Dienstag, 12. November 2019

Warum Frauen länger leben

Ausgabe 10/2009
„Frauen sind in Sachen Immunsystem das starke Geschlecht“, sagt TV-Arzt Prof. Siegfried Meryn, „vielleicht ist das ihr Geheimnis.“

Foto: Daria T. - fotolia.com
Fünf Jahre, sieben Monate und sechs Tage: Genau diese Zeitspanne wird eine 2006 in Österreich geborene Frau länger leben als ein Mann, der im selben Jahr das Licht der Welt erblickte. Statistisch gesehen wird sie fast 83 Jahre alt werden, er nur 77. Warum das so ist, ist seit Jahren Gegenstand heftigster Forschungsaktivitäten, eine wirklich schlüssige Antwort konnten die Wissenschafter bisher aber nicht präsentieren.

Naheliegend schien es, die Erklärung zunächst in den Genen zu suchen. Immerhin tragen Frauen zwei X-Chromosomen, Männer ein X- und ein Y-Chromosom, dessen 78 Gene aber für wenig mehr als die geschlechtsspezifischen Unterschiede verantwortlich zeichnen. Als Nächstes konnten britische Forscher nachweisen, dass Frauen mehr körpereigene Gesundheitspolizisten, sogenannte T-Abwehrzellen, produzieren und daher weniger anfällig gegen Infektionskrankheiten sind. Tatsächlich sind Frauen immunologisch das „starke Geschlecht“. In den Entwicklungsländern sterben viermal so viele männliche wie weibliche Nachkommen an Infektionen und Parasiten – in industrialisierten Ländern sind es immerhin noch doppelt so viele. Eine andere Theorie besagt, dass Frauen einen langsameren Stoffwechsel haben als Männer und daher weniger Energie verbrauchen. Daher fallen weniger freie Radikale an, was den Alterungsprozess verlangsamen würde. Auch Evolutionsforscher haben ihren Erklärungsansatz beigesteuert: Der weibliche Organismus sei von Natur aus robuster, weil er auch für Nachkommenschaft sorgt. So muss etwa das Herz einer Schwangeren, ganz ohne zusätzliches Training, wie das einer Athletin arbeiten: Der Blutdruck sinkt, das Herz vergrößert sich und wirft bis zu 40 Prozent mehr Blut bei jedem Schlag aus. Dieses Reservepotenzial könnte auch die bei Frauen immer noch geringere Anfälligkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erklären. Männer erleiden im Schnitt zehn bis fünfzehn Jahre früher als Frauen einen Herzinfarkt.

An jeder dieser Theorien mag Wahres sein. Doch es gibt Ausnahmen, die nahelegen, dass der frühe Mannstod kein naturgewolltes, unabänderliches Schicksal ist. Zumindest in Simbabwe, in der Zentralafrikanischen Republik und im Inselstaat Tonga leben Männer tatsächlich länger. Fragt sich bloß, warum?

QUELLE & BUChTIPP:
Wer gesund stirbt, hat mehr vom Leben Siegfried Meryn und Christian Skalnik, Ecowin Verlag € 19,95

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