Montag, 19. August 2019

Der innere Schweinehund

Ausgabe 03/2010
„Viele Bemühungen um mehr Bewegung scheitern. Doch mit viel Geduld und mehreren Anläufen schaffen Sie es, Ihren inneren Schweinehund zu besiegen“, sagt TV-Arzt Prof. Siegfried Meryn.

Foto: Thomas Shortell - istockphoto.com
Auch wenn die seltsamsten Mythen und kuriose Sportlehren immer wieder für kurzfristige Verwirrung sorgten, im Grunde genommen ist die wichtigste Botschaft längst angekommen: Weil Sport und Bewegung vielfältigste Vorteile bieten, wollen Umfragen zufolge 60 bis 80 Prozent der Erwachsenen eigentlich mehr für die körperliche Fitness tun.

Aber gerade mal ein Zehntel schafft es, diesen Vorsatz auch wirklich dauerhaft zu verwirklichen. Wer hoch motiviert ins Fitnesscenter kommt, landet mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit schon nach wenigen Wochen unter den Karteileichen. Gründe für die hohe Diskrepanz zwischen Wollen und Tun haben Experten inzwischen gleich mehrere identifiziert. Zum einen sind es überfordernde Trainingspläne, die rasch für mehr Frusterlebnisse als Wohlbefinden sorgen. Zum anderen sind aber auch die Erwartungen oft weit überzogen und findige Marketingexperten sorgen dafür, dass sie das bleiben. Das „False-Hope-Syndrom“ führt dazu, dass viele sich keine realistische Erwartung etwa darüber machen, wie lange es dauern wird, bis ein Trainingsprogramm Effekte zeigt. Außerdem ist jede Veränderung des Lebensstils – das vergessen nicht zuletzt auch die Autoren diverser Lebensratgeber gerne – aus motivationspsychologischer Sicht harte Arbeit. Viele, vor allem jene, die schon als Kinder wenig aktiv waren oder beim Schulsport mehr Spott als Pokale kassierten, scheitern oft an der sogenannten „Selbstwirksamkeitsüberzeugung“. Solchen Menschen gelingt es nicht, sich ein Bild von sich selbst als sportlich-aktive Menschen zu schaffen. Solche emotionalen Muster los zu werden, räumen Experten ein, ist nicht leicht. Aber unmöglich ist es auch nicht. Hilfreich ist es, das neue Tun auch mit neuen „emotionalen Sinnebenen“ zu verknüpfen.

Auch wenn der Kopf meist weiß, dass mehr Bewegung sinnvoll und gut wäre, bremst oft der Bauch, weil er zum Müßiggang das Bild eines angenehmen Fernsehabends gespeichert hat. Mit einiger Übung lässt sich das aber umprogrammieren. Dann steht beim Aufbruch zum Joggen das Bild vom letzten Lauf über grüne und satt duftende Wiesen vor Augen. Als wichtigste Maßnahme zur Verwirklichung des neuen Lebensplanes empfehlen Motivationspsychologen daher eine Strategie der kleinen Schritte: Lieber fünf Minuten joggen als gleich den Marathon anvisieren. Und dann Geduld haben. Nachforschungen bei Menschen, die ihren Lebensstil erfolgreich zum Besseren gewandelt hatten, zeigen, dass die meisten fünf bis sechs Anläufe gebraucht haben.

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