Donnerstag, 09. Juli 2020

Laufen für ein gutes Leben

Ausgabe 07-08/2010

Foto: Neustockimages - istockphoto.com
Als das Team der medizinischen Fakultät der Stanford University 1984 mit seiner Studie begann, war Jogging gerade erst in Mode gekommen. Die Forscher wollten untersuchen, wie sich das Laufen auf die Gesundheit auswirkt, und wählten als Studienobjekte 538 Männer und Frauen, die damals schon alle über 50 waren. Unter Wissenschaftskollegen führte das zu Kopfschütteln und massiven Vorwürfen an die Forscher: Die ehrgeizigsportliche Betätigung älterer Menschen würde mehr Schaden als Nutzen bringen. Viele fürchteten, die neue Bewegungsform würde gerade bei Älteren massenhaft zu orthopädischen Problemen und Verletzungen führen.

Insgesamt 21 Jahre ließen die Forscher ihre Probanden laufen. Alle mussten jährlich zu einem intensiven Gesundheitscheck. Als Kontrollgruppe wählten die Forscher 430 Senioren aus Kalifornien, an denen der Lauf-Boom spurlos vorübergegangen war. 2008 lagen dann die Ergebnisse des Langstreckentests vor. In beiden Gruppen kamen natürlich nicht alle ans Ziel. Allerdings waren in der sportabstinenten Gruppe 34 Prozent der Teilnehmer gestorben, die Laufsportler hatten dagegen eine Sterberate von nur 15 Prozent zu verzeichnen. Das passte zu Ergebnissen früherer Arbeiten: Schon im Jahr 2000 hatte eine dänische Studie mit 20.000 Teilnehmern gezeigt, dass die körperlich Aktiven eine Lebensverlängerung von durchschnittlich sieben Jahren herausgelaufen hatten.

Die Stanford-Studie zeigt aber nicht nur, dass körperliche Aktivität das Leben verlängert, sondern auch lebenswerter macht. Zu Beginn der Studie liefen die Läufer im Durchschnitt etwa vier Stunden, nach 21 Jahren nur mehr 76 Minuten pro Woche. Die ganze Studiendauer aber profitierten sie von ihrem Training. Insgesamt war der Gesundheitszustand der Sportlergruppe am Ende der Versuchsreihen um vieles besser als bei den Inaktiven. Die aktiven Sportler erlitten weniger Knochenbrüche, litten seltener an Infektionskrankheiten und hatten auch weniger neurologische und Herz-Kreislauf- Erkrankungen sowie weniger Krebsfälle zu verzeichnen. Das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, war für die aktiven Teilnehmerinnen um das Vierfache kleiner. Dass sportliche Aktivität das Leben insgesamt verlängert, glauben auch die Studienautoren nicht. Aber es ist damit einmal mehr bewiesen, dass körperliche Bewegung hilft, die potenziell verfügbare Lebensspanne besser auszunützen. Denn da, wo auch bei den Sportlichen körperliche Gebrechen aufgetreten waren, machten sich diese im Schnitt um ganze 16 Jahre später bemerkbar.

Buchtipp:
Wer gesund stirbt, hat mehr vom Leben, Siegfried Meryn und Christian Skalnik, Ecowin Verlag, € 19,95

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