Montag, 19. August 2019

Die tägliche Transfett-Bilanz

Ausgabe 04/2010
„Das schlimmste aller Fette hat der Mensch selbst geschaffen“, sagt TV-Arzt Prof. Siegfried Meryn und empfiehlt, künstliche Transfette so weit wie möglich aus dem Speiseplan zu verbannen.

Foto: Franck Olivier - istockphoto.com
Bereits 1902 kam dem deutschen Chemiker Wilhelm Normann die Idee, die ungesättigten Fettsäuren in Pflanzenöl über eine chemische Reaktion zu härten und in gesättigte zu verwandeln. Damit steigt der Schmelzpunkt, und die Fette werden bei Zimmertemperatur streichfähig. Die Industrie stürzte sich mit Feuereifer auf die neue Produktionstechnik. Bald waren künstlich gehärtete Fette überall dort, wo gebrutzelt, geschmiert oder frittiert wurde, allgegenwärtig.

Als eine Art Betriebsunfall der Fetthydrierung passiert es allerdings häufig, dass die Wasserstoffatome nicht auf der richtigen Seite der Kohlenstoffatome andocken, sondern auf die „Trans Seite“ springen. Dieser unscheinbare Vorgang verändert die chemischen Eigenschaften enorm. Der menschliche Organismus kann die meisten dieser künstlichen Fette nicht abbauen. Werden verstärkt Transfettsäuren in die Zellwände eingebaut, werden die Zellwände porös und können Nährstoffe nur noch schlecht aufnehmen. Zudem senken sie das „gute“ HDL-Cholesterin und erhöhen die Triglyceride. In den Gefäßen richten sie so vielfach Schlimmeres an als die schädlichsten tierischen Fette. Schon eine um bloß zwei Prozent erhöhte Aufnahme von Transfetten erhöht das Risiko von Herzkrankheiten um 93 Prozent. 2009 führte Österreich daher als drittes europäisches Land per Verordnung eine Begrenzung für künstliche Transfettsäuren in Lebensmitteln ein. Sie sieht u. a. ein Verbot für Fette und Öle und daraus hergestellte Lebensmittel vor, die mehr als zwei Prozent künstliche Transfette im Gesamtfett enthalten. Es gibt jedoch eine einjährige Abverkaufs- und Übergangsfrist. Die Lebensmittelindustrie muss also rasch reagieren. Auch die Fast-Food-Ketten haben Besserung schon in naher Zukunft gelobt. Dafür lauert die Gefahr oft dort, wo sie auf den ersten Blick nicht so leicht zu erkennen ist: etwa in Croissants, Plunderteig-Gebäck, Krapfen, Topfengolatschen oder Mikrowellen-Popcorn.

Wie schnell sich die vielen kleinen Transfett-Bomben am Ende des Tages summieren können, zeigt ein Beispiel: Das falsche Croissant zum Frühstück, zu Mittag ein Hühner-Burger mit Pommes und abends eine Portion Mikrowellen- Popcorn belasten den Körper mit gut acht Gramm Transfetten. Das liegt bereits bei einem erwachsenen Mann weit über dem empfohlenen Maximum von drei Gramm pro Tag. Für Kinder und Jugendliche erst recht (maximal 1,5 Gramm). Ob die Pommes frites im Restaurant oder der Krapfen beim Bäcker ums Eck mit natürlichem oder künstlichem Fett zubereitet wurden, ist für Konsumenten nicht erkennbar. Im Supermarkt kann das Kleingedruckte auf den Etiketten weiterhelfen. Wer Produkte, auf denen „teilweise gehärtete Fette“ draufsteht, meidet, kann wenigstens hier die Transfette aus dem Speiseplan verbannen.

Buchtipp :
Wer gesund stirbt, hat mehr vom Leben, Siegfried Meryn und Christian Skalnik, Ecowin Verlag, € 19,95

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