Dienstag, 22. Oktober 2019

Peinliche Pein?

Ausgabe 2013/11

Hämorrhoiden, Fußpilz oder gar Kopfläuse: unangenehme Plagen, über die man nicht gerne spricht – aber auch keinesfalls schweigen sollte. Letzter Teil unserer Serie.


Foto: ® Can Stock Photo Inc. - volare2004

Jeden zweiten Erwachsenen stören lästige Hämorrhoiden und jeder Dritte hat irgendwann einmal Fußpilz. Zudem gibt es kaum eine Familie, die ihren Nachwuchs noch nicht zum „Entlausen“ schicken musste. „Also absolut kein Grund, vor Scham rot zu werden“, betont Allgemein- und Komplementärmediziner Wolfgang Molnár, der fast täglich mit Krankheiten konfrontiert wird, die in den Bereich „Tabuthema“ fallen.  

Nagel- und Fußpilz
Er ist hartnäckig, unangenehm und breitet sich gerne immer weiter aus: Fußpilz ist sehr häufig. Rund ein Drittel der Bevölkerung hat schon Bekanntschaft mit diesem lästigen Hautleiden gemacht. Ab einem Alter von 50 Jahren steigt die Zahl der Betroffenen sprunghaft an. Allgemeinmediziner Molnár weiß: Nur ein kleiner Teil der Betroffenen behandelt Fußpilz richtig.

Die Fakten: Die Ursachen für eine Infektion liegen selten an mangelnder Hygiene, so Molnár: „Besonders anfällig sind neben immungeschwächten Patienten und Diabetikern auch Gesunde mit luftdichten Schuhen. Raue Hornhaut und kleine Verletzungen am Nagel begünstigen die Ausbreitung der Erreger.“ Die Übertragung erfolgt häufig in feuchtem Milieu wie Schwimmbad oder Sauna, durch Schuhwerk oder Manikürinstrumente. Warum gerade Infektionen im Fußbereich verharmlost und oft längere Zeit nicht behandelt werden? „Erkrankte Zehen lassen sich leicht in Socken und Schuhen verstecken.“ Die meisten Patienten bemerken die Infektion erst nach einiger Zeit, da sie keine Schmerzen und manchmal auch kaum Juckreiz auslöst.
Warum zum Arzt? Erste Symptome sind kleine Einrisse der aufgequollenen Haut zwischen dem vierten und fünften Zeh. Die umliegende Fußsohle erscheint oft schuppig. Diese Auffälligkeiten sollten den Patienten zum Hautarzt führen, damit er die Diagnose bestätigt. Denn auch eine Psoriasis (Schuppenflechte) kann ähnlich beginnen und ohne richtige Diagnose monatelang verschleppt werden. Zur Behandlung von Fußpilz werden antimykotische Salben aus der Apotheke eingesetzt. Molnár: „Betroffene sollten sie benützen, bis die Pilzerkrankung abgeheilt ist und noch zwei Wochen darüber hinaus.“ Zu 60 Prozent tritt der Fußpilz innerhalb eines Jahres erneut auf. Sind größere Anteile der Fußnägel infiziert, sind Tabletten angebracht.

Hämorrhoiden
Wir alle besitzen ein sogenanntes Hämorrhoidalpolster. „Das ist ein blutgefüllter Schwellkörper, der den Enddarm nach außen hin abdichtet“, so Molnár im Detail. „Er verhindert, dass ungewollt Stuhl, Feuchtigkeit oder Gase den After verlassen.“

Die Fakten: Jeder Zweite ab 30 Jahren entwickelt Beschwerden wegen Hämorrhoiden. Wer die Ursachen kennt, kann das Auftreten dieses Volksleidens bei sich selbst leichter verhindern. „Dazu zählen genetische Veranlagung und Drucksteigerung im Bauchraum, etwa durch chronische Verstopfung, Schwangerschaften, schweres Heben ebenso wie eine sitzende Lebensweise“, erklärt Molnár. „Das Hämorrhoidalpolster schwillt zum Beispiel auch an, wenn beim Stuhlgang zu sehr gedrückt wird. Es weiten sich die Venen, die dann zu den berüchtigten Hämorrhoiden werden können.“ Hämorrhoiden aus der Schwangerschaft verschwinden allerdings in den meisten Fällen nach der Entbindung. Die ersten Anzeichen von Hämorrhoiden äußern sich durch starken Juckreiz in der Afterregion und durch ein leichtes Brennen nach dem Stuhlgang. Beides entsteht, weil Flüssigkeit durch die verformten Hämorrhoiden aus dem Enddarm nach außen dringt und gute Wachstumsbedingungen für Hautkeime schafft.
Warum zum Arzt? Unbehandelt verstärken sich die Hämorrhoiden nach und nach. Verschärft wird das Problem, wenn auf dem Toilettenpapier oder im Stuhl frisches Blut auftaucht. „Würden die meisten Menschen sich nicht so sehr schämen und gleich zum Arzt gehen, könnten sie mit der richtigen Therapie schon in diesem Stadium das lästige Leiden verschwinden lassen“, meint Molnár. „Zudem muss bei Blutungen auch unbedingt ein Dickdarm-Karzinom ausgeschlossen werden.“ Leichte Formen von Hömorrhoiden lassen sich durch Salben und Zäpfchen lindern, wobei die enthaltenen Wirkstoffe gelegentlich Kontaktallergien hervorrufen können. Spätere Stadien bedürfen der Behandlung bei erfahrenen Hautärzten, Chirurgen oder Gastroenterologen. Die Therapie im Anfangsstadium ist ambulant und bereitet kaum Schmerzen, kann aber mehrere Monate dauern. Bei weiter fortgeschrittenen Beschwerden sind aufwendigere Verfahren notwendig, etwa die operative Entfernung des überschüssigen Gewebes.

Kopfläuse
Beinahe jedes dritte Kind wird regelmäßig von den Blutsaugern befallen. „Die Parasiten verbreiten sich vor allem in Schulen und Kindergärten direkt von Kind zu Kind“, sagt Dr. Molnár. „Sie sind aber kein Zeichen mangelnder Hygiene und werden auch nicht wie oft behauptet durch Mützen oder Haustiere übertragen.“ Je früher Eltern die Schule über den Befall beim eigenen Kind informieren, desto schneller können auch Spielgefährten und Mitschüler untersucht und behandelt werden. Die Übertragung lässt sich so in wenigen Tagen aufhalten.

Die Fakten: Wenn nicht gezielt nach den Läusen oder ihren Entwicklungsstadien gesucht wird, können sich diese zwei bis vier Wochen unbemerkt einnisten. Molnár: „Später verspürt man starken Juckreiz, weil die Haut auf den Speichel der Läuse reagiert.“ Während die Läuse selbst kaum zu erkennen sind, ist der Nachweis der an den Haaren festgeklebten Eihüllen, der Nissen, gut möglich. Verdächtig sind auch kleine Entzündungsherde hinter den Ohren.
Warum zum Arzt? Kopfläuse tragen zwar keine Krankheitserreger in sich, unbehandelt verbreiten sich die Parasiten aber sehr rasch, erzeugen Juckreiz und – infolge des Kratzens – entzündete Wunden und Ekzeme. Ärzte und Gesundheitsämter raten zu Wirkstoffen aus der Apotheke, die auf Kopfhaut und Haare verteilt werden und die Läuse abtöten. Diese müssen wiederholt angewendet werden, da die noch nicht geschlüpften Exemplare in den Eiern die erste Prozedur überstehen. „Eher vorsichtig sollte man bei Sprays sein. Hier besteht das Risiko, den Wirkstoff einzuatmen und die Atemwege zu reizen“, warnt der Mediziner. Bei allen Produkten ist es wichtig, die Haare zusätzlich mechanisch von den Parasiten zu befreien. Auf www.schulaerzte.at steht übrigens kostenlos ein Infofolder über Kopfläuse zum Download zur Verfügung.

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