Sonntag, 19. November 2017

Neues aus Medizin & Wissenschaft

Ausgabe 2017.11

Neue Erkenntnisse und Studienergebnisse aus der Welt der Wissenschaft – rund um die Themen Gesundheit, Medizin, Ernährung und Wohlbefinden.


Foto: canstockphoto - Eraxionjpg

 

Strahlentherapie gegen Hirnmetastasen

Vor allem Lungenkrebs, Brustkrebs und der bösartige Hautkrebs (Melanom) bilden häufig Metastasen, die sich im Gehirn ansiedeln. Einzelne dieser Tochtergeschwülste können heute chirurgisch entfernt werden. „Mit der Operation allein wird jedoch selten eine dauerhafte lokale Tumorkontrolle erzielt“, erklärt Professor Stephanie E. Combs, vom Universitätsklinikum der Technischen Universität München. Zum Therapiestandard gehöre deshalb eine anschließende Radiotherapie. Die derzeit übliche Ganzhirnbestrahlung hat jedoch Nebenwirkungen, zu denen neben Haarverlust und Abgeschlagenheit auch Gedächtnisstörungen gehören. Eine neuartige und schonende Alternative ist die lokalisierte, hoch dosierte Strahlentherapie. Die Behandlung erfolgt mit einem Spezialgerät, das eine fokussierte Bestrahlung ermöglicht. Diese kann genützt werden, um die Operationshöhle nach einer Entfernung der Hirnmetastase zu bestrahlen. Diese Bestrahlung wird in nur wenigen Behandlungstagen durchgeführt, in vielen Fällen sogar ohne einen Krankenhausaufenthalt.  „Aktuelle Studien haben gezeigt, dass dabei nicht nur weitaus seltener neue Metastasen auftreten, auch kognitive Störungen werden weitgehend vermieden“, betont die Expertin.

Grüner Star: Kleinste Medizin-Implantate verhindern Erblindung

Das Glaukom (grüner Star) ist die weltweit zweithäufigste Ursache für Erblindung. Der dabei entstehende Druck entsteht, weil das Kammerwasser im Auge nicht gut abfließen kann. Die meisten Patienten werden mit Tropfen behandelt, die den Augenninnendruck senken. Helfen die Medikamente nicht, muss operiert werden. Experten weisen nun auf eine neue minimal-invasive Methode mit den weltweit kleinsten Implantaten hin. Diese werden mithilfe eines Mikroskops durch einen kleinen Schnitt ins Auge eingesetzt. „Sie haben die Form winziger Röhrchen, nicht viel dicker als ein Haar, durch die das gestaute Kammerwasser aus dem Auge herausgeleitet wird“, erläutert Prof. Dr. Norbert Pfeiffer, Direktor der Augenklinik und Poliklinik, Universitätsmedizin Mainz. Die Augenchirurgen platzieren die Mini-Stents in die feinen Abflusskanälchen des Kammerwassersystems unter die Lederhaut oder unter die Bindehaut. Der minimale Schnitt muss nicht genäht werden.

Immer mehr Allergiker!

Die Klimaerwärmung wirkt sich auch auf unsere Lunge negativ aus: Längere Wärme-/Hitzeperioden führen zu höheren Pollenkonzentrationen. Schadstoffemissionen belasten die Atemwege. Diese Belastungen zeigen sich nun klar in der aktuellen LEAD-Studie zur österreichischen Lungengesundheit, bei der mehr als 11.000 Probanden umfassenden Untersuchungen unterzogen wurden: 37 % weisen eine Allergie auf, in den vergangenen fünf Jahren hat die Anzahl der Allergiker um 13 % zugenommen. „Dies ist besorgniserregend, da das Vorliegen einer Allergie das Risiko, Asthma zu entwickeln, erhöht. Schon jetzt haben 15 % der Bevölkerung keine normal gesunde Lunge entwickelt“, betont Dr. Sylvia Hartl, Vorständin der 2. Internen Lungenabteilung am Wiener Otto-Wagner-Spital.

Zahl des Monats 2,5

... Mal  höher ist die Sterbewahrscheinlichkeit von Krebspatienten, die sich herkömmlichen Therapien wie Operation sowie Chemo- und Strahlentherapie verweigern und ausschließlich auf Alternativtherapien setzen. Das ergab nun eine Studie der US-amerikanischen Elite-Universität Yale, die 281 Krebspatienten untersuchte. Ein Beispiel: Fünf Jahre nach Therapiestart überlebten 90 Prozent der Brustkrebspatientinnen, die sich mit schulmedizinischen Methoden behandeln ließen, bei den Alternativbehandelten waren es nur 58 Prozent.

Placebo-Effekt erforscht

Die Uni Basel fügte 160 Probanden über Wärmesonde immer stärkere Hitze zu. Sie mussten den Temperaturanstieg stoppen, sobald sie die Hitze nicht mehr ertrugen. Danach sollte der Schmerz mit einer Creme gelindert werden. Dabei wurden sie in vier Gruppen aufgeteilt: Die erste wurde wissentlich mit einer Creme ohne Wirkung behandelt, die vorherige Aufklärung über den Placebo-Effekt fehlte aber. Der zweiten Gruppe wurde der Placebo-Effekt erklärt. Die dritte Gruppe wurde im Glauben gelassen, sie würden mit einer wirksamen Salbe behandelt. Die letzte Gruppe bekam gar keine Salbe. Das Ergebnis: Die Probanden der zweiten und dritten Gruppe berichteten von einer Abnahme der Schmerzintensität. Die Wertungen der ersten und vierten Gruppe waren einander ähnlich. Fazit: Bei der Placebo-Vergabe entscheidend ist die Kommunikation.

Hüftgelenks-Operation - Schneller fit durch Muskelaufbau

Ältere Patienten leiden oft an altersbedingtem Abbau von Muskelmasse und -funktion. Diese können nicht zuletzt den Erfolg eines neuen Hüft- oder Kniegelenks beeinträchtigen. Experten empfehlen Patienten, im Vorfeld einer Hüft- oder Knieprothesen-Operation Muskelaufbau zu betreiben. Um die besten Ergebnisse zu erzielen, sollte das Training mit ausgewogener, kalorienarmer und nährstoffreicher Ernährung unterstützt werden. „Ausreichende Muskelmasse und Muskelfunktion sind bei einem Krankenhausaufenthalt ein wichtiger Faktor für eine rasche Genesung“, so Dr. Karl-Dieter Heller vom Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig (D).

Bestätigt Zusammenhang von Darmflora und MS

Die Ursachen, die zu multipler Sklerose (MS) führen, sind bis heute nicht vollends geklärt. Eine Studie der Uni München weist nun darauf hin, dass die Darmflora des Menschen bei der Entstehung von MS eine wichtige Rolle spielt. Die Wissenschafter verglichen die Darmflora von 50 eineiigen Zwillingspaaren, bei denen jeweils nur ein Zwilling an MS erkrankt ist. Da diese Zwillingspaare genetisch identisch sind, sollten sich auf diese Weise MS-relevante Unterschiede der Darmflora finden lassen. Nicht nur dass im Rahmen der Studie diese Unterschiede bestätigt wurden, zusätzlich wurden auch genetisch veränderte Mäuse mit Darmproben der MS-kranken Zwillinge geimpft – mit dem Ergebnis, dass diese ein hundertprozentig höheres Risiko aufwiesen, eine der menschlichen MS ähnliche Hirnentzündung zu entwickeln, als Mäuse, die mit Darmbakterien gesunder Zwillinge besiedelt wurden. Dies seien direkte Hinweise, dass die menschliche Darmflora tatsächlich Komponenten enthält, die den Ausbruch multipler Sklerose starten oder begünstigen.

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