Sonntag, 27. Mai 2018

Plötzlich Pflegefall

Ausgabe 2018.05
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Pflege wird oft erst im Ernstfall zum Thema – sowohl für Betroffene als auch Angehörige. Dabei kann rechtzeitige Pflegeberatung helfen. Denn: Wenn es ernst wird, gibt es in Österreich viele Möglichkeiten der Unterstützung. GESÜNDER LEBEN klärt auf.


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Die wenigsten sind darauf vorbereitet, doch es kann schnell passieren und uns alle treffen: Plötzlich sind wir auf die Hilfe anderer angewiesen oder wir müssen miterleben, wie ein geliebtes Familienmitglied unerwartet zum Pflegefall wird. Viele Fragen türmen sich dann auf: Was nun? An wen wenden wir uns? Wer hilft in dieser Situation und welche Möglichkeiten gibt es? Ist ein Pflegeheim die richtige Lösung oder schaffen wir die Pflege zu Hause? Gut, zu wissen: Die Situation ist zwar nicht einfach, aber man muss sie nicht alleine bewältigen. Förderungen, soziale Dienste und Beratungsstellen helfen, die neue Situation Schritt für Schritt zu schaffen. Wie etwa die Pflegeberatung des Wiener Hilfswerks: „Die Menschen, die Rat bei uns suchen, sind meist mit einer akuten Situation konfrontiert. Oft geht es um einen Angehörigen, der durch einen Sturz oder eine akute Erkrankung zu Hause zum Pflegefall geworden oder im Krankenhaus gelandet ist“, erklärt Sigrid Knotek. Die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegefachkraft ist seit 2009 in der Beratungsstelle für Hilfe und Pflege daheim des Wiener Hilfswerks tätig. „Noch bevor die Frage der zukünftigen Pflege im Raum steht, geht es hier um rasche Hilfe – etwa um die Zeit nach dem Krankenhaus zu überbrücken oder die ersten Tage mit der neuen Situation zu Hause zu bewältigen.“ Rasche Abhilfe schaffen etwa soziale Dienste, wie die Hauskrankenpflege oder Heimhilfe, die den erkrankten Menschen und pflegende Angehörige stundenweise im Alltag unterstützen.

Pflege zu Hause. Begreiflicherweise möchten viele ältere Menschen so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung leben. Für Familienmitglieder stellt dies eine große Herausforderung dar. Kann die Hilfe zu Hause wirklich gewährleistet werden? „Zunächst müssen ganz pragmatische Fragen geklärt werden – etwa: Ist die Wohnung oder das Haus für die neue Situation geeignet? Ist das unmittelbare Wohnumfeld barrierefrei, welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit der oder die Betroffene hier den Alltag gut bewältigen kann?“, erklärt Knotek. „Doch oft lassen sich die eigenen vier Wände schon mit wenigen Handgriffen adaptieren.“ So können etwa Haltegriffe in Bad und Toilette angebracht, Stolperfallen entschärft, das normale durch ein Pflegebett ersetzt und zusätzliche Lichtquellen angebracht werden. „Sind größere Umbauten notwendig, besteht die Möglichkeit, vom Sozialministeriumservice eine Förderung dafür zu erhalten“, klärt Knotek auf.

Mit Unterstützung statt alleine. Neben den praktischen Gegebenheiten geht es vor allem aber darum, ob ein soziales Netzwerk vorhanden ist, das die Pflege und Hilfe im Alltag gewährleisten kann. Erlaubt die berufliche Situation der Angehörigen eine Pflege zu Hause? Können die täglich notwendigen Aktivitäten wie Einkäufe, Behördenwege oder Arztbesuche erledigt werden? „Wichtig ist, sich von dem Gedanken zu befreien, dass man alles alleine schaffen muss“, so die Pflegeberaterin. „Es gibt viele Dienste, die man in Anspruch nehmen kann. So hilft etwa die Heimhilfe dabei, den Alltag zu meistern“, so die Expertin. „Zudem bieten viele Pflegeheime eine Kurzzeitpflege an, damit zum Beispiel pflegende Angehörige im Urlaub neue Kraft tanken können.“ Eine weitere Möglichkeit sind Tageszentren. „Dort werden ältere Menschen tagsüber individuell betreut“, so Knotek. Die Erhaltung der Lebensfreude und Lebensqualität steht dabei im Vordergrund. „Ein strukturierter Tagesablauf, bedarfsgerechte Betreuung, individuell abgestimmte Therapie, soziale Kontakte sowie Unterhaltungsaktivitäten wie Musik, Bewegung oder Ausflüge sorgen für ein motivierendes Umfeld und fördern den Erhalt der eigenen Fähigkeiten.“ Besteht ein Betreuungsbedarf auch nachts und reicht eine Betreuung durch soziale Dienste tagsüber nicht aus,  ist die 24-Stunden-Betreuung eine weitere Möglichkeit, die Betreuung  zu Hause zu gewährleisten. „Dabei wohnen Personenbetreuerinnen mit im Haushalt, unterstützen bei der Lebensführung und bei Alltagsaktivitäten, führen den Haushalt und leisten Hilfe bei der Körperpflege und beim Kleiden.“  

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Plötzlich Pflegefall
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