Sonntag, 23. September 2018

Pilz auf unserer Haut

Ausgabe 2018.03
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Pilzinfektionen sind meist unangenehm – aber gottlob harmlos. GESÜNDER LEBEN verrät, wie Sie Ansteckungen vermeiden können und wie Pilzinfektionen behandelt werden.


Foto: iStock-AlexRaths

Pilze gedeihen nicht nur im Wald, sondern auch am menschlichen Körper hervorragend. Laut wissenschaftlichen Schätzungen erkranken rund 70 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Laufe ihres Lebens an einer Pilzinfektion, in der medizinischen Fachsprache „Mykose“ genannt. „Medizinisch gesehen, unterscheidet man vor allem zwischen drei Pilzarten, die den menschlichen Körper befallen können“, erklärt Dr. Claudia Heller-Vitouch, Wiener Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten. „Das sind die Sprosspilze (befallen meist die Schleimhäute), die Dermatophyten (für Haut- und Nagelpilze zuständig) sowie die Schimmelpilze. Letztere spielen aber eher in der Intensivmedizin, zum Beispiel bei Lungenbefall, als in der Dermatologie eine Rolle.“

In der Regel harmlos. Lungenbefall? Die Expertin beruhigt: „Systemische Pilzinfektionen, also der Befall innerer Organe, sind äußerst selten und treten vor allem bei stark immungeschwächten Personen, wie zum Beispiel bei Chemotherapie- oder AIDS-Patienten, auf.“ Sind Organe von einer Pilzinfektion betroffen, muss allerdings sofort ärztlich behandelt werden, da dies beispielsweise zu einer Sepsis führen und somit lebensgefährlich sein kann. „In der Regel handelt es sich bei einer Pilzerkrankung allerdings um oberflächliche Infektionen, also der Haut, der Schleimhäute, der Nägel sowie auch der Haare“, betont Heller-Vitouch. Generell kann eine Mykose an allen Körperstellen auftreten, besonders prädestiniert sind allerdings jene Stellen, an denen man stark schwitzt, wie zum Beispiel in der Leiste, unter der Brust oder an den Füßen. „Die meisten Pilze bevorzugen eine feuchte sowie warme und dunkle Umgebung.“ Oberflächliche Pilzinfektionen können zwar mitunter eine entzündliche Form annehmen, sind in den allermeisten Formen jedoch „harmlos, wenn auch unangenehm“, so die Dermatologin.

Eintrittspforte für Bakterien. Der weitverbreitete Mythos, Pilzinfektionen würden auf ernsthafte Erkrankungen hindeuten, ist nicht gänzlich korrekt, betont Heller-Vitouch: „Erst wenn der Pilz an sehr ungewöhnlichen Körperstellen auftritt oder auf keinerlei Behandlung anspricht, sollte man weitere Untersuchungen durchführen.“ Auch, dass ein Pilz der Auslöser für andere Krankheiten sein kann, müsse man relativieren: „Eine oberflächliche Pilzinfektion per se ist niemals gefährlich. Dort, wo der Pilz auftritt, ist allerdings ein Hautdefekt vorhanden, der wiederum Eintrittspforte für Bakterien sein kann.“ Dies kann zum Beispiel bei Diabetikern gefährlich werden, die nicht selten von Fuß-, Zehen- und Nagelpilzinfektionen betroffen sind, was aufgrund des geschwächten Immunsystems schwere Entzündungen zur Folge haben kann. Gibt es ansonsten Personen, die anfälliger für Mykosen sind als andere? „Das hat vor allem mit der genetischen Disposition zu tun“, erklärt Heller-Vitouch. „Bei manchen Menschen genügt zum Beispiel eine Schuhanprobe im Geschäft, um sich Pilze einzufangen.“ Aber auch verletzte oder schwach durchblutete Hautstellen sind Prädispositionen für Hautpilze.

Hautpilz. Pilzinfektionen der freien Haut können sich auf unterschiedlichste Arten zeigen. Die Übertragung erfolgt in den meisten Fällen über menschliche Hautschuppen – entweder im direkten Körperkontakt oder indirekt über kontaminierte Gegenstände. Eine Ausnahme stellt hier die Microsporie dar, ein Hautpilz, der alle Körperstellen befallen kann: Dieser wird nämlich von Tier auf Mensch übertragen, gehört also zur Gruppe der Zoonosen. „Besonders bekannt ist der sogenannte ‚Katzenpilz’, der kreisrunde, rötliche und schuppige Flecken mit einem gezackten Rand verursacht“, erläutert Heller-Vitouch. Dieser Pilz kann sich flächenmäßig, aber auch an anderen Körperstellen ausbreiten. „Mykosen des behaarten Kopfes werden in Österreich meist durch den ‚Katzenpilz’ verursacht“, ergänzt die Expertin. Von dieser Art der Pilzinfektion sind jedoch beinahe ausschließlich Kinder betroffen. Ein weiterer häufig auftretender Hautpilz ist die Kleienpilzflechte, die vor allem an Hals und Oberkörper auftritt: Auslöser ist der Hefepilz Malassezia furfur, ein normaler Bestandteil der Hautflora. Unter dem Einfluss von Wärme und Feuchtigkeit kann der Pilz jedoch einen schuppigen, milchkaffeefarbigen Ausschlag verursachen, der unter Sonnenbestrahlung weiß wird. „Kleienpilzflechte ist nicht ansteckend!“, betont die Expertin.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Pilz auf unserer Haut
Seite 2 Fußpilz

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