Donnerstag, 21. November 2019

Wir brauchen Anerkennung

Ausgabe 09/2011
„Berufliches Engagement ist einer der wichtigsten Identitäts- und Sinnstifter“, sagt TV-Arzt Prof. Siegfried Meryn. „Fehlende Anerkennung der Leistung durch Kollegen und Vorgesetzte kann Ursache von Gesundheitsproblemen sein.“

Foto: istockphoto.com - Neustockimages
Was Beruf und Gesundheit miteinander zu tun haben, ist meist schnell erklärt: Ein ergonomisch ungünstig gestalteter Schreibtisch führt binnen kürzester Zeit zu Rückenproblemen, Feinstaub in der Industrie schädigt die Lungen und permanenter Stress, Zeit- und Erfolgsdruck gehen nicht spurlos am Herzen vorbei. So richtig und wichtig all diese Studienergebnisse sind, blenden sie doch den entscheidenden Faktor aus, dass berufliches Engagement nicht nur den Großteil unserer wachen Zeit ausfüllt, sondern auch einer der wichtigsten Identitäts- und Sinnstifter ist.

Bewusst gemacht hat das nicht zuletzt eine Reihe von Studien, die nach dem Zusammenbruch des Ostblocks erstellt wurden. Zweifellos hatten Ostdeutsche vor dem Fall der Mauer ein ruhigeres Berufsleben. Zu erwarten wäre also gewesen, dass sie, erstmals mit Leistungsdruck der westlichen Industriewelt konfrontiert, eine Menge an Problemen entwickeln würden. Das Gegenteil war der Fall: Trotz der deutlich gestiegenen Anforderungen hat sich die Lebenserwartung nicht verschlechtert, sondern deutlich verbessert – parallel zur Verdreifachung des Durchschnittseinkommens und der deutlichen Anhebung des Lebensstandards.

Den Mythos vom gestressten Manager, der tot über dem Schreibtisch zusammenbricht, während andere zwar auf ein bisschen Sozialprestige verzichten, dafür aber glücklich und gesund leben, hat schon die britische „Whitehall“-Studie widerlegt. Darin wurden 17.000 Beamte über einen Zeitraum von zehn Jahren begleitet. Es zeigte sich, dass jene auf der höchsten Hierarchiestufe deutlich länger lebten als jene, die weiter unten zwar einen sicheren und ruhigeren Job hatten, darin aber weniger Befriedigung fanden.

Die Befriedigung hängt jedoch in einem hohen Ausmaß von der Anerkennung durch andere ab. Ärzte und Psychologen finden in den Biografien von Herzinfarkt-Patienten immer wieder sogenannte „Gratifikationskrisen“ als Auslöser für die Gesundheitsprobleme. Wie wichtig es ist, dass berufliche Leistungen auch von anderen, Vorgesetzten wie Kollegen, anerkannt werden, zeigt auch eine Untersuchung, die Wissenschafter, die für den Nobelpreis nominiert wurden, verglichen hat. Jene, die nur nominiert, aber nicht ausgezeichnet wurden, lebten um ganze vier Jahre kürzer als die tatsächlichen Preisträger – und das, obwohl auch die leer Ausgegangenen natürlich zur Weltelite zählten.


Buchtipp:
"Wer gesund stirbt, hat mehr vom Leben", ­Siegfried Meryn und Christian Skalnik, Ecowin Verlag, € 19,95
Buchtipp:
Wer gesund stirbt, hat mehr vom Leben ­Siegfried Meryn und Christian Skalnik
Ecowin Verlag, € 19,95

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-11 130x173

Aktuelles Heft 11/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 6. Dezember

 

Unsere Ausgabe 10/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Advent/Weihnachten/Jahreswechsel bedeutet für viele Stress pur. Wie gehen Sie damit um?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information