Sonntag, 19. Mai 2019

Nie mehr schnarchen

Ausgabe 2015.11

Viele tun es ohne ihr Wissen und werden von gepeinigten Partnern darauf aufmerksam gemacht: Schnarchen sorgt für Übermüdung und Dauerstress. gesünder leben zeigt, was gegen die Lärmbelästigung wirklich hilft.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - lenm

Etwa 50 Prozent der Österreicher, vorrangig Männer, schnarchen. Die lauten Atemgeräusche sind dabei auf Vibrationen im Bereich des weichen Gaumens zurückzuführen; primär sind hiervon das Gaumenzäpfchen, das am Gaumensegel hängt, häufig auch der Zungengrund betroffen. „Die notwendige Muskelspannung, die dafür sorgt, dass der Rachenschlauch offen bleibt, ist bei schnarchenden Menschen zu gering. Dadurch nähern sich die Seitenwände dieses Schlauchs an und beginnen zu flattern, sobald Luft durchströmt“, erklärt Univ.-Prof. DDr. Herbert Riechelmann, Direktor der Innsbrucker Univ.-Klinik für HNO-Heilkunde und Präsident der Österreichischen HNO-Gesellschaft. Fallen die Schleimhäute ganz zusammen, kann es gefährlich werden: „Rund fünf Prozent der Bevölkerung leiden an einer obstruktiven Schlafapnoe, also Schnarchen mit Atemaussetzern, die ab einer gewissen Anzahl Herz und Hirn langfristig schädigen können“, so Riechelmann. Ernst zu nehmende Hinweise liefert hier der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI), der die durchschnittlich relevanten Atemaussetzer pro Stunde Nachtschlaf misst. Da eine bestimmte Zahl an Apnoen völlig normal ist, wird eine obstruktive Schlafapnoe – bei an sich gesunden Menschen – ab einem AHI von 15 definiert. „Bei bereits bestehenden internistischen Risikofaktoren wie z. B. vorangegangenen Herz-, Gefäß- oder Lungenerkrankungen sollte diese Diagnose aber schon ab einem AHI von 5 gestellt werden“, weiß Riechelmann.

Nicht nur lästig, sondern schädlich. Das nächtliche Sägekonzert mit zu häufigen Atemstillständen versetzt den Körper in Alarmbereitschaft. Er antwortet zwar mit Weckreaktionen, die – bis zur nächsten Apnoe – für eine regelmäßige Atmung sorgen, im Hintergrund läuft er aber einen Marathonlauf ohne sichtbare Strapazen: Die punktuelle Sauerstoffunterversorgung führt zu rasendem Puls, zudem werden Stresshormone ausgeschüttet, die Blutdruck, Blutzucker und Herzfrequenz negativ beeinflussen und dadurch die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Gefäßverkalkungen, Herzinfarkten oder Schlaganfällen erhöhen. „Ab einem AHI von 30 steigt das Risiko, an einer kardiovaskulären Erkrankung zu versterben um das Fünffache“, betont Riechelmann. Der fragmentierte Schlaf führt außerdem zu verkürzten Regenerationsphasen: Tagesmüdigkeit führt zu Konzentrationsschwierigkeiten, Vitalitätseinschränkungen und einem höheren Risiko für Verkehrsunfälle. Erschöpfungszustände vermindern die Leistungsfähigkeit, können depressive Verstimmungen fördern und zu Potenzproblemen führen.
Rechtzeitig Abhilfe schaffen. Bei einer Untersuchung im Schlaflabor können von einem Facharzt die Art und der Schweregrad des Schnarchens ermittelt werden. Oft kann dem Schlafräuber schon mithilfe von Lebensstilveränderungen (siehe Kasten) ein Schnippchen geschlagen werden. Andernfalls erweitert sich die Palette an Therapiemaßnahmen. Bewährt hat sich vor allem die Atemmaske (CPAP – Continuous Positive Airway Pressure). „Dabei wird über eine Nasenmaske ein individuell definierter Luftdruck in den oberen Atemwegen eingebaut, wodurch der Rachenschlauch nicht kollabiert“, so Riechelmann. „Atemmasken versprechen eine hohe Erfolgsquote. Die Patienten fühlen sich am nächsten Morgen ausgeschlafen und leistungsfähig – diese Faktoren fördern auch die Toleranz gegenüber der Maske, die freilich gewöhnungsbedürftig ist.“ Sollte es beim Tragen der Maske zu Problemen mit der Nasenatmung kommen, kann die Korrektur einer etwaig verkrümmten Nasenscheidewand in Betracht gezogen werden. Andernfalls ist diese Operation – obwohl oft vermeintlich angenommen – keine Maßnahme, die das Schnarchproblem löst. Chirurgische Eingriffe haben nur Sinn, wenn dabei überflüssiges Gewebe beseitigt und der Rachenschlauch gestrafft wird.

Neues Verfahren. Einen Lichtblick gibt es für alle jene, die aus medizinischen Gründen keine Atemmaske tragen können bzw. Operationen nicht infrage kommen: „Ausgewählte Patienten, bei denen die klassischen Therapiemethoden nicht anwendbar sind, können nun mit einem Zungenschrittmacher behandelt werden“, erläutert Riechelmann. – Österreichweit vorerst nur in Innsbruck. Hier wurden die Implantate, die einem Herzschrittmacher ähneln und den Bewegungsnerv der Zunge stimulieren, erstmals drei Patienten eingesetzt. „Die innovative Behandlungsmethode kann das Leben dieser Patientengruppe verlängern, es handelt sich dabei aber wohlgemerkt um keine Mode-Operation, sondern wird nur aufgrund definierter Vo-raussetzungen durchgeführt“, betont Riechelmann.

1. Hilfe für Schnarcher

Wer nur manchmal schnarcht und dafür keine organischen Ursachen aufweist, wird den lästigen Ruhestörer auch durch einen veränderten Lebensstil wieder los. Univ.-Doz. Dr. Leopold Stiebellehner von der Schlafapnoeambulanz der Klinischen Abteilung für Pulmologie am Wiener AKH gibt wertvolle Tipps:

  • Verzichten Sie auf Alkohol und Medikamente wie z. B. Beruhigungs- und Schlaftabletten. Sie lassen die Muskulatur der oberen Atemwege noch stärker erschlaffen.
  • Klären Sie etwaig vorhandene Allergien ab.
  • Achten Sie auf die richtige Lage während des Schlafes: Die Tendenz zu schnarchen steigt mit der Rückenlage.  
  • Reduzieren Sie eventuell vorhandenes Übergewicht. Fettablagerungen im Rachen- und Zungenbereich können die Atemwege beeinträchtigen.
  • Vermeiden Sie ein zu spätes und zu reichhaltiges Abendessen.
  • Achten Sie auf regelmäßige sportliche Betätigung.

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