Dienstag, 24. September 2019

Light macht nicht leichter

Ausgabe 04/2009
„Glauben Sie nicht jedem neuesten Trend“, rät der bekannte TV-Arzt Prof. Siegfried Meryn und führt Sie sicher durch den Gesundheits-Dschungel.

Foto: Vanda - fotolia.com
Traumhaft schlanke Frauen und zunehmend auch coole athletische Männer löffeln lachend cremige Desserts, schlürfen süße Softdrinks und naschen Süßigkeiten: Glaubt man der Werbung, so ist das Abnehmen mit Light-Produkten mühelos und ohne Verzicht möglich.

Von den USA ausgehend, hat die Light-Welle die Supermarktregale in aller Welt nachhaltig erobert. Wie Markterhebungen zeigen, greift jeder vierte Einkäufer regelmäßig zu fettreduzierten Milchprodukten, künstlich gesüßten Limonaden oder Fleischpasteten, für deren Herstellung sogar eigens speckresistente Tierrassen gezüchtet wurden.

„Light“, „fettarm“, „kalorienreduziert“, „energiearm“. Was genau die werbewirksamen Aufdrucke bedeuten, war die längste Zeit ungeregelt. Ernährungswissenschaftlern stieg regelmäßig die Zornesröte ins Gesicht, wenn sie in einem angeblichen Leicht-Produkt zwar weniger Fett, dafür aber besonders viel Zucker fanden. Die Gesamtbilanz der Light-Welle liest sich entsprechend: Ernährungsexperten weisen immer wieder darauf hin, dass die wachsenden Marktanteile solcher Produkte die weltweite Fettepidemie nicht verhindern konnten. Nicht wenige meinen sogar, dass beides im kausalen Zusammenhang zu sehen ist. Ein Grund dafür liegt in den Lebensmitteln selbst. Weil niemand gerne „nichts“ isst, ersetzen die Hersteller zum Beispiel weggelassenes Fett bevorzugt durch besonders energiedichte Kohlenhydrate. Australische Wissenschaftler haben kürzlich Normalkost mit gängigen Light-Gerichten verglichen. In den angeblichen Abnehmhilfen fanden die Forscher durchschnittlich 7,1 Kilojoule pro Gramm, im normalen Speise plan aber nur 5,2 Kilojoule pro Gramm. Das günstigste Verhältnis von verzehrter Menge und aufgenommener Energie hatten Gemüsegerichte, obwohl sie durchwegs mit viel pflanzlichem Öl zubereitet waren. Sie hatten bloß 3,9 Kilojoule pro Gramm. Daher: Geben Sie ruhig etwas mehr Öl auf Ihren Salat und meiden Sie dafür fettarme Produkte.

Die längste Zeit konnten zudem Light-Produkte Etliches enthalten, was alles andere als light war. In Europa wurde 2007 zumindest dem groben Etikettenschwindel ein Riegel vorgeschoben. Seither legt eine EU-Verordnung fest, dass Produkte nur noch dann als „light“ bezeichnet werden dürfen, wenn sie zumindest 30 Prozent weniger Kalorien enthalten als ein Vergleichsprodukt mit normaler Rezeptur. „Fettfrei“ darf nur noch genannt werden, was weniger als 0,5 Prozent Fett pro 100 Gramm enthält. Alles in allem bewerten die meisten Ernährungsexperten Light-Produkte inzwischen überaus skeptisch. Mein Rat: werden Sie zum kritischen Konsumenten und tun Sie vor allem eines: Essen Sie gesund!

QUELLE & BUCHTIPP:
Wer gesund stirbt, hat mehr vom Leben, Siegfried Meryn und Christian Skalnik, Ecowin Verlag € 19,95

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