Sonntag, 16. Juni 2019

Krafttraining im Schongang

Ausgabe 06/2010
„Sich nach jahrelangem Extrem-Couching zu überfordern bringt nur eines: Frust“, sagt TV-Arzt Prof. Siegfried Meryn und empfiehlt, jedes Sportprogramm langsam und vernünftig anzugehen.

Foto: iStockphoto
Wer sich die diversen Sportempfehlungen der letzten Jahrzehnte ansieht, wundert sich kaum noch, warum so viele den Sportstätten fernblieben. Vieles davon klingt martialisch, als gälte es, den Nachwuchs für die Navy Seals auszubilden. Krafttraining, so ein bis heute weit verbreiteter Mythos, würde Bizeps & Co erst dann wachsen lassen, wenn die Muskeln schmerzen. Richtig ist das genaue Gegenteil: Jede regelmäßig wiederholte Bewegung baut Muskeln auf. Besser, als mit einem Kraftakt viel zu große Gewichte zu stemmen und dann bald schlapp zu machen, ist es, den Muskel mit kleineren Gewichten, aber mehr Wiederholungen sanft zum Wachsen zu bringen. Auch dass Muskelkater nichts anderes als eine Art „Gärungsprozess“ für wachsende Muskeln ist, stimmt leider nicht. Auch in den Schmerz „hineintrainieren“ lässt den Bizeps nicht schneller schwellen. Was schmerzt, sind schlicht und einfach millionenfache Mikroeinrisse im Muskelgewebe. Es zahlt sich also aus, gängige Sport-Mythen unter die Lupe zu nehmen, denn viele lassen sich ganz leicht widerlegen:

  • Beim Ausdauersport möglichst viel zu trinken, wie bis vor Kurzem ultimativ empfohlen, ist falsch. Die Marathonläuferin Cynthia Lucero ist daran gestorben. Sie hatte ihren Körper mit so viel Flüssigkeit überschwemmt, dass dieser den Salzverlust nicht mehr wettmachen konnte. Die Richtlinie der Marathon- Mediziner-Vereinigung IMMDA (International Marathon Medical Directors Association) lautet nun, nur so viel zu trinken, dass sich das Gewicht während des Laufens nicht verändert. Auf langen Strecken heißt das: maximal einen halben bis Dreiviertelliter pro Stunde.
  • Teure Elektrolytgetränke beim Training bringen nichts, was ein gespritzter Apfelsaft nicht auch kann. Kohlensäurearme Mineralwasser oder verdünnte Obst- und Gemüsesäfte sind nicht nur die idealen Durstlöscher, sondern bringen auch die ausgeschwitzten Mineralstoffe und Spurenelemente ebenso verlässlich zurück wie coole Fitness-Drinks.
  • Auch für Eiweiß-, Energie- und Power- Riegel gilt: unnötig. Wer sich ausgewogen ernährt, braucht auch nach intensivem Training keine Ergänzungsprodukte.
  • Stretching vor dem Sport reduziert weder die Verletzungsgefahr noch den Muskelkater. Zum Trainingsbeginn ist sanftes Aufwärmen ausreichend, vom Dehnen profitieren Muskeln und Bänder erst nach dem Sport: Sie werden besser durchblutet und regenerieren sich schneller. Zudem hält Stretching die Bänder elastisch und die Gelenke beweglich.

Buchtipp:
Wer gesund stirbt, hat mehr vom Leben Siegfried Meryn und Christian Skalnik Ecowin Verlag, € 19,95

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