Pille nehmen,
  • starkes Übergewicht haben oder
  • viel Stress haben.

Empfehlung:
Trifft für Sie als Mann mindestens einer oder als Frau mindestens zwei der genannten Risikofaktoren zu, dann sollten Sie mit Ihrem Arzt darüber reden, wie Sie Ihren Cholesterinwert senken können.


Laborwerte im Check: alles im grünen Bereich?
Der Cholesterinspiegel gibt die Gesamtmenge an Cholesterin im Blut an, einschließlich „gutes“ HDL- und „schlechtes“ LDL-Cholesterin.

Idealwert
Leicht erhöht
Mäßig erhöht
Stark erhöht
< 200 mg/dl (5,2 mmol/l)
bis 240 mg/dl (6,4 mmol/l)
bis 300 mg/dl (7,9 mmol/l)
> 300 mg/dl (7,9 mmol/l)

Die Blutfettwerte im Detail (Sollwerte für Gesunde)

„Gutes“ HDL-Cholesterin
„Schlechtes“ LDL-Cholesterin
Triglyzeride
> 50 mg/dl
< 130 mg/dl
< 150mg/dl

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