Mittwoch, 21. August 2019

Was ist eigentlich Stress?

Ausgabe 11/2010
„Stress-Management ist eine Generalkur für den Körper“, sagt TV-Arzt Prof. Siegfried Meryn, „um aktiv gegenzusteuern, muss man allerdings wissen, welche Faktoren bei der Entstehung von Stress eine Rolle spielen.“

Foto: Paul Kline - istockphoto
Arbeitsplatz, Terminhetze und familiäre Probleme werden als Stressfaktoren stets ins Rennen geführt. Doch in Wahrheit gibt es nichts, was – für sich genommen – Stress verursacht. Stress entsteht immer erst durch die subjektive Bewertung der äußeren Umstände im Kopf. Ein neuer Auftrag auf dem ohnehin schon überquellenden Schreibtisch kann ebenso sehr als zusätzliche Belastung wie als weitere Chance gesehen werden.

Leider schafft diese Erkenntnis allein den Stress noch nicht aus der Welt. Denn die Kriterien für diese innere Bewertung sind meist tief in der Psyche verwurzelt. Stressforscher nennen diese im Lauf der Biografie gewachsenen Grundbedürfnisse „Sollwerte“. Stress entsteht immer dann, wenn diese – vermeintlich oder tatsächlich – verletzt werden. Allein schon der Verdacht, der Ehemann könnte fremdgehen, verletzt den Sollwert Liebe, der unzufriedene Chef das Bedürfnis nach Anerkennung, ein unzuverlässiger Kollege den selbst auferlegten Anspruch, die Arbeit bis zum Abend perfekt erledigt zu haben.

Verhindern lässt sich diese unbewusst und in Sekundenbruchteilen ablaufende innere Bewertung nicht – aber ändern. Die Ansprüche an sich und andere kennen zu lernen und gelegentlich auch zu revidieren, halten Experten heute für den ersten wichtigen Schritt einer effizienten Stresstherapie. Der zweite Schritt setzt beim Selbstbild an. Denn parallel zur inneren Bewertung einer Situation wird, ebenso unbewusst, „analysiert“, ob man sich den neuen Umständen gewachsen fühlt. Das ist der Grund, warum Optimismus und Selbstsicherheit zu den besten Gesundheitsversicherungen gehören. Ein „Das habe ich noch nie gekonnt“ wird den Stresslevel erhöhen, ein „Ich habe schon viel Schwierigeres gemeistert“ den Blutdruck am Steigen hindern.

Aktives Stressmanagement ist daher immer eine Generalkur für den Körper. Sich abgrenzen zu lernen und dem nächsten Ansturm von Arbeit oder Erwartungen auch einmal ein klares „Nein“ entgegenzusetzen, halten Stressforscher dabei für einen der wichtigsten Schritte. Noch viel größer sind aber die Spielräume im Inneren. Wie Untersuchungen zeigen, sind die eigenen Ansprüche, Ängste und Selbsteinschätzungen auch die effizientesten „Schrauben“ zur Senkung der Stresspegel.

Buchtipp:
Wer gesund stirbt, hat mehr vom Leben Siegfried Meryn und Christian Skalnik, Ecowin Verlag, € 19,95

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