Mittwoch, 23. Oktober 2019

Bewegung macht glücklich

Ausgabe 07-08/2009
„Regelmäßige Bewegung sorgt für ein Mehr an Glückshormonen“, sagt TV-Arzt Prof. Siegfried Meryn, „und hilft auch bei Depression."

Foto: drubig-photo - fotolia.com
Zweifellos kostet es zunächst Überwindung, aus der bequemen Couch aufzustehen und die gerade noch hochgelagerten Füße in Sportschuhe zu zwängen. Auch die ersten Minuten auf der Joggingstrecke sind vor allem für Ungeübte noch nicht das reine Vergnügen. Die Atemwege wirken noch wie zugeschnürt, der ganze Körper weiß noch nicht so recht, wie ihm da plötzlich geschieht. Doch bald fühlt sich vieles anders an. Bereits ein gemütlicher Spaziergang erhöht den Blutfluss im Gehirn.

Unter Belastung stellen die Nervenzellen mehr Botenstoffe her. Unter anderem eine Sonderration Endorphin, ein Glückshormon, das positive Gefühle von Zufriedenheit bis zu einem tief empfundenen Erfolgsgefühl auslösen kann. Auch die Hormone Adrenalin und Noradrenalin werden durch viel Bewegung vermehrt produziert. Das wirkt sich nicht nur positiv auf die Stimmung, sondern auch nachhaltig gegen depressive Verstimmungen aus. Dieser Mechanismus hilft Bewegungswilligen schon nach kürzester Zeit, die Anfangshürden in ein aktiveres Leben zu überwinden. Mit der Zeit wird die Sonderdosis Glücksgefühl für viele zur lieben Gewohnheit.

Inzwischen haben Studien gezeigt: Ein Mindestmaß an Bewegung kann nicht nur vorhandene Depressionen mildern, sondern auch dafür sorgen, dass sie gar nicht erst auftreten. Frauen, die nie Sport betrieben hatten, entwickeln doppelt so oft Depressionen wie Geschlechtsgenossinnen, die regelmäßig joggen, schwimmen oder in die Kraftkammer gehen. Die Ankurbelung der Botenstoffproduktion durch Bewegung hilft sogar gegen ausgeprägte Angststörungen. Zwar konnten die Ärzte an der Carl-Friedrich-Flemming-Klinik in Schwerin beobachten, dass gerade Patienten, die an Panikattacken leiden, Sport sehr oft verweigern, weil sie Schwindel oder Herzrasen als Zeichen einer bedrohlichen Erkrankung interpretieren. Wo es gelang, sie dennoch zu körperlicher Aktivität zu motivieren, waren die Erfolge freilich verblüffend. Mit drei bis viermal pro Woche am Jogging-Parcours waren die erzielten Effekte ähnlich gut wie die eines hochwirksamen Medikaments gegen Angststörungen.

Der Medizinpsychologe James Blumenthal von der Duke University in North Carolina nahm bereits Ende der 1990er Jahre einem Drittel seiner Patienten die Antidepressiva weg und schickte sie ins AerobicStudio. 16 Wochen später fühlten sich diese Patienten genauso gut wie die Vergleichsgruppe, die weiterhin die gewohnten Medikamente bekommen hatte. Eine Folgestudie arbeitete dann heraus: Die Pillen führten zwar um einiges schneller zur Gemütsaufhellung, dafür sorgte das Training dauerhafter für die erwünschte Wirkung.


QUELLE & BUCHTIPP:
"Wer gesund stirbt, hat mehr vom Leben" Siegfried Meryn und Christian Skalnik,  Ecowin Verlag € 19,95

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