Dienstag, 12. November 2019

Pilze, die keiner will – was tun?

Ausgabe 11/2012
Während die einen Pilze im Wald sammeln, würden die anderen alles darum geben, ihre loszuwerden bzw. gar nicht erst eine Pilzinfektion zu bekommen. GESÜNDER LEBEN hat für Sie drei Experten gefragt.

Foto: Can Stock Photo Inc. - 4774344sean
Macht eine Antipilzdiät Sinn?
Univ.-Prof. Dr. Cornelia Lass-Flörl,
Direktorin der Sektion für Hygiene, Medizinische Universität Innsbruck

Ich denke, hier gehen Schul- und Komplementärmedizin sehr weit auseinander. Ich selbst halte nichts davon, vor allem weil mir die wissenschaftliche Bestätigung fehlt. Meiner Meinung nach ist es aber auch fast unmöglich, nach so einer strengen Ernährungsweise zu leben, immerhin sollte man auf sämtliche zuckerhaltigen Lebensmittel, auf Kohlenhydratlieferanten wie Nudeln, Weißbrot oder Reis, aber auch auf frische und tiefgefrorene Früchte sowie saures Obst weitgehend verzichten.

Die Antipilzdiät wird übrigens dann empfohlen, wenn Pilze im Darm nachgewiesen werden. Allerdings befinden sich dort ständig Pilze und wir nehmen auch mit jeder Banane, jedem Apfel Pilze auf. Es ist nun mal so, dass Lebensmittel nicht steril sind. Das müssen sie aber auch gar nicht sein, schließlich sollte ein gesundes Immunsystem in der Lage sein, potenzielle Krankheitserreger, wie eben Pilze, abzuwehren.

Fußpilz: Wo kann ich mich anstecken?
Primar Univ.-Doz. Dr. Robert Strohal,
Leiter der Dermatologie am Landeskrankenhaus Feldkirch

Fußpilz wird nur äußerlich übertragen, innerlich kann man sich normalerweise nicht anstecken. Abgesehen davon gibt es unzählige Ansteckungsmöglichkeiten. Und: Wirklich jeder kann sich infizieren, denn Fußpilz entsteht überall dort, wo der Fuß mit den Pilzsporen in Kontakt kommt – wo auch immer diese liegen.

Langes Tragen von engen und geschlossenen Schuhen (z. B. Gummistiefel nur in Ausnahmefälle anziehen) oder auch starkes Fußschwitzen fördert das Entstehen des Fußpilzes. Bauarbeiter leiden beispielsweise recht häufig unter Fußpilz, da sie aus Sicherheitsgründen spezielle Arbeitsschuhe tragen müssen, die sehr kompakt sind und oft nass werden. Aber auch die eigene Familie zählt zu den häufigsten Ansteckungsquellen. Man teilt sich Bad, Dusche und Co und geht auch gerne barfuß. Familienmitglieder mit Fußpilz verteilen die Pilzsporen somit in den eigenen vier Wänden.

Mein Kind hat Kopfpilz. Was nun?
Univ.-Prof. Dr. Gabriele Ginter-Hanselmayer,
Klinische Abteilung für Umweltdermatologie, Med. Universität Graz

Lange Zeit galten Kopfpilzinfektionen als ausgestorben, seit dem Millennium nehmen sie aber vor allem im Kindesalter wieder dramatisch zu, möglicherweise aufgrund von Globalisierung und Immigration.

In jedem Fall aber muss ein Kopfpilz behandelt werden. Das Problem: Für die dafür erforderliche systemische innerliche Behandlung gibt es nur wenige Präparate. In Österreich sind bloß drei Medikamente auf dem Markt, davon ist nur eines für Kinder zugelassen. Wurde der auslösende Erreger identifiziert (das ist übrigens sehr wichtig, denn eine Behandlung ohne klare Indikation kann weitreichende Folgen haben) und stellt sich heraus, dass eines der nicht zugelassenen Medikamente eingesetzt werden sollte, kann der Arzt dies machen und somit Off-Label behandeln – also auf eigene Verantwortung. Das ist nicht verboten und bei schweren Infektionen wie dem Kopfpilz mitunter die einzige Möglichkeit.

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-11 130x173

Aktuelles Heft 11/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 6. Dezember

 

Unsere Ausgabe 10/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Advent/Weihnachten/Jahreswechsel bedeutet für viele Stress pur. Wie gehen Sie damit um?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information